Philippe Abrams ist Postbeamter in der Provence, mit dem erklärten Ziel, nach jahrelanger harter Arbeit an die Côte d’Azur versetzt zu werden. Auf diese Weise will er die kriselnde Ehe mit seiner schönen Frau Julie kitten. Bei seinen Versuchen in den schönen Süden Frankreichs zu gelangen stellt sich Philippe allerdings nicht allzu geschickt an und so geschieht das Gegenteil des Erwünschten und er wird in den hohen Norden geschickt, nach Bergues, in die Region Nord-Pas-de-Calais.
Für Julie ist das eine absolute Katastrophe, genauso gut hätte man ihren Mann an den Nordpol versetzen können. Und auch Philippe denkt mit Grausen an die zwei Jahre, die er in Bergues überstehen muss, bevor er wieder Anspruch auf eine Stelle im Süden hat. Schließlich weiß jeder, dass es im Norden so kalt ist, dass einem über Nacht die Zehen abfrieren und dass sämtliche Bewohner ungehobelte Barbaren sind, die einem das Leben zur Hölle machen wann immer sie können. Und so beschließt die sensible Julie, dass sie und der kleine Sohn zuhause bleiben, während Philippe ins unwirtliche Exil verabschiedet wird.
Kaum in Bergues angekommen, scheinen sich alle Vorurteile zu bestätigen. Es gießt in Strömen und die Bewohner, die Sch’ti, sprechen so merkwürdig, dass Philippe die meiste Zeit keine Ahnung hat, was man von ihm will. Auch seine armselige neue Wohnung und sein neues Büro sind eher ein Alptraum. Doch dann scheint es so, als seien die Sch’ti gar nicht so schlimm. Wenn er ehrlich wäre, müsste Philippe sogar zugeben, dass er sich bei ihnen richtig wohl fühlt. Nur glaubt ihm Julie das nicht. Und so lügt er ihr vor, sein Leben im Norden sei die Hölle, während er eigentlich großen Spaß hat. Dann beschließt seine Frau aber plötzlich, ihn nach Bergues zu begleiten und Philippe hat ein ernsthaftes Problem.
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| FILMKRITIK
„Willkommen bei den Sch’tis“ ist schon jetzt ein Phänomen. In Frankreich brach der Film sämtliche Rekorde und wurde zum aktuellen „erfolgreichsten französischen Film aller Zeiten“ gekürt. Ob ihm ein ähnlicher Erfolg in Deutschland gelingen wird ist fraglich. Denn viel Humor zieht der Film aus den sprachlichen und kulturellen Unterschieden zwischen dem Norden und dem Süden Frankreichs, Unterschiede also, die dem durchschnittlichen deutschen Zuschauer nicht bekannt sind. Vor allem die sprachlichen Missverständnisse die durch die beiden Dialekte auftreten und unter französisch sprechenden Zuschauern für große Heiterkeit sorgen, können nicht synchronisiert werden. Genau das wird hier aber tapfer versucht, indem ein neuer „deutscher“ Dialekt erfunden wird, der auf Dauer allerdings recht unnatürlich und angestrengt wirkt.
Der Film bezieht seinen Unterhaltungswert aber nicht allein aus seinem Sprachwitz, was ihn dann doch auch für anderssprachige Zuschauer interessant macht. So übertriebene Vorurteile wie sie hier präsentiert werden findet man wohl überall auf der Welt. Und je größer sie sind, desto schöner ist es, wenn sie sich – so wie hier – auf leichte und witzige Art in Wohlgefallen auflösen. Um das zu erreichen, verwendet der Film eine große Portion „typisch französischen Charme“ und stattet seine Figuren mit viel menschenfreundlichem und herzlichem Humor aus.
„Willkommen bei den Sch’tis“ ist eine dieser Komödien, bei denen man zwar selten in lautes Gelächter ausbricht, aber doch ein ständiges Grinsen im Gesicht hat. Reale Konflikte werden augenzwinkernd beiseite geschoben. Aus einem Dasein, das geprägt ist von Arbeitslosigkeit, Armut und Alkoholismus wird ein fröhliches, unkonventionelles Leben voller Harmonie und Herzlichkeit. Süd- und Nordfranzosen liegen sich bierselig in den Armen, feiern ihre Gemeinsamkeiten und stellen fest, wie falsch Klischees mitunter sein können.
Dem Zuschauer beschert das zwei wirklich unterhaltsame und angenehme Stunden. Doch auch weitergehende Ziele wurden mit Hilfe des Films – zumindest kurzfristig – erreicht. Die Sch’tis, die im Film noch über mangelnde Gäste klagen werden mittlerweile von Touristenströmen heimgesucht. Es gibt geführte Sch’ti-Touren und das Ortsschild der Stadt wurde seit Filmstart schon dreimal von übereifrigen Fans gestohlen. Auch das macht „Willkommen bei den Sch’tis“ zu einem ziemlich besonderen Phänomen, das man lieber nicht verpassen sollte.
| FAZIT
Diese sympathische Komödie aus dem Land der Sch’ti dürfte trotz Sprachbarriere auch hierzulande seine Fans finden. Unterhaltsam ist diese Demontage südfranzösischer Vorurteile allemal.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung