Sonntag | 27. Mai 2012 | 15:59 Uhr
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  • FILM REVIEW | Paris, Paris - Monsieur Pigoil auf dem Weg zum Glück
  • Paris, Paris - Monsieur Pigoil auf dem Weg zum Glück

    Drama, Komödie | Deutschland / Frankreich 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Monsieur Pigoil ist Bühnenarbeiter im kleinen Vorstadtvarieté Chansonia – doch seine Frau betrügt und verlässt ihn, das Theater wird geschlossen, das Sorgerecht für den Sohn wird ihm abgenommen. Also beschließen er und seine alten Kumpels Milou und Jacky, das Chansonia wiederzueröffnen – was ein ziemlicher Flop wird, nicht nur, weil es mit Jackys Komikerqualitäten nicht weit her ist. Nur eine strahlt heraus: die junge Sängerin Douce. Die auch gleich ein Tourneeveranstalter abwirbt, obwohl sich Milou und Douce ineinandern verliebt haben. Wieder steht das Chansonia vor dem Aus – wäre da nicht der geheimnisvolle Monsieur Radio, der einen von Douce gesungenen Chanson hört – der er selbst vor Jahrzehnten komponiert hat…
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      • | FILMKRITIK

      • Manchmal fühlt man sich im Klischee gut aufgehoben. Da weiß man immer, was einen erwartet, man ist vor Überraschungen gefeit, kann sich fallen lassen, kann ganz unangestrengt sich dem Feeling des Films hingegeben. Das geht natürlich nur, wenn’s gut gemacht ist, wenn die Klischees nicht penetrant sind, wenn sie vielmehr fast selbstironisch akzeptiert werden, weil sie schlicht die Basis des Films bilden.

        So ist es im Qualitätskino, so ist es in „Paris, Paris“, in dem es, klar, um Paris geht. Und um eine Vater-Sohn-Geschichte. Und um das Zueinanderfinden eines Liebespaares. Und um eine junge Sängerin, die zum Star wird. Und um ein kleines Vorstadtvarieté, das gegen einen bösen Immobilienhai/Gangster gerettet werden muss. Und so weiter. Alles nichts wirklich Neues, auch nichts, was nicht in einer ähnlichen Konstellation schon dagewesen wäre – das betrifft auch die Stimmung zwischen Tragik und Komik, verbunden mit irrealer Stilisierung der Filmbilder wie der Handlung, mit Chansons, 30er-Jahre-Nostalgie und süßlicher Sentimentalität.

        „Paris, Paris“ ist ein Ensemblestück im Pariser Vorort, der so was Ähnliches ist wie Amélies Montmartre. Einige Figuren stehen im Mittelpunkt, die alle ihre eigene Geschichte haben: Pigoil, der Bühnenarbeiter im Varieté Chansonia, den die Frau verlassen hat, der das Sorgerecht für seinen Sohn verliert, der ohne Arbeit, ohne Geld, nur mit ein paar Flaschen Wein im Blut dasteht. Jacky Jacquet, der Imitator, der keine vernünftige Imitation zusammenkriegt. Milou, der junge Kommunist, der mit der Volksfront-Regierung ab 1936 eine bessere Welt aufziehen sieht und sich etwas widerwillig in die Sängerin mit dem sprechenden Namen Douce verliebt. Sie wiederum ist das Hauptelement in jeder französischen Romanze: die süße Kleine mit den großen Augen, hier gespielt von der erst 17jährigen Nora Arnezeder, die frisch von der Gesangs- und Schauspielschule kam. Deren Liebreiz überquillt, wenn aus ihrem Äuglein eine kleine Träne kullert und den Mund ein leises Lächeln umspielt. Dazu noch der verschrobene Alte, dargestellt von Pierre Richard, und ein böser Gangster, der sich eine Weile einen Schafspelz überzieht, um der Vielgeliebte des Viertels zu werden.

        Christophe Barratier setzt ganz aufs Gefühl, wie ja auch schon in seinem vorhergehenden „Monsieur Mathieu“. Den Hauptdarsteller hat er gleich mitgenommen in sein neues Projekt, in dem sich wieder alles um Musik dreht (Barratier hat eine klassische Musikausbildung genossen): zuallererst waren die Chansons des Films entstanden, um die dann die Handlung gestrickt wurde.

        Die einerseits verwurzelt ist in der Realität der 30er Jahre mit sozialistischen Hoffnungen und faschistischer Bedrohung, mit Armut, Tränen und häufiger Ernüchterung. Die andererseits stilisiert, ja unrealistisch ihre Musicalwelt erschafft in einem Paris, das es nie gegeben hat. Wobei mitunter eine etwas spritzigere Inszenierung dem Film gut getan hätte, pointiertere missglückte Parodien von Jacky etwa oder ein weniger gleichförmiger Konfliktaufbau.

        Am interessantesten wird der Film, wenn sich die beiden Ebenen von Realismus und Stilisierung begegnen, in der Figur des Milou etwa, der sich mangels wirklich gelebter Revolution eine eigene kommunistische Vita zusammenlügt. Oder in Jacky, den der Oberschurke bequatscht, für ihn zu spitzeln, der ihn dann zum Hofnarr der Faschisten macht: mit rassistischen Witzen hat er auf Versammlungen der Rechtsaußen-Partei große Erfolge und dient sich dabei ungewollt dem Bösen an. Er ist die wirklich tragische Gestalt des Films, weil er schlicht zu dilettantisch ist für die Erfüllung seines Traumes von der Komikerkarriere. Und der deshalb in die Wirren der Zeitläufte soweit verstrickt wird, dass er fast verpasst, seinen Traum seinen wahren Fähigkeiten anzupassen.
      • | FAZIT

      • Ein Paris-Film, wie man sich einen Paris-Film vorstellt: Komisch, tragisch, stilisiert und voll Gefühl.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 10.0/10 (1 vote)

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