Jerry (Shia LaBeouf) ist das schwarze Schaf einer Siegerfamilie. Dabei versucht er doch nur herauszufinden, wer er ist und Stanford schien dafür nicht der richtige Weg. Sein derzeitiger Job im Copy Shop zwar auch nicht, aber sein Leben ändert sich sowieso komplett, als sein Zwillingsbruder stirbt. Auf einmal hat er eine Menge Geld auf dem Konto und sein Zimmer gleicht einem Waffenlager! Sein Handy klingelt. Die Frauenstimme ist ihm unbekannt. Er soll rennen, sagt sie. Nur noch 20 Sekunden. Bis was? Zu spät, ein Sondereinsatzkommando stürmt sein Zimmer und macht ihn dingfest. Das FBI hält ihn für einen Terroristen! Als er endlich seinen Anruf tätigen darf, meldet sich schon wieder diese Frauenstimme. Von nun an wird er keinen Schritt mehr unbemerkt tun können. Ziemlich schnell wird Jerry klar, dass er die Anweisungen dieser Frau befolgen muss, wenn er am Leben bleiben will.
Rachel (Michelle Monaghan) – eine junge Mutter –, die Jerry im Moment des Aufeinandertreffens fälschlicherweise für die Inhaberin der Stimme hält, ist es ähnlich ergangen: Falls sie sich den Anweisungen widersetzt, wird ihr kleiner Sohn sterben. Ob sie wollen oder nicht, Jerry und Rachel sind gezwungen, sich gegenseitig zu vertrauen – beide sind der mysteriösen Stimme ausgeliefert. Aber welches Ziel verfolgt sie und was hat das alles mit einem Vorfall im National Military Command Center des Pentagon zu tun?
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| FILMKRITIK
Wir leben in einem Zeitalter, wo Handy, Pager, BlackBerry – dieser ganze Schnickschnack für viele von uns unverzichtbar geworden ist. Nahezu alles lässt sich mittlerweile übers Internet erledigen. Seit dem 11. September haben wir zwar hin und wieder ein flaues Gefühl im Magen, weil wir wissen, dass wir Dank GPS und Co. überall geortet werden könnten. Zu Hause lassen wir unser Handy allerdings trotzdem nicht, aber was passiert, wenn diese technischen Raffinessen nicht zu unserer Sicherheit eingesetzt werden? Jerry und Rachel erhalten die Antwort darauf. Schon Kubrick demonstrierte mit „2001 – Odyssee im Weltraum“ welch schreckliche Folgen es haben kann, wenn die Menschheit sich zu sehr auf Computer und dergleichen verlässt und auch D.J. Caruso entwirft mit „Eagle Eye“ ein wahrhaftes Schreckensszenario. Jedes Mal, wenn Jerry glaubt, entkommen zu sein, taucht die „Stimme“ durch eine andere Quelle wieder auf. Das Handy eines anderen, eine Leuchtreklame, sie kann sogar sämtliche Ampelschaltungen und Züge kontrollieren. Rachel und Jerry haben keine Wahl, eine Zuwiderhandlung bliebe auf gar keinen Fall unbemerkt und würde schreckliche Konsequenzen nach sich ziehen.
„Eagle Eye“ ist ein Actionfilm – keine Frage und als solcher beinhaltet er zahlreiche Standardsituationen, wie Verfolgungsjagden im Auto oder zu Fuß, Schlägereien und Schießereien. Die Verfolgungsjagd auf dem Gepäckband im Innern eines Flughafens und die Flucht vor unzähligen Polizeiautos, welche auf einem Schrottplatz endet, sind dabei besonders sehenswert. Letztere deutlich im Stil der Actionfilme aus den 70ern wie beispielsweise „French Connection“ (William Friedkin; 1971). Es ist das erste Mal, dass Jerry und Rachel bewusst wird, wie groß die Macht der „Stimme“ sein muss, denn sie gibt genaue Anweisungen wie schnell Rachel fahren soll, wann ihr Fuß auf dem Gas bleiben und wann wie stark gebremst werden soll und stellt währenddessen sämtliche Ampeln für die beiden auf grün. Und in der Tat sind es nur Polizeiwagen, die geschrottet werden. Auch wenn die Actionsequenzen in „Eagle Eye“ auf Altbekanntes zurückgreifen, zittert man als Zuschauer trotzdem mit, weil die wenigen Minuten Figurenetablierung zu Beginn des Films völlig ausreichen, um mit Jerry und Rachel zu sympathisieren.
Heutzutage gehört es ja fast schon zum guten Ton, solche Szenen mit derart verwackelter Kamera aufzuzeichnen und so unglaublich schnell zu schneiden, dass der Zuschauer fast nichts mehr erkennen kann. Das beste Beispiel momentan dürfte da „Batman – The Dark Knight“ darstellen. Caruso entschied sich in Zusammenarbeit mit Kammermann und Cutter für ein nicht ganz so rasantes Verfahren. Schnell geschnitten und verwackelt ja, aber immer noch langsam genug für das Auge des Zuschauers, dennoch gleichzeitig so schnell, dass er kaum Zeit zum Luftholen hat.
Der Verlauf der Beziehung zwischen Rachel und Jerry ist allerdings nicht von vorhergehenden Actionfilmen abgeguckt, denn nach dem gängigen Genremuster müssten die beiden eigentlich bei der sagen wir mal drittbesten Gelegenheit über einander herfallen. Tun sie aber nicht. Lediglich das Vertrauen zu einander wächst – allerdings langsam und nicht uneingeschränkt.
Beeindruckend ist Shia LaBeoufs schauspielerisches Talent. Tat er sich doch bisher in Produktionen wie „Transformers“ und „Disturbia“ – letztere ebenfalls unter der Regie von J.D. Caruso – als Milchbübchen hervor, steht er in „Eagle Eye“ durchaus seinen Mann, beziehungsweise verwandelt sich glaubhaft von einem grünen Jungen auf der Suche nach sich selbst in einen jungen Mann, der Dinge zu leisten im Stande ist, die er nie für möglich gehalten hätte. Er ist jetzt zwar immer noch ein Milchbübchen, aber immerhin eins mit Bartwuchs und es ist durchaus möglich, dass ihm nicht sein Mitwirken an „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ seinen Durchbruch als Leadingman verschaffen wird, sondern sein Spiel in „Eagle Eye“.
J.D. Carusos Regiearbeit ist und bleibt ein Actionfilm, der hier und da auf Altbewährtes zurückgreift und es gegebenenfalls optimiert, aber als solcher ist er absolut sehenswert und mit Sicherheit wird das ein oder andere Handy nach dem Kinobesuch nicht gleich wieder angeschaltet.
| FAZIT
Gelungenes Actionfeuerwerk, das kaum Zeit zum Luftholen lässt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung