Sonntag | 27. Mai 2012 | 21:37 Uhr
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  • FILM REVIEW | Nicht dran denken
  • Nicht dran denken

    Komödie | Italien 2007
  • | INHALTSANGABE

  • Stefano ist Indiemusiker in Rom mit Lebenskrise: immerhin ist er schon 36 Jahre alt. Freundin weg, Wohnung weg – er flieht in den Schoß der Familie in der Provinz. Doch dort ist alles gar nicht im Reinen: die Schwester widmet sich nur noch den Delphinen im Zoo, die Mutter versucht zwanghaft, glücklich zu sein, der Vater spielt nur noch Golf, der Bruder lebt in Scheidung und hat die väterliche Fabrik runtergewirtschaftet. Irgendwie fühlt sich Stefano verantwortlich, und die anderen lasten ihm auch gleich die Verantwortung auf – so versucht er, die Fabrik zu retten. Doch auch immer mehr Familiengeheimnisse werden offenbart; und nur langsam ebnet sich der Weg für die Zukunft.
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      • | FILMKRITIK

      • „Immer erzählen mit alle alles! Bin ich der Auserwählte? Ist es eine Epidemie?“ Stefano ist wirklich gequält, denn tatsächlich scheint er mehr und mehr als der Verantwortliche gesehen zu werden, der die Familie aus der Krise reißen soll, als der, der die ansteckende Krankheit der Entfremdung und Isolation beenden kann. Dabei ist er natürlich nur ein Einäugiger, der von den Blinden als König gewählt wurde – ist er selbst doch geflohen vor seiner eigenen Lebenskrise ins ach so warme Nest der scheinbar heilen Familie. Doch dort spielt der Vater nur noch Golf, die Mutter besucht schamanistische Meditationskurse, um zu lernen glücklich zu sein, die Schwester Michela hat das Studium geschmissen, um als Tierpflegerin nur noch für Delphine zu leben, und der Bruder Alberto lebt in Scheidung und hat die väterliche Kirschkonservenfabrik in den Konkurs getrieben.

        Nun soll Stefano es rausreißen, der 36jährige, der in jungen Jahren schon nach Rom geflohen ist und dort eine vielversprechende Karriere als Indie-Punkrocker begonnen hat. Wobei inzwischen seine Mitmusiker um 15 Jahre jünger sind – und dabei auch schon das Publikum um ein paar Jahre überholt haben. Das CD-Projekt liegt seit Jahren auf Eis, Freundin und Wohnung sind weg – und als er nun im Kleinen seiner Familie helfen will, muss er plötzlich auch die großen Schäden kitten. Und wird zugleich angenörgelt, warum er sich eigentlich einmischt…

        Eine Komödie über eine Familienkrise ist das; wo aber in einer deutschen Variante vielleicht eher in Richtung Klamauk gegangen würde oder aber die Elendstendenzen allzu ernsthaft behandelt würden, geht Regisseur Gianni Zanasi italienisch leicht vor. Er überbetont seine Gags nie und verfällt auch nie in falsche Dramatik – dabei geht es wirklich um existentielle Probleme, wenn die Pleite des Familienunternehmens bevorsteht oder ein depressiver Kumpel von Stefano mehr und mehr in Selbstmordgefahr schlittert. Das wird alles wie beiläufig erzählt, ohne dass etwas unter den Tisch fiele, ohne aber auch drauf rumzureiten.

        Geschickt spielt Zanasi mit retardierenden Momenten, das Timing ist genau richtig, dem set up folgt ein genau richtig dosiertes pay off. Stefano etwa, der so lange weg war und gar nichts weiß von den Verhältnissen, behauptet, um nicht ganz als Depp dazustehen, die Schwester Michela sei lesbisch. Was einen kleinen Spannungsmoment im Nebenbereich aufbaut, der sich im elterlichen fürsorglichen Gespräch mit der Tochter, die natürlich von nichts weiß, fortsetzt, um erst in einer wilden Knutscherei ganz selbstverständlich aufgelöst zu werden – womit sich auch wieder der Bogen schließt zum Strang um die Familienpleite, denn ihr Gespiele ist ein junger Abgeordenter, der hoffentlich für einen neuen Investor in die Firma sorgen kann…

        So sind alle Handlungsfäden kunstvoll miteinander vernetzt; und mit Stefanos Hilfe, der so belastet wurde mit Familienproblemen und –geheimnissen, kann die rechte Balance wiedergefunden werden zwischen dem Status quo, als alles noch gut und einfach war, der so herbeigesehnt wird, und den notwendigen Veränderungen für die Zukunft. „Mit der Zeit regelt sich alles von alleine“, weiß der Vater; und dann klappts vielleicht auch wieder mit dem Stagediving in einen Haufen Teenager.
      • | FAZIT

      • Familienkomödie mit italienischer Leichtigkeit. Bestechendes Timing und treffendes set up and pay off.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

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