Ted Grey (Milo Ventimiglia) ist ein Spitzenmediziner und mit der hübschen Gwen (Alyssa Milano) verlobt. Als Überflieger und durch Beziehungen erhält er eine Stelle in einem renommierten Pathologieprogramm im Krankenhaus – und gerät dort an den eitlen Gallo (Michael Weston) und seine elitäre Clique. Zunächst noch feindlich und höhnisch ihm gegenüber, nehmen sie Ted bald in ihren Kreis auf und führen ihn, zwischen Sex und Drogen, in ihr perverses Spiel ein: Abwechselnd wird ein Mensch möglichst knifflig getötet, auf dass die anderen mit ihrer Autopsie-Brillanz das „Rätsel“ um die Todesart knacken. Ted steigt ein. Doch es ist klar, dass das Treiben nicht lange gut gehen kann, zumal sich Gallos Freundin und Mitspielerin Juliette (Lauren Lee Smith) in Ted verkuckt.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Vielleicht macht es der deutsche Regisseur Marc Schoelermann bei seinem ersten Hollywood-Auftritt eher schlimmer als besser, indem er „Pathology“ immerhin in videoclip-schöne Bilder packt und zur souveränen Kameraarbeit anhält. Vielleicht wäre der Film als der äußere abgeschmackte Schmuddeltrash, den er im Inneren ist, ehrlicher, zumindest genießbarer gewesen.
So aber hat man das unerfreuliche Gefühl, dass im Mainstream schon wieder ein bisschen mehr möglich geworden ist als es wünschenswert wäre. Allein, weil so dem Horrorfilm mit seiner Splatterei und Grenzverletzung wieder was weggenommen wird, das standesrechtlich ihm gehört.
Der Thriller „Pathology“ ist in seinen stilsicheren blau- und grünstichigen Hochglanzbildern die Mischung aus „C.S.I.“ (oder, na ja, „Quincy“) mit den deutschen „Anatomie“-Filmen, allerdings mit einem gehörigen Schuss „Hostel“ dabei (wobei man diesem Terrorfilm fast noch unrecht tut).
Die Gruppe der hübschen, nichts sagenden Jungmediziner werden so penetrant provokativ als Menschenverachter und extrem-lebende Party-Yuppies voll ohne Hemmungen und „total krass“ vorgeführt, dass es selbst schon fast menschenverachtend ist. Zumindest in der penetranten Bemühtheit. Hui, was wird im Sezierraum gevögelt, Sado-Maso-Mätzchen veranstaltet, sogar – Nein! – sowas wie Bisexualität kommt vor: Juliette küsst ihre Killer-Kollegin. Dürfen die das?
Blut gibt es auch, bei einem „liebevollen“ Abschied mit Geigen- und Klaviermusik wird seziert und ausgeweidet, oder, zuletzt und völlig hanebüchen, am lebenden Leib. Das ist ja noch so etwas wie eine Geschmackssache. Aber schon am Anfang treibt man Schindluder mit Leichen, und das wird nie besser. Tote werden verhöhnt, als Spielzeug benutzt, herumgeworfen, als einfache Fleischhaufen und „Menschenmaterial“ missachtet. Das soll natürlich die Verkommenheit der Halbgötter in Weiß (bzw. Obduktionsgrün) demonstrieren; das Problem ist jedoch, dass der Film es selbst nicht einen Moment besser hält.
Der Anti-„Scrubs“-Film „Pathology“ ist in seiner Bravheit schlimmer als „Hostel“, weil er leider die Perspektive der Schlächter einnimmt und sie dabei nicht hinterfragt – außer in einem einzigen klitzekleinen Moment, von dessen Sorte man sich mehr gewünscht hätte und der auch nichts mehr rettet.
Statt dessen kommen die abgehangenen, obligatorischen Dünnbrett-Sprüche: dass es in der Natur des Menschen läge zu Töten, etc. blabla. Wenigstens nehmen „Pathology“ bzw. sein Drehbuchautorenteam Mark Neveldine & Brian Taylor („Crank“) auch das nicht sonderlich ernst oder aber, wie irgendwelche Motive, als so wichtig, um sich und dem Zuschauer damit über Gebühr aufzuhalten.
Der Film kümmert sich denn auch wenig bis gar nicht um die Figuren. Und auch in der Darstellerkunst darf lediglich Michael Weston als Schurke Gallo wenigstens einen Hauch von Spaß machen.
Schönling Milo Ventimiglia als „Held“ Ted hingegen ist hübsch anzusehen, ansonsten aber zu auch nichts. Dass man keine Sympathie für ihn empfindet, ist vielleicht noch gewollt (wobei es das Ende des Films gänzlich ungenießbar macht). Dass sich aber auch kein Interesse für diesen „Charakter“ einstellen mag, ist hingegen einfach passiert – auch wenn das, so scheint es, den Machern egal ist.
Gänzlich fatal jedoch ist, dass partout nicht nachvollziehbar ist, wieso der brave Saubermann Ted, der zuvor noch in Afrika der Menschheit medizinisch diente, bei dem sardonischen Spiel der Möchtegern-„American Psychos“ mitmacht (wie er auch noch ein, zwei andere überzogene Dinge tut). Obwohl der Film es Ted (und dem Zuschauer) in seiner hohlen Zynismus doch so einfach macht bzw. machen will mit dem ersten Schritt, der Verführung zum Mord: Teds Opfer ist ein böser Mann und Selbstmordversager, hat furchtbare Schmerzen und eh nicht mehr lange zu leben. Das muss als Grund reichen, um ihm eine Spritze ins Ohr zu jagen!
Für die ganze Szene inklusive der „Patientengeschichte“ und Teds „Initiation“ hat der Film den auch gerade ein, zwei Minuten übrig. Kaum länger, dafür durchaus intensiver, wird die folgende Gewissensnot Teds, von Mephisto Gallo treffend kommentiert, dargeboten. Auch davor, Teds Entfremdung in der Großstadt, sind ordentlich getroffen, stehen jedoch wie für sich und „erklären“ oder verdeutlichen das Tun, Lassen und Fühlen dieses Tevlon-Teds nicht.
Schließlich geht es ja auch um wichtigeres, nämlich dem Zuschauer den nächsten Krankenhausaufenthalt oder das Todsein zu verleiden. Oder wenigstens ganz einfach fürchterlich krass, cool und extrem zu sein. Irgendwie.
Natürlich kennen die Macher die Grundregeln oder wenigstens Standards der Dramaturgie: auch Teds Verlobte gerät in Gefahr zwecks Zuspitzung. Aber indem sie damit nichts anfangen können und wollen, der Film plötzlich wieder absackt und zum Ende eine krude Rache aus dem Hut zaubert, entblößt sich „Pathology“ als blutleer blutiges, nervtötend „krankes“ Machwerk. Getreu der Devise: Nachgeäfft, ins Extrem treibt – und dabei nicht wirklich etwas verstanden oder sich für etwas interessiert.
| FAZIT
Hohles krudes Machwerk, nett gefilmt, aber hilflos abgeschmackt, penetrant auf „Dekadenz“ getrimmt und mit einem unverständlichen Papp-„Helden“ im Mittelpunkt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung