Als Ludwig (Jacob Matschenz) in Johanns (Tino Mewes) Leben tritt, ist bald nichts mehr wie es war. Johann glaubt, einen Seelenverwandten gefunden zu haben. Von jetzt an teilen die beiden Siebzehnjährigen alles – auch die Frauen und es dauert nicht lang, bis sie in der Ruderdisziplin „Zweier ohne (Steuermann)“ praktisch unschlagbar sind. Nein, sie sind nicht aus demselben Ei gekrochen, allerdings geben sich Johann und Ludwig die größte Mühe, diese Tatsache ungeschehen zu machen: Sie rasieren sich gegenseitig eine Glatze, tragen die gleichen Klamotten - denken und fühlen sogar dasselbe. Auf diese Weise sind die beiden auch im Stande, ihre größten Konkurrenten – ein eineiiges Zwillingspärchen – hinter sich zu lassen.
Aber nichts im Leben bleibt unverändert. Johann beginnt eigene Gefühle zu entwickeln. Ausgerechnet für Ludwigs Schwester Vera (Sophie Rogall). Ludwig selbst soll davon nichts erfahren – erst mal. Und so nehmen die Ereignisse ihren Lauf, bis zu ihrem fatalen Höhepunkt.
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| FILMKRITIK
Freundschaften sind nicht immer einfach und niemand hat eine Garantie, dass sie ewig halten. Manchmal sind sie zu eng und manchmal stellt man fest, dass aus der Freundschaft eine flüchtige Bekanntschaft geworden ist. Selbstverständlich schließt in der Regel jeder immer wieder neue Freundschaften. Weil Freunde die Menschen sind, die uns verstehen. Die im Idealfall dieselben Dinge mögen und hassen und uns das Gefühle geben, dass wir nicht allein sind.
Der Schriftsteller und Leiter des Spiegel-Hauptstadtbüros Dirk Kurbjuweit zeichnet in seiner Novelle „2er ohne“ das Bild einer äußerst intensiven Freundschaft, die zum Schluss eskaliert. Regisseur Jobst Christian Oetzmann fühlte sich nach eigener Aussage zumindest teilweise an seine eigene Jugend erinnert und sicherte sich sofort die Rechte an einer Verfilmung. „2er ohne“ ist nach „Die Einsamkeit der Krokodile“ bereits die zweite Zusammenarbeit zwischen Kurbjuweit und Oetzmann.
„Zweier ohne“ ist ein Begriff aus dem Rudersport und bedeutet zu zweit rudern ohne Steuermann. Die beiden Ruderer müssen also den vollkommenen Einklang finden was Rhythmus, Kraft und Technik betrifft. Ihre Bewegungen müssen absolut synchron sein, damit sich dass Rennboot nicht nur um die eigene Achse dreht. Eineiige Zwillinge sind wie geschaffen für diese Ruderdisziplin. Die größten Konkurrenten von Johann und Ludwig sind eineiige Zwillinge und nur weil sie sich an ihnen orientieren und praktisch eins werden, sind sie in der Lage, sie zu schlagen.
Rudern ist die perfekte Sportart, um die beiden Hauptfiguren zu charakterisieren. Ein Ruderer hat sein Ziel immer im Rücken, hat es also nie vor Augen, weil der Blick immer auf den Abfahrtort gerichtet ist. Johann und Ludwig geht es da ganz ähnlich: Sie wissen, dass sie an ihrem momentanen Leben so wie es jetzt ist, etwas verändern wollen, aber sie haben nicht die geringste Ahnung, wo sie diese Veränderungen hinführen werden und genau dieser Änderungswunsch ins Ungewisse sitzt ihnen im Nacken - besonders Ludwig. Da ist es nur logisch, dass das Innenleben der Protagonisten durch eine jeweils unterschiedliche Optik der insgesamt fünf Regatten verdeutlicht wird. Mal wird ein Rennen in Zeitlupe, dann in Zeitraffer mit Schärfentiefenverlagerung oder durch einen Kranschwenk um die eigene Achse gezeigt.
Die Montage sorgt hauptsächlich für das Tempo des Films: Gleich zu Beginn wird der Zuschauer mit einer Szene konfrontiert, die eigentlich aus dem letzten Drittel der chronologischen Filmhandlung stammt. Die Chronologie wird auch im weiteren Verlauf immer wieder durch Schachtelmontagen durchbrochen.
Der Haupthandlungsort des Films – das Bauernhaus von Ludwigs Vater unter der stillgelegten Eisenbahnbrücke existiert so nicht in der Realität. Die Szenen mit dem betreffenden Haus wurden später mit CGI-Shots der separat aufgenommenen Brücke ergänzt, was allerdings kaum auffällt – so wie es sein soll.
„2er ohne“ ist nicht nur ein Drama. Die Coming-of-age-Thematik ist nicht zu übersehen. Der Nerv, den James Dean in „Denn sie wissen nicht was sie tun“ (1956) getroffen hat, ist bei den Jugendlichen von heute noch genauso empfindlich. Wie Jim Stark will auch Johann eine Mutprobe bestehen, um dazuzugehören – allerdings nicht zu einer Gruppe, sondern zu Ludwig. Durch Ludwig nabelt sich Johann endlich von seiner allein erziehenden Mutter ab und vielleicht ist es letztlich auch Ludwig, der es erst möglich macht, dass Johann sich selbst erkennt, obwohl Ludwig mit aller Macht jedes Quäntchen Individualismus zwischen beiden ausmerzen wollte.
Tino Mewes und Jacob Matschenz verkörpern die engen Freunde Johann und Ludwig. Den beiden Jungschauspielern gelingt es, ihre Figuren glaubhaft darzustellen und ihnen die nötige Tiefe zu verleihen. Mag sein, dass Ludwig Ähnlichkeit mit Jacob Matschenz´ Figur aus „Berlin – 1. Mai“ (2008) hat, solche Figuren liegen ihm. Es sind wütende Nonkonformisten. Wütend auf alles und jeden – aber am meisten auf sich selbst und somit sind sie zum Scheitern verurteilt.
| FAZIT
Eine Geschichte über das Glück und Unglück jemanden gefunden zu haben, der so sein will wie man selbst. Mit beeindruckenden Hauptdarstellern.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung