Sonntag | 27. Mai 2012 | 17:32 Uhr
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  • FILM REVIEW | Im Winter ein Jahr
  • Im Winter ein Jahr

    Drama | Deutschland 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Fast ein Jahr nach dem Tod ihres 19-jährigen Sohnes gibt Eliane Richter bei einem Maler ein Porträt ihrer beiden Kinder in Auftrag. Für das Gemälde muss die 22-jährige Tochter Lilli ins Atelier von Max Hollander kommen. Der Künstler will sich zunächst selbst ein Bild von den Gefühlen Lillis machen und von der Beziehung, die die beiden Geschwister hatten. Seine Fragen bewirken bei Lilli, die ihre Trauer verdrängt hat, eine emotionale Öffnung. Der 60-jährige Maler und die Tanz- und Gesangsstudentin treten in einen intensiven Dialog, der die ganze Familie aus ihrer Erstarrung lösen wird.
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      • | FILMKRITIK

      • Das Familiendrama „Im Winter ein Jahr“ ist der erste Film von Caroline Link nach ihrem Oscar-Erfolg „Nirgendwo in Afrika“ im Jahr 2001. Er basiert auf dem amerikanischen Roman „Aftermath“ von Scott Campbell und sollte ursprünglich Links Amerika-Debüt werden. Doch wegen zu schwieriger Schauspielerverhandlungen lag das Projekt auf Eis, bis Link sich entschloss, einen deutschen Film daraus zu machen und das Drehbuch für einen Schauplatz in München und am Starnberger See umschrieb. Es geht zwar um eine unterkühlte Familie, die nicht weiß, warum sich der 19-jährige Sohn das Leben nahm – doch auch dem Film gelingt es nicht, seinen Figuren emotional näher zu kommen.

        Josef Bierbichler spielt den berühmten Maler Max Hollander, für den Porträts bereits verstorbener Menschen nichts Neues sind. Eines der Werke in seinem Atelier ist eine Erinnerung an den Jungen seiner Nachbarn, der im See ertrank, ein anderes zeigt seinen Freund, der ebenfalls nicht mehr lebt. Lilli kommt zunächst nur widerwillig ins Atelier, wo sie der Maler fotografiert und skizziert, doch dann beginnt sie sich für das emotionale Frage- und Antwortspiel mit dem älteren Mann zu interessieren. In ihrem Alltag herrscht, wie zahlreiche dazwischen geschnittene Szenen zeigen, das pure Gefühlschaos und Lilli sehnt sich nach jemandem, der ihr zuhört.

        Caroline Link hat sich sichtlich Mühe gegeben mit diesem Drama: Die Settings, samt unordentlichem Künstleratelier und Herbstlaub, atmen mal heimelige oder wehmütige Stimmung, mal zurückgenommene Eleganz. Von Gediegenheit und Ambition gleichermaßen zeugt auch die Beschäftigung mit der Malerei. Link erhielt für den Film einige Bilder des Münchner Künstlers Florian Süssmayr. Und auch Lilli ist der künstlerische Ausdruck nicht fremd, sie tanzt leidenschaftlich, wenn auch zunächst noch undiszipliniert.

        Josef Bierbichler und seine Kammerspiel-Partnerin Karoline Herfurth sind antagonistisch, also spannungsträchtig besetzt. Als Eltern treten Corinna Harfouch und Hanns Zischler auf. Doch was passiert? Die renommierten Schauspieler haben alle zu wenig Raum, das behauptete Psychodrama ihrer Figuren zu entfalten. Caroline Link geht es mehr um die Bilder, die zeigen sollen, was sie sich im Kopf schon ausgemalt hat. Zwar hat Bierbichler mit seiner unverblümten Art, die Dinge wortkarg auf den Punkt zu bringen, immer wieder Lacher auf seiner Seite. Doch es wird keine Dramaturgie aufgebaut und die Trauerarbeit, die Lilli und am Rande auch ihre Eltern bewältigen sollen, bleibt Behauptung.

        Karoline Herfurth, Grimme-Preisträgerin für ihre Rolle in „Eine andere Liga“, ist hier vor allem hübsch anzuschauen, mit ihrem roten Haar und der Wimperntusche, die nie fehlen darf – wieso eigentlich? Es gibt zu viele Szenen, wie z.B. Lilli und ihr Freund am See, Lilli beim Flirten in der Kneipe, der Vater beim Schmücken des Weihnachtsbaums, die zu kurz und zu wichtigtuerisch sind, um das Hauptthema unterfüttern zu können. Das Glaubwürdigste an der ganzen Geschichte ist, dass Alexander, das Vorzeigekind seiner Eltern, zu viel gelächelt haben soll und niemand wusste, was wirklich in ihm vorging. Oder wie Max Hollander nach dem Sichten der Fotos sagt: „Sein ewiges Grinsen ist mir auf die Nerven gegangen.“
      • | FAZIT

      • Caroline Link präsentiert in diesem distanzierten Familiendrama hübsche Bilder und unterforderte Schauspieler.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 5.0/10 (1 vote)

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