Sonntag | 27. Mai 2012 | 17:25 Uhr
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  • FILM REVIEW | Die Stadt der Blinden
  • Die Stadt der Blinden

    Thriller, Drama | Brasilien / USA 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Mitten im alltäglichen Berufsverkehr erblindet ein Mann (Yusuke Iseya) aus heiterem Himmel. Ihm folgen bald Weitere: seine Frau (Yoshino Kimura), sein Augenarzt (Mark Ruffalo) und alle Anderen, mit denen er Kontakt hatte. Es scheint sich ein furchtbares Virus auszubreiten, denn immer mehr Menschen in der Stadt sehen plötzlich nur noch die Farbe Weiß.

    Die Regierung ergreift die Initiative und lässt alle Blinden in eine ehemals verlassene Heilanstalt einsperren, die vom Militär bewacht und von der Außenwelt abgeschlossen sein soll. Dennoch kommt es in der Stadt zu immer weiteren Fällen der „weißen Blindheit“, so dass immer neue Patienten in das Sanatorium eingewiesen werden. Schon bald herrschen dort chaotische Zustände.

    Inmitten der Patienten ist die Frau des Arztes (Julianne Moore) die einzig Sehende, denn sie ist gegen die Krankheit immun. Sie hat sich heimlich eingeschmuggelt und hilft ihrem Mann, den Alltag dort zu bewältigen. Zwischen den einzelnen Stationen des Krankenhauses kommt es bald zu Machtkämpfen, die sich, als das Essen knapp wird, noch verschlimmern. Einer der Insassen (Gael García Bernal) ernennt sich sogar zum König seiner Station und tauscht Nahrung gegen Schmuck und sexuelle Gefälligkeiten.

    In der Klinik kommt es zu Mord und Totschlag und der Kontakt zur Außenwelt scheint abgebrochen zu sein. Auch vom Militär lässt sich niemand mehr blicken. Ist die gesamte Stadt erblindet?
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      • | FILMKRITIK

      • Regisseur Fernando Meirelles („The Constant Gardener“, „City of God“) verfilmt mit „Die Stadt der Blinden“ das gleichnamige Buch von José Saramago. Mit dabei ist eine hochkarätige Besetzung: Julianne Moore, Mark Ruffalo und Gael García Bernal lassen einiges erwarten. Dennoch ist der Film vielleicht eine der größten Enttäuschungen des Jahres. Statt eines düsteren und vielschichtigen Thrillers erwartet uns ein trübes und mit Platitüden gefülltes Machwerk – als hätte es dem Regisseur tatsächlich die Sicht vernebelt.

        „Die Stadt der Blinden“ lässt sich grob in drei Teile untergliedern: Das Leben vor der Blindheit, das Leben im Hospital und die gesamte Stadt im Chaos. Sorgfältig werden uns namenlose Figuren ausführlich vorgestellt, die uns im Grunde genommen nicht interessieren. Das gesamte Cast bleibt ausnahmslos flach, uninteressant und eigenschaftslos – eine gröbere schwarz-weiß Malerei zwischen Gut und Böse ist kaum denkbar.

        Der Film versucht, die in der Literaturvorlage geschilderten moralischen Konflikte anzudeuten, kratzt aber stets lediglich an deren Oberfläche. Jede gute amerikanische Vorabendserie behandelt in 45 Minuten mehr Konflikte und eine tiefer gehende Story als „Die Stadt der Blinden“. Durch die Einschichtigkeit der Figuren und die völlige Unmenschlichkeit des dargestellten Staates verliert der Film zudem jegliche Glaubwürdigkeit. Da er sich weiterhin nicht auf einen Ort oder einen Konflikt konzentriert, gehen auch Spannung und Struktur verloren.

        Im düsteren Inneren der Klinik hätte sich viel gestalten lassen – wozu braucht es da einen ewig langen Prolog und einen ewig langen Epilog? Visuell versucht der Film eine dunkle und schmutzige Optik herzustellen und die „Sichtweise“ eines Erblindeten nachzuvollziehen. Oft scheinen Hindernisse aus dem Nichts aufzutauchen – eine Strategie, die leider, wie so vieles, zu inkonsequent angewendet wurde. Außerdem ist der Zustand des Hospitals bald dermaßen verkommen, dass auch dieser kaum zur Glaubwürdigkeit beiträgt. Man meint zu vergessen, dass Blinde durchaus einen Geruchssinn haben könnten, und deshalb wohl kaum unbemerkt ihre Flure mit Exkrementen bedecken.

        Der Mensch wird in „Die Stadt der Blinden“ als sozial unfähiges Wesen dargestellt, das jede Gelegenheit zum Konflikt oder zur persönlichen Bereicherung nutzt. Nur so ist zu erklären, dass viele der Insassen sich bald auf Kosten der Anderen bereichern oder ihrem Sexualtrieb freien Lauf lassen. In wenigen Tagen zerfällt, relativ unmotiviert, jeglicher Zivilisationsgedanke. Auch in der Außenwelt kommt es zu einem – wenn auch realistischeren – Chaos. Hier lernen wir, dass Züge schneller rosten als Autos und sehende Menschen eben doch weiter kommen als blinde. Na bravo, aber mehr dazu im Film.
      • | FAZIT

      • Eine wahrhaft grauenvolle Geschichte um Gut und Böse in der jegliches Potenzial ausgeblendet wurde.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Julius Pöhnert

      • | Userwertung

      Wertung: 9.3/10 (4 votes)

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