Drama
| Belgien / Frankreich / Russland / Spanien 2004
| INHALTSANGABE
12. Januar in Brüssel. Es herrschen unglaubliche 25 Grad.
Durch großes Glück gelingt der Ukrainerin Sonia (Ingeborga Dapkunaite) die Flucht kurz vor ihrer Zwangsabschiebung aus Belgien. Sie versteckt sich im Auto von Miguel. Eine schicksalhafte Begegnung, der zahlreiche Verwicklungen folgen werden. Sonia ist auf der Suche nach ihrem Mann, der vor Jahren die Ukraine verließ, um in Belgien sein Glück zu finden. Miguel, der ebenso wie sie zurückgelassen wurde – seine Frau ist in New York – hilft ihr bei der Suche. Mit von der Partie sind außerdem Miguels kleine Tochter Laura und seine Mutter. Sie verfolgen die dünne Spur, die Sonias Mann auf seinem Weg hinterlassen hat und ganz zum Entsetzen von Töchterchen Laura kommen sich Miguel und Sonia dabei immer näher...
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| FILMKRITIK
Der Film beginnt düster. Mit dunklen, grobkörnigen Bildern werden Abschiebehäftlinge gezeigt, kurz bevor sie in einen Flieger gesetzt werden, der sie zurück nach Hause schickt. Ein Zuhause, zu dem sie nicht zurück wollen. Hier treffen Menschen aufeinander, deren Hoffnung auf neues Glück zerplatzt ist. Doch unerwartet – wie das in Träumen eben so ist – verändert sich die Lage und eine von ihnen, Sonia, kann fliehen.
Was in dieser Weise beginnt entwickelt sich unerwarteterweise in einen sehr leichten Film, einem Traum ähnelnd, der wie ein Wattewölkchen vorüberzieht. An einem frühlingshaft scheinenden Tag mitten im Winter keimen neue Hoffnungen auf, es werden Schlussstriche gezogen und Neuanfänge akzeptiert.
Und das ist auch das eigentliche Thema des Films. Es geht um das Zurückgelassen werden, das Ende und den Neuanfang. Es geht um Liebe, die verlorengegangen ist und Liebe, die gefunden wird.
Eine Frau, am Ende aller Kräfte in einer Grenzsituation. Die Ukraine hat sie hinter sich gelassen, Belgien liegt vor ihr. Dasselbe gilt für ihre Liebe. Eine Beziehung unter die niemals ein Schlussstrich gezogen wurde, macht einen Neuanfang schwer. Vor Jahren ging ihr Mann fort, seitdem muß sie mit den Briefen leben, die er ihr schreibt. Doch Briefe können lügen. Das muß und will sie erfahren. Sie will sich seiner Liebe versichern und wird dabei auch ihre eigene infrage stellen müssen.
Doch Sonia ist nicht die einzige Zurückgelassene. Da wären auch Miguel und seine kleine Tochter Laura. Die Mutter – eine Fado-Sängerin – lebt in New York. Aus beruflichen Gründen. Das zumindest reden sich die beiden tapfer und hoffnungsvoll ein. Irgendwann, so planen sie, werden sie auch nach New York reisen und die Mutter besuchen. Als dann Sonia auf der Bildfläche erscheint und sich nach und nach die Geschichte ihres verlorenen Mannes nachvollziehen lässt, müssen sie der Wahrheit ins Antlitz sehen.
Diese Geschichte entwickelt sich mit großer Leichtigkeit. Die Gassen Brüssels kommen so romantisch daher wie Florenz an einem Sommertag. Die Szenen am Meer entwickeln einen typischen Nordsee-Charme. Darüber liegen traurigschöne Fado-Klänge. In der Tat kommt bei diesem Film Urlaubsstimmung auf.
Vieles wird wie im Vorbeigehen erzählt. Überall tummeln sich nette kleine Details. Da kann es eben auch passieren, dass genau dann auf einer Wiese weiße Kaninchen umherhoppeln, wenn Laura mit verträumten Kinderaugen aus dem Autofenster schaut. Auch das eigentlich kitschige Happy End wird so beiläufig erzählt, dass man es dem Film nicht übel nimmt.
Manchmal wird der niedliche Kindercharme Lauras leider ebenso zuviel, wie der andauernd cholerisch brüllende kleine Bruder und die unbarmherzig schwatzende Mutter. Daneben steht dann die stets nachdenklich wirkende und irgendwie über allen stehende Sonia. Die Figuren sind sehr klar ausgestaltet, mit Überraschungen warten sie ebensowenig auf wie die Geschichte selbst. Trotzdem macht es Spaß, ihnen bei ihrer chaotischen Irrfahrt durch Stadt und Land zuzuschauen.
| FAZIT
Ein leichter, unterhaltsamer Film, der zwar nicht mit großen Überraschungen aufwarten kann aber einen angenehmen Eindruck hinterlässt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
Gesamtwertung:
Autor: Anke Hermann
| FILMPLAKAT
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