Sonntag | 27. Mai 2012 | 16:59 Uhr
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  • FILM REVIEW | Tropic Thunder
  • Tropic Thunder

    Action, Komödie, Kriegsfilm | USA 2008
  • | INHALTSANGABE

  • „Tropic Thunder“ soll der Film heißen, der gerade in Vietnam gedreht wird; der größte Kriegsfilm aller Zeiten. Für den Actionstar Tugg Speedman verpflichtet wurde, der Method-Actor Kirk Lazarus, Furzcomedian Jeff Portney und Hip-Hopper Alpa Chino. Und der aber völlig in die Hose geht, weil der Regie-Newcomer nichts im Griff hat. Die Dreharbeiten werden offiziell abgebrochen, damit nicht noch mehr Geld in die Hose geht; doch Vietnamveteran John „Four Leaf“ Teaback, auf dessen Memoiren der Film beruht, überredet den Regisseur zum Guerilladreh: Die Schauspieler werden im Dschungel ausgesetzt und mit versteckter Kamera und versteckter Pyrotechnik sollen sie echte Gefühle und echtes Leben in den Film bringen. Doch das ortsansässige Drogenkartell hält die Schauspieler in Uniform für US-Drogenfahnder, und die schwerbewaffneten Verbrecher nehmen einen nach dem anderen gefangen…
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      • | FILMKRITIK

      • In Vietnam ist schon eine der größten Armeen der Welt gescheitert, beinahe auch Coppola mit seinem apokalyptischen Mammutfilmprojekt, auf jeden Fall aber Damien Cockburn mit dem größten Kriegsfilm aller Zeiten: „Tropic Thunder“. Stars wie Actionhero Tugg Speedman, bekannt durch die sechs „Torcher“-Filme, der mehrfache Oscarpreisträger Kirk Lazarus, der zuletzt im Homosexuelle-Mönche-Drama „Satan’s Alley“ reüssierte, der Comedyheld Jeff Portney („Furz I und II“) oder Hip-Hop-Idol Alpa Chino konnte er vor der Kamera versammeln – aber nicht zähmen, und wenn dann eine 4 Millionen-Dollar-Explosion einfach so losgeht, bevor die Kameras laufen, geht halt die Filmproduktion mit in die Luft.

        Ben Stillers „Tropic Thunder“ ist freilich nicht gescheitert. Er wurde ja auch nicht direkt im verfluchten Vietnam gedreht, sondern im Dschungel von Hawaii. Und dort an ganz abgelegenen Drehorten. Es ist dies der bisher aufwändigste Ben-Stiller-Film, er hat über 90 Millionen Dollar gekostet und sieht beinahe noch nach mehr aus. Action satt, Feuergefechte, Explosionen, Schlachten und Tod: alles ist drin, was einen echten Kriegsfilm ausmacht.

        Und dabei hat alles den Stiller-Touch von ironischer Überdrehtheit, von ans absurde grenzender Parodie; vom scharfen Blick auf die Zustände im Entertainmentbusiness (von dem Stiller selbst längst Teil ist), von den Mechanismen des Startums (die Stiller von sich selbst kennt). Hier nun spielt etwa Robert Downey Jr. einen Australier, der sich einer Hautpigmentoperation unterzogen hat, um einen schwarzen GI spielen zu können, ganz lebensecht, nach Method-Acting-Art. Und der diese Rolle des typischen Negers im Hollywoodfilm mit Haut und Haaren lebt: „Aus meiner Rolle geh ich erst raus, wenn die Audiokommentare gesprochen sind.“ Der sich also die ganze Zeit benimmt, wie sich Schwarze im Film halt zu benehmen haben, inkl. Negerslang; während der wirkliche Schwarze im Filmcast eine kleine, undankbare Nebenrolle innehat. Und Tugg Speedman, den Stiller himself spielt, wollte zuvor als Actionstar neue Wege gehen und spielte die ambitionierte Rolle des „Simple Jack“ in einem Südstaaten-Zurückgebliebenen-Drama, bei dem er freilich die Goldene Regel missachtete: Spiele nie einen Vollbehinderten, sondern nur Typen mit gewissem Tick wie in „Rain Man“; Volldeppen missachtet die Academy. „Tropic Thunder“, der Film im Film, nun soll Speedman aus der Karrierekrise heraushieven.

        So entblößt „Tropic Thunder“ ganz nebenbei die Welt der Vorurteile, die in Hollywood herrschen, ein Schubladendenken, wie es wohl nur in der Versicherungsbranche stärker vertreten ist.

        Ganz abgesehen davon zieht der Film natürlich auch konkret über die Klischees des Kriegsfilms her und überträgt die Topoi und Standardsituationen auf die im Dschungel versprengte Schauspielerschar, die von schlitzäugigen Drogenbanditen gejagt wird. Film im Film und Schauspieler des Films im Film wirken dabei also einerseits als veritable Actionkomödie mit einer Menge Pyro-Schauwerte, gleichzeitig als subtile ironische Brechung davon und als überspitzte Hollywood-Satire.

        Wenn dann die Schauspieler sich anschicken, das Drogenbandenlager zu stürmen, und alle stecken halstief im Schlamassel, gerät der Film fast in Gefahr, selbst an seinen Klischees zu ersticken; es geht in Richtung Banalität, wenn die eitlen und aufgeblasenen Hollywoodstars mitten in der Scheiße über sich hinauswachsen müssen, dabei sich selbst erkennen und zu sich selbst finden, was man halt alles als Botschaft in jedem Durchschnittsactionschinken findet. Da aber brechen plötzlich kollektiv Schauspieler-Rollen-Traumata auf, die selbstbezogene Luxuswelt, in der alle leben und denken, übernimmt wieder die Oberhand, und geschickt hat der Film wieder die Kurve gekriegt, die Hollywoodmechanismen mit den eigenen Mitteln zu schlagen.

        Dazu gehört auch ein umwerfender Auftritt von Tom Cruise, der offenbar in seinen Rollen immer viel besser ist als das Klischee seiner selbst, das man in den Klatschspalten findet. Mit Glatze, Hornbrille und Schmerbauch maskiert feuert er als cholerischer, geldgieriger Filmproduzent ein Feuerwerk an demütigenden Beschimpfungen ab (das sich in der Originalversion wahrscheinlich noch rabiater anhört als in der deutschen Synchonfassung). Und er entlässt die Zuschauer lächerlich tanzend aus dem Film.
      • | FAZIT

      • Ben Stillers bisher aufwändigste Produktion macht sich über aufwändige Hollywoodproduktionen lustig; sehr, sehr lustig.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 3.3/10 (3 votes)

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