Sonntag | 27. Mai 2012 | 08:36 Uhr
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  • FILM REVIEW | Crazy
  • Crazy

    Komödie | Deutschland 1999
  • | INHALTSANGABE

  • 16 Jahre alt, Zukunftsaussichten gering. Benny Lebert (Robert Stadtlober) ist alles andere als blöd, doch seine innerlichen Probleme schaffen ihn. Seine Eltern stecken ihn ins Internat, damit er endlich die 10.Klasse schafft, denn sie wollen, dass er Abitur macht, was ihrer Ansicht nach wohl die einzige Möglichkeit für ihn ist, sich in seiner Umwelt zu behaupten und nicht unterzugehen.

    Benny ist kein ganz normaler Junge. Benny besitzt von Geburt an einen gelähmten Arm und ein gelähmtes Bein. Freunde hatte er bisher keine, Freude auch wenig. Es gibt ausser seiner Schwester Paula (Mira Bartuschek) wohl keinen Menschen, der ihn versteht. Bis er anfängt, sich im Internat einzuleben. Das Zimmer teilt er sich mit Janosch (Tom Schilling), der anfangs arrogant wirkt, immer der coolste sein muss und vor keinem Blödsinn Halt macht. Das ist eben seine Art, gegen das Establishment zu rebellieren.

    Nach der Taufe in der Dusche hält Benny Janosch für einen Mistkerl. Er ahnt noch nicht, dass Janosch bald sein bester Freund sein wird. Das Aufnahmeritual heil überstanden, gehört er bald fest zur Clique. Zu einer Clique, die anscheinend nur aus Problemkindern und Losern besteht. Da ist Kugli (Christoph Ortmann), den alle wegen seines extremen Übergewichts hänseln. Da ist Troy (Can Taylanlar), der, indem er so gut wie nicht redet, zu verschweigen versucht, dass er an Inkontinenz leidet. Da sind Felix (Joseph Bolz) und Florian (Willy Rachow), die von einer Karriere als Musiker träumen, aber von niemandem ernst genommen werden. Da ist Marie (Julia Hummer), vielfach als Schlampe angesehen, in Wirklichkeit aber nur auf der Suche nach Freiheit in ihrem Leben.

    Sie alle erscheinen wie Ausgestoßene, von ihren Eltern abgeschoben. Nur Malen (Oona-Devi Liebich) passt nicht ins Bild, denn sie ist perfekt, gehört aber trotzdem dazu. Das schöne Mädchen mit dem Hang zum Ballett hat es Janosch schon lange angetan. Und nun auch Benny. Für die beiden beginnt ein Kampf um die Frau ihres Herzens, der zum einen ihre Freundschaft gefährdet, aber auch völlig anders enden soll als es sich die beiden erträumt haben.
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      • | FILMKRITIK

      • Da steht diese Gruppe junger Männer oder auch alter Kinder, ganz wie man das sehen will, mit blankem Hintern zum Zuschauer. Alle rubbeln an sich herum und versuchen verzweifelt, einen Keks zu treffen. Wer verfehlt, darf die ganze Soße dann essen. Dies ist eine Art Mutprobe und nennt sich Kekswichsen. Für den Zuschauer natürlich absonderlich, aber für die Protagonisten im Film nicht gerade unwichtig.

        Der Film basiert auf dem biographischen Roman von Benjamin Lebert, der nicht nur von der Kritik hoch gelobt worden war, sondern auch schnell zum Bestseller avancierte. Regisseur Hans Christian Schmid gelingt es, seinen Helden Leben einzuflößen. Glaubhaft suchen seine Protagonisten nach der Erfüllung ihrer Träume, bereits ahnend, dass diese Erfüllung niemals entreten wird. Schmid hat ein sensibles Händchen für Jugendgeschichten und gilt seit seinem Kinoerfolg "Nach Fünf im Urwald" als deutsche Filmhoffnung. Wie bereits in seinem kleinen Meisterwerk "23" haucht Schmid auch hier einer vergangenen Zeit wieder Leben ein, den guten alten 80ern.

        Unterstützt wird Schmid nach bestem Tun von seinen beiden Hauptdarstellern Robert Stadtlober und Tom Schilling, die hier beweisen, dass man sie ruhigen Gewissens zur neuen deutschen Schauspielerelite zählen darf. Schmid macht auch nicht den Fehler, aus dem lebensnahen Stoff einen „typischen“ Film zu machen. Es gibt keinen definieraren Anfang und kein definierbares Ende. Die Handlung wirkt wie aus dem Leben Bennys herausgegriffen, so plötzlich wie sie beginnt ist sie auch wieder zu Ende. Vergangenheit und Zukunft bleiben relativ ungewiss.

        Aber gerade diese Haltung hält den Film am Leben, denn ein großer Spannungsbogen ist hier nicht möglich. Und sie hält ihn frisch. Man darf die Schüler beim Pöbeln erleben oder wie sie eine Stripbar besuchen. Oder eben auch beim Kekswichsen. (Wobei man sich als erwachsener Zuschauer zwar an den Kopf fasst, aber schließlich definieren gerade diese eigentlich sinnlosen und überflüssigen pupertären Erlebnisse die Charaktere und ihre Suche nach dem Kick aus der Alltagsödnis.)

        "Crazy" ist kein Film für ältere Semester, denn die werden seinen Sinn nicht erkennen. Für die Generation, für die der Film eigentlich gemacht ist, nämlich die, zu der seine Charaktere gehören, dürfte der Film ein kleines bisschen Weisheit bedeuten. Denn die verstehen den Sinn hinter der ganzen Kekswichserei.
      • | FAZIT

      • Die glaubhafte Verfilmung eines lebensnahen Stoffes
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Sebastian Schmidt

      • | Userwertung

      Wertung: 8.0/10 (3 votes)

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