DJ Ickarus (Paul Kalkbrenner) bereist erfolgreich die Clubs der Welt. Nicht nur in Berlin ist der gefragte DJ ein Geheimtipp, denn in der gesamten Elektronikszene ist er immer mehr gefragt. Begleitet wird er stets von seiner Freundin und Managerin Mathilde (Rita Lengyel). Schier endlose Partys sowie Alkohol- und Drogenexzesse gehören zum Leben des Elektro-Künstlers einfach dazu, bis ihm ein Freund in der Disco eine dreckige Pille andreht.
Ickarus bekommt starke Halluzinationen und bricht zusammen. In der Entzugsklinik stellt ihn die Ärztin Prof. Dr. Paul (Corinna Harfouch) vor die Wahl: Er kann die Pille auskurieren und sich von seiner Sucht befreien lassen, oder so weitermachen wie bisher – auch wenn seine Gesundheit ihn bald im Stich lassen würde. Ickarus kann sich nicht entscheiden, und wie von Dr. Paul diagnostiziert, zeigt er bald schizophrene Verhaltensmuster. Mathilde zieht entnervt bei ihm aus.
Auch mit seinem neuen Album gibt es Probleme. Als er aus Wut das Büro seines Plattenlabels verwüstet, scheint es für ihn tatsächlich nur noch den Ausweg des kompletten Entzugs zu geben. Doch auch in der Klinik komponiert Ickarus an seiner Musik weiter. Zusammen mit den anderen Insassen stellt er das Leben im Krankenhaus auf den Kopf und es kommt zum Zweikampf mit seiner Ärztin, seiner Freundin, und mit sich selbst.
WERBUNG
| FILMKRITIK
„Berlin Calling“ porträtiert das fiktive Leben des Berliner DJs Ickarus. Regisseur Hannes Stöhr inszeniert hierfür DJ Paul Kalkbrenner – der auch seine eigenen Lebenserfahrungen als Künstler mit in den Film eingebracht hat – in seiner ersten Filmrolle. Zudem ist gleichfalls der Soundtrack des Films von Kalkbrenner selbst geschrieben; den Großteil der Zeit sind wir von den Klängen aus Ickarus’ Welt umgeben. Die stets dynamische und mitreißende, aber manchmal auch kalte Musik, wird von meist ruhigen und oft warmen Bildern kontrastiert, wobei verschiedene Wahrnehmungsebenen miteinander kollidieren.
Dem Film gelingt es, sehr schnell zu fesseln und eine eigene, spannende Welt aufzubauen. Dabei erzählt er eigentlich eine deprimierende Geschichte: Die eines drogenabhängigen Künstlers auf Abwegen. Trotz der tristen Thematik strahlt „Berlin Calling“ jedoch einen erbaulichen Optimismus aus; eine Grundstimmung, die von seinen Klängen ausgeht. Stöhr versucht, das Porträt einer Generation, beziehungsweise eines Teils davon, zu zeichnen. Mit Ickarus zeigt er dabei eine Figur, die zwar am Abgrund wandelt, aber immer wieder mit Einfallsreichtum für Überraschungen sorgt. Er hat ein Eigenleben, wenn er mit immer neuen Ideen der Klinik und sich selbst zu entfliehen zu versucht und diese schließlich zusammen mit einem Zivi schließlich in einen Puff verwandelt.
Gleichermaßen ist der Künstler in Ickarus immer präsent. Mit dem Handy nimmt er Alltagsgeräusche auf, die er sogleich in seine neuen Tracks einbaut. Und ohne Clubs – sowohl bei Tag als auch bei Nacht – kann er scheinbar kaum überleben. Kalkbrenner verkörpert diese Figur sehr überzeugend und ist offenbar ganz er selbst. Sein Gegenpart Rita Lengyel sieht dagegen beinahe schon blass aus, auch wenn Freundin Mathilde vielleicht die sympathischste Figur des Films ist. Corinna Harfouch hingegen hinterlässt trotz ihrer recht kleinen Rolle als Frau Doktor einen tiefen Eindruck – Ickarus hat letztlich mit beiden Frauenfiguren viel zu kämpfen.
Hannes Stöhr beweist auch in „Berlin Calling“ wieder viel Gespür für kleine und absurde Momente, wie das Covergebende Fotoshooting in den Klinikräumen oder Ickarus’ Auftreten in der Kirche seines Vaters – den Drink noch in der Hand – zeigen. Der Film greift zahlreiche zeitgenössische Themen auf, auch die Familie der Hauptfigur wird immer wieder betrachtet – ein Kontrastprogramm zu Ickarus’ Leben, denn sein Bruder hat Studiert und strebt eine klassische Karriere an, sein Vater ist Pfarrer. Dennoch gelingt es dem Film, sich nie in Nebensächlichkeiten zu verzetteln, denn er stellt immer wieder Ickarus und seine Musik in den Vordergrund, die stets für neue Überraschungen sorgen.
| FAZIT
Erfrischendes und vielschichtiges Generationsporträt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung