Ein namenloses Land irgendwo im Staatengewirr der ehemaligen Sowjetunion, irgendwann in einer nahen Zukunft. Für den desillusionierten Söldner Toorop (Vin Diesel) ist jeder Tag ein Kampf ums Überleben. Kriege und Konflikte haben die Welt des 21. Jahrhunderts ins Chaos gestürzt – auf den düsteren, verdreckten Straßen der osteuropäischen Metropole, die der schweigsame Söldner sein Zuhause nennt, regiert die Gewalt.
Toorop ist ein Einzelgänger. Er lebt in einem maroden Wohnblock in einer heruntergekommenen Stadt, wo eine Waffe leichter zu bekommen ist als etwas zu essen. – „Life`s a bitch, and then you die.“
Als ihn der Mafia-Boss Gorsky (Gérard Depardieu) für einen Spezialauftrag anheuert, wittert Toorop die Chance, sein altes Leben hinter sich zu lassen und in den Vereinigten Staaten von Amerika mit einer gefälschten Identität neu anzufangen – als Bezahlung für den Auftrag winken die nötigen „Papiere“, ein wertvoller Microchip. Dafür soll Toorop lediglich eine junge Frau namens Aurora (Mélanie Thierry) nach New York City begleiten und dafür sorgen, dass ihr kein Haar gekrümmt wird. Gorsky versichert ihm, dass es sich bei Aurora um eine wertvolle „Fracht“ handelt, für die eine mächtige religiöse Organisation in den USA bereit ist, ein Vermögen zu zahlen.
Wie üblich hat Toorop kein Interesse daran, was die junge Frau so wertvoll macht. Er ist fest entschlossen, den Auftrag auszuführen, ohne Fragen zu stellen – zumal die Bezahlung stimmt. Doch die Reise über diverse Landesgrenzen, die die Gruppe um Toorop, Aurora und deren Leibwächterin, einer wehrhaften Nonne namens Schwester Rebecca (Michelle Yeoh), schließlich durch Kanada und hinein in die rigide abgeriegelten USA führt, wirft immer mehr Fragen auf. Eine dritte, unbekannte Fraktion versucht, Aurora zu entführen, und das Mädchen selbst scheint übersinnliche Fähigkeiten zu besitzen.
Langsam keimt Zweifel in Toorop auf. Wer ist dieses Mädchen, das ihr junges Leben unter Nonnen in einem abgelegenen Kloster verbracht hat, aber mehr als jeder andere über die Welt zu wissen scheint? Warum behaupten die anonymen Entführer, Auroras Vater würde sie schicken? Und welchen Wert hat Aurora ausgerechnet für eine einflussreiche Sekte in den USA?
Toorop muss sich entscheiden: Entweder er tut wie üblich das, wofür er bezahlt wird – oder er tut dieses eine Mal das Richtige.
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| FILMKRITIK
„Babylon A.D.“ will mehr sein, als ein Action-Film – und teilweise gelingt ihm das. Immerhin hat sich Regisseur Mathieu Kassovitz mit der Leinwand-Adaption von Maurice G. Dantecs Zukunftsroman „Babylon Babies“ an eine literarische Vorlage gewagt, die zahlreiche moralische Fragen aufwirft und sehr drastisch die nahe Zukunft der Menschheit in einer globalisierten, ultrakapitalistischen Welt behandelt – allerdings auch lange Zeit als unverfilmbar galt.
Genau das merkt man dem Film an: Kassovitz inszeniert in düster-monumentalen Bildern eine stimmungsvolle Cyberpunk-Welt zwischen den verfallenen Großstädten Osteuropas und den neonbeleuchteten High-Tech-Metropolen der USA – aber es gelingt ihm nicht, die politischen und sozialen Hintergründe dieser Welt zu erklären. So verkommt das faszinierende Szenario allzu oft zur bloßen Kulisse, vor der Vin Diesel sich in genreüblichen Action-Sequenzen seiner Widersacher erwehrt, wie immer unkaputtbar und jeder Situation gewachsen.
Das ist Schade, denn die düstere Welt des Films hätte mehr Background verdient, auch wenn das im Kino schwerer zu bewerkstelligen sein mag als im Roman. Und wenn man einmal davon ausgeht, dass ein Held immer so gut ist wie seine Kontrahenten und eine Welt so böse wie ihre Schurken, dann hat Mathieu Kassovitz wirklich eine Menge Potential verschenkt. Denn als Gegenspieler von Vin Diesel konnten zwei Leinwandgrößen verpflichtet werden, die „Babylon A.D.“ eine besondere Note verleihen. Gérard Depardieu spielt den schmierigen, sehr bedrohlichen Mafia-Boss Gorsky, in Toorops osteuropäischer Heimat der vielleicht mächtigste Mann, der mit einer gut ausgerüsteten Söldnerarmee, einem Konvoi von ausrangierten Militärfahrzeugen und sogar einem eigenen Panzer die Herrschaft über sein Territorium ausübt. Am anderen Ende der Welt, in New York City, residiert Charlotte Rampling als Hohepriesterin der einflussreichen Sekte, die Aurora von Gorsky kaufen will. Wo Gorsky dunkel und unansehnlich ist, erstrahlt sie in gleißendem Licht, Medienstar und Multimillionär, scheinbar die personifizierte Reinheit – und doch abgrundtief böse und verdorben. Wo Gorsky das Elend der Menschen ganz direkt und brachial ausnutzt, profitiert die Hohepriesterin und ihre religiöse Organisation auf eine viel subtilerer Weise von einer Welt, der es an Werten und Sinn fehlt – sie ist der Zuhälter der Hure Babylon.
Zumindest ist das der Eindruck, den man in einigen Bildern, kurzen Sequenzen und Dialogen von dieser düsteren Zukunft bekommt. Ja, teilweise gelingt es „Babylon A.D.“, mehr zu sein als ein bloßer Action-Streifen. Meistens jedoch ist der Film ein typisches Star-Vehikel für den muskelbepackten Hauptdarsteller, und natürlich muss sich auch Michelle Yeoh in Sachen Action und Martial Arts nicht hinter den breiten Schultern von Vin Diesel verstecken. Das ehemalige Model Mélanie Thierry schließlich spielt die weltfremde, übersinnliche Aurora überzeugend, erinnert aber sehr an die Figur der Leeloo in Luc Bessons „Das fünfte Element“.
Kurzum, „Babylon A.D.“ liefert eine Menge Altbekanntes – das allerdings nicht mal schlecht. Die Action stimmt, und wer ins Kino geht, um den neuen Vin Diesel-Film zu sehen, wird bestimmt nicht enttäuscht sein.
Aber dennoch bleibt dieses ungute Gefühl, das da mal wieder viel mehr drin gewesen wäre. Vielleicht regt „Babylon A.D.“ den einen oder anderen Zuschauer ja dazu an, in Dantecs Roman „Babylon Babies“ reinzulesen, denn der neue Film von Mathieu Kassovitz macht durchaus Lust auf die düstere Welt der Vorlage – er kratzt jedoch immer nur an ihrer Oberfläche.
| FAZIT
Für Action- und Vin Diesel-Fans empfehlenswert, für Freunde gediegener Science Fiction- oder Cyberpunk-Welten allerdings ein wenig zu wenig und mithin enttäuschend.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung