Sonntag | 27. Mai 2012 | 19:02 Uhr
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  • FILM REVIEW | Nordwand
  • Nordwand

    Abenteuer, Drama | Deutschland 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Im Juli 1936 versuchen zwei deutsche und zwei österreichische Bergsteiger, die noch unbezwungene Eiger Nordwand in der Schweiz zu erklimmen. Der Aufstieg der beiden zunächst rivalisierenden Seilschaften wird mit Fernrohren von den umliegenden Hotelterrassen aus gespannt beobachtet: Insbesondere die von der Nazi-Ideologie infizierte Berliner Presse ist versessen auf einen deutschen Erstbesteiger, dem im Olympiajahr auch eine Goldmedaille winken würde.

    Unter den Zuschauern im Hotel Bellevue ist die Journalistin Luise, eine Jugendfreundin der beiden deutschen Bergsteiger. Der Berchtesgadener Gebirgsjäger Toni Kurz ist heimlich in sie verliebt. Den Einstieg in die Eiger Nordwand bewältigt Toni mit seinem Kameraden Andi Hinterstoisser aus Bad Reichenhall erfolgreich. Der gute Kletterer Hinterstoisser überwindet im Pendelquergang, am Seil hängend, eine Felsplatte, die seither seinen Namen trägt.

    Doch später am Tag wird der Österreicher Willy Angerer durch Steinschlag am Kopf verletzt. Am nächsten Tag verschlechtert sich das Wetter und nach einer weiteren Nacht am Fels beschließt der Österreicher Edi Rainer, mit dem schwer beeinträchtigten Angerer umzukehren. Toni Kurz überredet Andi, sich ihnen anzuschließen, weil die beiden Österreicher den Rückweg alleine nicht schaffen würden. Dann zieht ein Schneesturm auf, eine Lawine erfasst Andi und die Tragödie nimmt ihren Lauf.
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      • | FILMKRITIK

      • Regisseur Philipp Stölzl hat sich mit der deutsch-österreichisch-schweizerischen Koproduktion „Nordwand“ an die Verfilmung eines der größten Bergsteigerdramen in der Geschichte des Alpinismus gewagt. Zum einen ist daraus ein packender Bergfilm geworden, den Kameramann Kolja Brandt mit hautnahen Aufnahmen am vertikalen Fels in Schnee und Sturm schmückt. Zum anderen setzt sich der Film auch mit der Vereinnahmung des Bergsteigens 1936 durch die Nationalsozialisten auseinander, die in Toni Kurz und Andi Hinterstoisser die germanischen Helden sehen wollten.

        Ulrich Tukur spielt den Redakteur der Berliner Zeitung, der mit der Volontärin Luise Fellner am Fuß der Eiger Nordwand von der Besteigung berichtet. Die Sprache ist euphorisch und martialisch, verknüpft „das letzte Problem der Alpen“ mit der Erwartung eines Angriffs der ungestümen deutschen Jugend. Benno Fürmann spielt Toni Kurz, der sich eigentlich gar nicht mehr an der berüchtigten Wand beweisen wollte, nachdem dort im Vorjahr zwei Münchner tragisch verunglückten. Fürmann stellt den Berchtesgadener als besonnenen, ernsthaften Menschen dar.

        Eher gibt Florian Lukas als Andi Hinterstoisser den ehrgeizigen Kletterer, der sich den Traum von der Erstbesteigung nicht nehmen lassen will. Die Zeit scheint dafür reif, denn die beiden Bayern, die mit den Fahrrädern ins Berner Oberland kommen, treffen am Fuße der Steilwand auf zahlreiche andere Bergsteiger aus verschiedenen Ländern. Die Atmosphäre des Films wird entscheidend von der altertümlich wirkenden Ausstattung der jungen Männer geprägt, die den Aufstieg wagen wollen. Später, im Schneesturm, mischt sich am Berg das Grau der Landschaft mit den Khaki- und Ockertönen des Equipments zu einem Gesamtbild von Entbehrung und Verlorensein.

        Mit Datum- und Uhrzeitangaben versehen, werden dann die Ereignisse am Berg bis zum bitteren Ende geschildert. Und das ergibt in diesem oft sehr authentisch anmutenden Film drastische Szenen: Die Verzweiflung der Bergsteiger, die mit dem Tod ringen, ihre Schreie, die schwarzen Flecken ihrer Erfrierungen werden nicht ausgespart. Die stellenweise atemberaubende Spannung wird noch geschürt, als die Schweizer Retter Toni Kurz fast zum Greifen nahe kommen. Die Musik weicht dann einem rhythmischen, kalten Klopfen, das das Einschlagen von Seilhalterungen in den Stein imitiert.

        Doch es gibt auch einige Wermutstropfen in dem Drama. Benno Fürmann spielt zwar beeindruckend, doch wie kann ein ernst zu nehmender Film aus zwei bayerischen Bergsteigern Hochdeutsch sprechende Personen machen? Auch Florian Lukas hört sich ja nicht an, als käme er aus den Alpen. In wirklich krassem Gegensatz dazu sind die beiden österreichischen Bergsteiger in der Lage, Dialekt zu sprechen. Was ihnen aber nicht zum Vorteil gereicht, denn sie geben die ungehobelten Hinterwäldler, die sich am Berg kopflos verhalten. Kurz und Hinterstoisser hingegen sind die Talentierteren und Klügeren. Eine so einseitige Sympathieverteilung nagt an der Glaubwürdigkeit des Films.

        Johanna Wokalek, die hier für die obligatorische romantische Beziehung sorgen soll, findet einfach keinen Draht zu Benno Fürmann. Luise und Toni spielen schlafwandlerisch aneinander vorbei und Johanna Wokalek fügt sich außerdem auch schlecht in die dreißiger Jahre. Sie gibt ihre Luise vor allem schüchtern, aber auch aus der Zeit gefallen. Dass sie der Film auch noch theatralisch im Sturm hinaus auf die Eiger Nordwand zu Toni schickt, dafür kann sie nichts.
      • | FAZIT

      • Spannendes Bergdrama mit Benno Fürmann über die Tragödie an der Eiger Nordwand im Jahr 1936.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 4.5/10 (2 votes)

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