In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges irgendwo auf dem Land: Der vierzehnjährige Junge Krabat (David Kross) gelangt nach einer Zeit des Bettelns und der Entbehrungen als Geselle auf eine geheimnisvolle Mühle. Trotz der schweren Arbeit, die tagsüber verrichtet werden muss, lernt er bei einem nächtlichen Ausflug das Mädchen Katorka (Paula Kalenberg) kennen. Die beiden verlieben sich in einander. Erst nach der Probezeit erkennt Krabat, dass er nicht nur Mehl mahlen soll, sondern in einer Zauberschule gelandet ist, um in Schwarzer Magie unterrichtet zu werden. Es dauert allerdings nicht lange, da beginnt die anfängliche Faszination über die neu gewonnene Kraft und das Vermögen, sich in einen Raben verwandeln und fliegen zu können, zu bröckeln. Als er seinen besten Freund Tonda (Daniel Brühl) verliert, erkennt Krabat, aus welcher Motivation heraus sein Meister (Christian Redl) wirklich handelt und beschließt, diesem das Handwerk zu legen. Durch einen neuen Verbündeten erfährt Krabat, dass dies nur mit Hilfe der wahren Liebe möglich ist. Bleibt zu hoffen, dass Katorka bereit ist, sich mit ihm zusammen dieser Herausforderung zu stellen.
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| FILMKRITIK
Das gleichnamige Jugendbuch des böhmischen Autors Otfried Preußler, welches mit zahlreichen Preisen auszeichnet wurde, diente als Vorlage für dieses Fantasy-Movie. Die Geschichte des jungen Krabat bietet zahlreiche und zugleich zeitlose Konflikte - Erwachsenwerden, Selbstbestimmung, Freundschaft und Liebe sowie den Umgang mit dem Tod - und ist nicht zuletzt durch die Fantasiewelt ein spannender Stoff. „Krabat“ erweist sich somit als gutes Rundumpaket für eine Verfilmung, die mehrere Genres – wie Abenteuer, Fantasy und Coming-of-Age-Drama – in sich vereint.
Marco Kreuzpaintner wollte mit seiner ersten Regiearbeit nach „Trade – Willkommen in Armerika“ vermutlich in dem Strom ähnlicher Fantasy-Verfilmungen wie „Harry Potter“ oder „Die Chroniken von Narnia“ mitschwimmen, und genau das wird „Krabat“ stellenweise zum Verhängnis. Speziell die dunklen Umhänge, die für die Verwandlung in einen Raben notwendig sind, erinnern beinahe detailgenau an Phantasiewesen aus „Harry Potter“ oder „Der Herr der Ringe“. Und man muss kein Kenner von Preußlers Erfolgswerk sein, um bereits auf den ersten Blick zu merken, dass der Mühlenmeister Böses im Schilde führt.
Oft erlangen Literaturverfilmungen nicht dasselbe Niveau wie ihre Vorlagen. Hier ist es leider nicht anders. Zu viele Fragen bleiben offen: Was passiert mit den zermahlenen Knochen und von wem sind sie überhaupt? Hat der Meister seine Seele an den Teufel verkauft oder wie kommt es sonst dazu, dass er zwar unsterblich scheint, aber innerhalb eines Jahres rapide altert und immer wieder neue Lebensenergie stehlen muss? Haben die zwölf Gesellen wirklich nur den einzigen Zweck, den Meister am Leben zu erhalten? Diese Fragen sind nicht das einzige Problem. Zudem besteht zwischen Tonda und Worschula (Anna Thalbach) - dem ersten Liebespaar, das versucht, den Meister herauszufordern – nicht die geringste Chemie, woran möglicherweise der Altersunterschied nicht ganz unschuldig ist. Die beiden wirken mehr wie eine Zweckgemeinschaft, bestenfalls wie Bruder und ältere Schwester, aber keinesfalls wie ein liebendes Paar. Allerdings gelangen diese beiden auch nicht an ihr Ziel. David Kross und Paula Kalenberg passen zwar besser zusammen, jedoch ist Kalenbergs Agieren vor der Kamera kaum als Schauspiel zu bezeichnen. Vielmehr ist sie in der Hauptsache einfach nur schneewittchen-schön, dient also eher der optischen Aufwertung bei all den dreckigen Burschen. Und leider sind auch nicht alle Spezialeffekte gelungen. Die Raben sehen bei ihrem ersten Auftritt eher aus wie aufgeklebt und auch die Kampfszene in dem Dorf ist ein wenig zu verwackelt und verwischt.
Aber genug kritisiert. Kreuzpaintners Film hält auch einige durchaus positive Überraschungen bereit: Zum einen zeigt sich Daniel Brühl nach weniger ruhmreichen Miniauftritten in internationalen Produktionen mal wieder von seiner deutlich talentierteren Seite. Zum anderen glänzt - natürlich neben dem Hauptdarsteller – vor allem Robert Stadlober in der Rolle des zwielichtigen Lischko. Obwohl er kaum Text hat, besticht er durch eine unglaubliche Ausstrahlung, die jede weitere Textzeile eigentlich unnötig macht. Selbstverständlich gibt es Positives nicht nur über den Cast zu berichten. Auch das Setdesign ist absolut gelungen. Während die Mühle zwar zum Zuhause für Krabat wird, wirkt sie immer ungemütlich und ein wenig unheilvoll. Das in der Nähe gelegene Dorf hingegen strahlt durch Freundlichkeit und eine heimelige Atmosphäre – birgt also eher die Möglichkeit eines Zuhauses. Dieser Unterschied wird natürlich auf der farbdramaturgischen Seite besonders deutlich. Obwohl sich die vorherrschenden Farben mehrfach ändern, da „Krabat“ in allen Jahreszeiten spielt, bleibt die Mühle – im Gegensatz zum Dorf – immer dunkel auch wenn die Sonne scheint. Farbgebung spielt auch für die Figuren eine wichtige Rolle, so erhält jede einzelne eine eigene Farbe und wird somit zusätzlich und ohne Worte charakterisiert. Krabats Farbe ist beispielsweise grün, was für die Hoffnung steht, die in ihn gesetzt wird und die er auch nicht enttäuschen will. Lischkos Kleidung dagegen ist gelb – die Farbe des Neids.
Trotz einiger Patzer ist der Film das, was er sein sollte: Eine Geschichte über Freundschaft und Selbstbestimmung und vielleicht können zumindest Fans des Buches die lückenhafte Erzählung automatisch durch ihr Vorwissen ergänzen.
| FAZIT
Dunkles Fantasy-Märchen - trotz diverser Mängel durchaus sehenswert aufgrund positiver Überraschungen auf der darstellerischen Ebene und im Ausstattungsbereich.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung