Fiona ist Englischlehrerin. Dom ist Sportlehrer. Fiona und Dom lieben sich. Und am meisten lieben sie sich wenn sie gemeinsam Rumba tanzen. Solange sie sich von lateinamerikanischen Rhythmen tragen lassen, vergessen sie alles um sich herum. Doch die geliebte Musik verstummt jäh, als das Paar nach einem erfolgreich absolvierten Tanzwettbewerb beinahe einen untalentierten Selbstmörder überfährt und gegen einen Brückenpfeiler prallt.
Als Fiona aufwacht ist ihr ganzer Körper in Gips gehüllt und eines ihrer Beine für immer verschwunden. Und ihr Mann kann sich nicht mehr daran erinnern, mit ihr verheiratet zu sein. Genau genommen kann er sich an überhaupt nichts erinnern das länger als ein paar Sekunden zurückliegt. Trotzdem kehren sie gemeinsam in ihr Haus zurück und versuchen, sich dem neuartigen Alltag zu stellen.
Leider misslingt ihnen alles. Kochen ohne Kurzzeitgedächtnis ist ziemlich kompliziert, alte Rituale wollen sich nicht so leicht wieder einstellen und ihre Jobs sind Fiona und Dom auch schnell los. Das einzige was ihnen am Ende noch bleibt ist ihre Liebe füreinander. Dann macht sich Dom eines Morgens auf den Weg, Schokoladen-Croissants zum Frühstück zu kaufen. Den Weg zum Bäcker findet er, doch auf dem Rückweg zu Fiona geht er verloren. Er landet an einem Strand an dem ausgerechnet der untalentierte Selbstmörder wohnt, der an ihrem Unglück schuld ist, und ein neues Kapitel der Geschichte beginnt.
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| FILMKRITIK
Eine Szene des Films zeigt Fiona und Dom nach vielen Tiefschlägen gänzlich verstummt vor einer Mauer sitzend, als sich hinter ihnen ihre Schatten zum Tanz erheben. Die entflammte Leidenschaft der Schattentänzer hat in der Realität allerdings nichts mehr verloren und so unterbricht Fiona das unbemerkte Treiben an der Wand mit einem kurzen kräftigen „Bon“ und sie und Dom machen sich – allen Widrigkeiten zum Trotz – wieder auf den Weg, einer ungewissen Zukunft entgegen.
Schon dieser kurze Ausschnitt zeigt, dass „Rumba“ ein sehr eigenwilliger und poetischer Film ist, der sich schwer mit anderen Filmen vergleichen lässt. In seinem Mittelpunkt stehen zwei hagere Clowns, die so selbstverloren in die Welt und so zärtlich aufeinander blicken, dass man sich ihrer Einzigartigkeit stets bewusst bleibt. Die Leinwand wird dabei zur Kleinkunstbühne, auf der sich vor statischer Kamera burleske Situationen aneinanderreihen und bewusst künstlich gehaltene Spezialeffekte das Medium Film sichtbar machen.
Reden würde hier nur stören und daher tun es die beiden auch nur, wenn es absolut notwendig ist. Als schweigsam kann man sie deshalb aber trotzdem nicht bezeichnen, denn da sind ja noch ihre Körper. Die winden sich nicht nur in ebenso humorvollen wie professionellen Tänzen, sondern verbiegen sich auch, um gegen die Widrigkeiten des Alltags anzukämpfen. Schicksalsschläge werden nicht wahr- sondern hingenommen, denn ändern lassen sie sich so oder so nicht.
In ihrem Spiel zeigen die Hauptdarsteller mit einer großen Portion Selbstironie ihr Können. Immerhin arbeiten Fiona Gordon und Dominique Abel – die gemeinsam mit Bruno Romy auch für Drehbuch, Regie und Produktion zuständig waren – schon lange als Clowns für das Theater. Diese jahrelange Erfahrung sieht man ihren durchtrainierten Körpern an. „Rumba“ ist ihr zweiter Langfilm und dürfte – ebenso wie ihr erster – das Publikum in zwei Hälften spalten. Es wird diejenigen geben, die sich auf den eigensinnigen Humor und die ungewöhnliche Handschrift der beiden talentierten Clowns einlassen und solche, die das Fehlen von Tempo und flotten Dialogen beklagen. Am Ende gilt aber für beide Seiten: „Rumba“ ist ein Film, den man nicht so schnell vergisst.
| FAZIT
Ein tragischer, komischer und eigenwilliger Film über zwei tanzende Clowns, deren zärtliche Liebe zueinander von einem Unglück ins nächste gejagt wird.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung