In den letzten Kriegstagen im April 1945 verstecken sich im Keller eines Berliner Wohnhauses Menschen, die sich vor dem Einmarsch der Roten Armee fürchten. Die meisten von ihnen sind Frauen, unter ihnen eine junge Journalistin, die Tagebuch führt. Sie hält das Schreckliche fest, das in den nächsten Wochen passiert. Die Frauen werden von russischen Soldaten, die Berlin besetzen, vergewaltigt. Um sich zu schützen, sucht die Tagebuchschreiberin, die im Film anonym bleibt, den Kontakt zu einem russischen Offizier. Sie geht mit ihm ins Bett, damit er andere Soldaten von ihr fernhält.
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| FILMKRITIK
Max Färberböcks „Anonyma – Eine Frau in Berlin“ ist ein wichtiger Film über ein schamvoll übergangenes Kapitel des Zweiten Weltkriegs. Der Einmarsch der Roten Armee in das Dritte Reich in seinen letzten Zügen bedeutete für zahllose Frauen, dass sie zur sexuellen Beute der Soldaten wurden. Das 1959 erstmals in deutscher Sprache erschienene Tagebuch der bis zu ihrem Tod anonym gebliebenen Frau ist eines der wenigen Zeitzeugnisse zu diesem kollektiv tabuisierten Thema.
Nina Hoss spielt die Journalistin, die wie die anderen, vorwiegend weiblichen Stadtbewohner, die Eroberung der Straßen und Häuser durch die sowjetische Armee erlebt und erleidet. Nach einigen Vergewaltigungen durch zum Teil rachsüchtige, zum Teil vor allem kriegsmüde Soldaten, die sich im Siegestaumel betrinken, wagt sie den Gang zu einem militärischen Befehlshaber, um dessen Schutz sie ersucht. Der von allen als Major bezeichnete Andrej weist sie zunächst kühl ab, kommt sie aber bald besuchen im Haus der Witwe, in dem sie mit anderen Überlebenden wohnt.
Die nächsten Wochen sind geprägt von schrecklichen Erfahrungen, aber auch vom Überlebenswillen der meisten Frauen. Im Haus der Witwe finden nach der Kapitulation sogar festliche Gelage der Russen statt, an denen die deutschen Bewohner nicht alle unfreiwillig teilnehmen. Die Tagebuchautorin fügt sich ohne Selbstmitleid in ihre Rolle und schläft mit Andrej, ohne dass er Gewalt anwendet. „Sind Sie Faschistin?“, fragt der Offizier, doch sie antwortet nicht. Andrej sucht immer öfter das Gespräch mit ihr, und zwischen den beiden ungleichen Menschen entsteht etwas wie Sympathie. Der Schutz, den Andrej der Deutschen bietet, bringt ihn bei anderen Soldaten in Verruf. Dann wird er versetzt, und der Mann der Tagebuchautorin, Gerd, kommt nach Hause. Sie gibt ihm ihre Aufzeichnungen zu lesen.
Färberböck besetzte die Rollen der sowjetischen Soldaten mit russischen Schauspielern. Die Besatzer werden trotz der Vergewaltigungen nicht verteufelt, sondern als zumeist einfache Leute dargestellt, die nach den langen Kriegsjahren Vergeltung und Vergnügen willkürlich mischen. Färberböcks Drama verstört naturgemäß mit seiner quälenden Geschichte im rechtlosen Niemandsland, in dem manche Frauen, vielleicht ähnlich den Opfern von Entführungen, mit den Tätern eine Art Beziehung eingehen. „Wie oft?“ heißt die Standardfrage, mit der die anonyme Frau und ihre Leidensgenossinnen sich auf der Straße begrüßen.
Trotz der ernsthaften Umsetzung gibt es einige kleine Irritationen im Film: Nina Hoss und der von Evgeny Sidikhin gespielte Andrej versinken ein wenig zu oft in schwermütig-sprachlosen Blicken, so dass der Film eine fast philosophische Färbung erhält. Dann sind da auch deutsche Männer im Haus der Witwe, die zu alt für die Front waren. Sie führen erstaunlich hellsichtige Gespräche über die europäische Einigung, die wie einige andere Nebenhandlungen etwas gewollt wirken. Auch die actionmäßige Inszenierung der Häuserstürmungen mit Musikuntermalung oder die Überlänge des Films sind keine reinen Pluspunkte.
| FAZIT
Max Färberböck thematisiert die von sowjetischen Soldaten begangenen Vergewaltigungen in Berlin 1945 in einem aufwühlenden Drama.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung