Sonntag | 27. Mai 2012 | 17:04 Uhr
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  • FILM REVIEW | Mirrors
  • Mirrors

    Thriller, Horror, Mystery | USA 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Um klarzukommen, braucht Ben Carson (Kiefer Sutherland) morgens erstmal eine Tablette. Routiniert mit dem Glas am Beckenrand zerdrückt und in Wasser aufgelöst, hilft sein pharmazeutisches Frühstück dem ehemaligen Polizisten über den Tag. Etwa ein Jahr ist vergangen, seit sein Partner während eines Undercover-Einsatzes ums Leben kam. Durch Bens Hand. Durch eine Kugel aus seiner Pistole. Ein Unfall zwar, aber von Ben verschuldet.

    Seit damals steckt Ben Carson in der schwersten Krise seines Lebens. Er hatte den Dienst beim NYPD quittiert, Zuflucht zuerst im Alkohol, dann in Tabletten gesucht, sich von seiner Frau und seinen Kindern entfremdet. Jetzt lebt er bei seiner Schwester Angela (Amy Smart), hat immerhin einen neuen, wenn auch außergewöhnlichen Job – nur ein kleiner Schritt zurück in ein normales Leben: Ben arbeitet als Nachtwächter in einem leerstehenden, heruntergekommenen New Yorker Kaufhaus. Das Mayflower Building, früher ein Luxuskaufhaus mitten in Manhattan, wurde vor Jahren bei einem Brand fast völlig zerstört; 29 Menschen kamen damals ums Leben.

    Verfall und Tod also prägen das Arbeitsumfeld des Mannes, der durch den Tod seines ehemaligen Partners derart aus der Bahn geworfen wurde. Zäh verstreichen die Stunden der einsamen Nächte, und die einzige Abwechslung bieten die regelmäßigen Rundgänge durch das rußgeschwärzte, ausgebrannte Gebäude. Doch willkommen ist diese Abwechslung nicht, das wird Ben schnell klar. Seine Taschenlampe ist die einzige Lichtquelle, wenn er auf den Kontrollrunden die in tiefe Dunkelheit gehüllten Hallen und Korridore des Mayflower Building durchschreitet, immer wieder zerschneidet der Flügelschlag einer aufgeschreckten Taube die Stille, überall werfen vom Feuer deformierte Schaufensterpuppen bizarre Schatten – und dann sind da noch die Spiegel, ein mächtiger im zentralen Raum des ehemaligen Kaufhauses und auch sonst auffällig viele, allesamt in sonderbar gutem Zustand.

    Eines Nachts entdeckt Ben auf einem dieser Spiegel einen Handabdruck, der vorher noch nicht dort war und der sich auch nicht wegwischen lässt – ganz so, als befände er sich nicht auf Bens, sonder auf der anderen Seite des Spiegels. Während er den geheimnisvollen Abdruck begutachtet, sieht er, wie sich hinter ihm wie von Geisterhand eine Tür öffnet. Als er sich jedoch umdreht, ist die Tür zu.

    In den folgenden Nächten häufen sich die mysteriösen Ereignisse. Ben hört Schreie durch das verlassene Kaufhaus hallen. In einem weitern Spiegel meint er, die Reflektion einer brennenden Frau zu erkennen. Und plötzlich steht er selbst in Flammen – beziehungsweise sein Spiegelbild. Ben beschließt, den Ereignissen auf den Grund zu gehen, recherchiert die Vergangenheit des alten Gebäudes. Seine Familie freilich zweifelt an der geistigen Verfassung des tablettenabhängigen Mannes. Hat Ben wieder angefangen, zu trinken? Verursachen seine Pillen Halluzinationen?

    Auch Ben beginnt, an seinem Verstand zu zweifeln. Unsicherheit vermischt sich mit Wut, und bei einer weiteren Nachtschicht gehen seine Nerven mit ihm durch: Ben zieht die Waffe, feuert ein ganzes Magazin auf den großen, zentralen Spiegel ab – doch der bleibt unversehrt. Verzweifelt bricht er zusammen, weint, schreit. „Was wollt ihr von mir…?“ Als Antwort bilden sich plötzlich Risse im Spiegel, Risse, die ein Wort bilden: „Esseker“. Ein Name, wie sich herausstellen wird, der mit der düsteren Vergangenheit des Mayflower Building in Verbindung steht, ein Name aus einer Zeit, als das Gebäude kein Kaufhaus, sondern eine psychiatrische Klinik beherbergte…
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      • | FILMKRITIK

      • Von jeher und in den verschiedensten Kulturen umgibt den Spiegel eine Vielzahl von Mythen und Mysterien. Reflektierende Flächen galten lange Zeit als magisch, als Projektionsflächen für die Träume und Ängste der Menschen, als übernatürliche Fenster in die Zukunft oder direkt in die Seele derer, die hineinblickten. In seiner Adaption des koreanischen Horrorfilms „Into The Mirror“ macht der französische Regisseur Alexandre Aja („The Hills Have Eyes – Hügel der blutigen Augen“) die Spiegel zum zentralen Motiv der Geschichte.

        Spiegel, richtig inszeniert, haben etwas Unheimliches an sich. Hierzulande erinnern sich die älteren Semester vielleicht an die Verfilmung des Kinderromans „Das Haus der Krokodile“ von Helmut Ballot, 1976 von der ARD ausgestrahlt, mit Tommi Ohrner in der Hauptrolle. Eine Serie für Kinder zwar, aber – zumindest in der vagen Erinnerung an damals – mit einer zutiefst verstörenden Szene, als der junge Protagonist, allein zuhaus, in einem Spiegel ganz kurz die schemenhaften Umrisse eines maskierten Mannes sieht. Jemanden, der nur eben dort, im Spiegel, zu erkennen war und schon die Sekunde später, die man benötigt, um sich umzudrehen, wieder verschwunden ist.

        „Mirrors“ ist ganz eindeutig nichts für Kinder. Der Film hat einige äußerst brutale Szenen, blutig, schmerzhaft allein beim zusehen. Aber vor allem spielt er mit jener unterschwelligen Angst, dass der Spiegel mehr zeigen könnte, als das bloße Auge zu erkennen vermag. Der Spiegel offenbart das, was hinter einem liegt, was dem nach vorne gerichteten Blick eigentlich verborgen bleibt und bleiben müsste. Das Spiegelbild als physikalische Reflektion von Licht, als rational erklärbares optisches Phänomen? Nicht in „Mirrors“: Hier führen Spiegelbilder ein alptraumhaftes Eigenleben, gesteuert von einer übersinnlichen, bösartigen Macht.

        Auch Hauptdarsteller Kiefer Sutherland äußert sich fasziniert von dem Motiv: „Spiegel fordern uns automatisch heraus, in unser Inneres zu blicken.“ Der Schauspieler gibt in „Mirrors“ erneut einen gebrochenen, schwer traumatisierten Antihelden, nach dem Tod seines Partners zerfressen von Schuld und Wut, der sich durch sein unberechenbares Temperament und die Alkoholsucht immer mehr von seiner Familie distanziert hat und jetzt Gefahr läuft, seine Liebsten endgültig zu verlieren. Sutherland macht das richtig gut, keine Frage – ganz offensichtlich hat er sich nach den mittlerweile sieben Staffeln der Echtzeit-Serie „24“ auf dieses latent masochistische Rollenbild des leidenden Helden eingespielt.

        Wenn er allein durch das dunkle, verlassene Kaufhaus streift und über weite Teile des Films als einzige Figur vor der Kamera steht, hat Kiefer Sutherland eigentlich nur einen Konkurrenten: das Haus selbst. Das Gebäude ist gewissermaßen die großstädtische Version des haunted house, eine düstere Ruine mit unheilvoller Vergangenheit, respekt- und angsteinflößend allein durch die mächtige Architektur. Den idealen Drehort fand Alexandre Aja in Rumänien: die Akademie der Wissenschaften in Bukarest, unter Nikolae Ceausescu errichtet und nach seinem Tod im Jahre 1989 unvollendet als Bauruine zurückgelassen. Durch die gewaltigen Spiegel an den Wänden wird das ohnehin große Gebäude noch erweitert – und darin Kiefer Sutherland, nicht nur physisch verloren, sondern auch emotional isoliert, allein in der Welt, immer in Gefahr, auch noch das letzte bisschen Zuneigung seiner Familie und am Ende sogar seinen Verstand zu verlieren.
      • | FAZIT

      • Kiefer Sutherland in einer Paraderolle als traumatisierter Antiheld, ein beklemmender, ja bedrohlich wirkender Schauplatz und einige wirklich nervenaufreibende Szenen – gelungener Horror, dem unterm Strich lediglich das gewisse Etwas zum ganz großen Film fehlt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Alexander Praxl

      • | Userwertung

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              • 1 User hat den Film gesehen
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