Sonntag | 27. Mai 2012 | 19:38 Uhr
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  • FILM REVIEW | Ulak - Der Bote
  • Ulak - Der Bote

    Abenteuer, Mystery | Türkei 2007
  • | INHALTSANGABE

  • Ein alter Mann namens Zekeriya reitet von Dorf zu Dorf, um den Kindern eine Geschichte zu erzählen. Sie handelt vom Boten Abraham, der in ein Dorf kommt und die Bewohner mit einem lange verdrängten Verbrechen konfrontiert. Zekeriya besucht ein Dorf, in dem die Menschen verfeindet sind und ihre Kinder schlecht behandeln. Der mehrtägige Aufenthalt des Fremden setzt gravierende Veränderungen in Gang.
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      • | FILMKRITIK

      • Der türkische Film „Ulak – Der Bote“ ist ein orientalisches Drama mit märchenhaften Zügen und stimmungsvollen Bildern. Es preist die Kraft der mündlichen Erzählung und ist laut Regisseur Cagan Irmak von der Mevlana-Philosophie inspiriert. Diese ist nach dem islamischen Mystiker und Poeten Mevlana Dschelaleddin Rumi benannt, der im 13. Jahrhundert in Anatolien lebte und vom Sufismus geprägt war. So ist „Ulak – Der Bote“ ein Plädoyer für die Liebe und die guten Taten, sowie für die Kraft der Imagination. Zekeriya öffnet mit seiner hochdramatischen Geschichte die Herzen der Kinder, so dass sie sich vom Bösen in ihrer Umgebung befreien können.

        Dramaturgisch geschickt sind die beiden Zeitebenen im Film miteinander verwoben: Szenen aus der Gegenwart im lasterhaften Dorf, das Zekeriya aufsucht, wechseln ab mit solchen, die aus seiner Erzählung stammen. Die Unterbrechungen beider Geschichten verdeutlichen, dass die Dinge allmählich in Bewegung geraten und die Zuhörer den Verlauf immer mehr mitbestimmen.

        Zekeriya kommt in das staubige Dorf wie ein Fremder in einem Western, und sein erster Gang führt ihn in den Saloon – bzw. in das Lokal, in dem die Männer sitzen. Die Ähnlichkeiten mit der Western-Optik sind manchmal verblüffend, doch besticht der Film durch sein emotionales, sehr expressives Schauspiel im Stil eines Freilichttheaters. In diesem Dorf sind die Personen ein wenig aus der Zeit gefallen. Zekeriya wohnt in einem Schuppen auf dem Feld und macht sich draußen ein Holzfeuer, und die Kinder finden ihren Weg in der Nacht zu ihm mit Petroleumlampen. Zusammen mit den bunten Gewändern der Frauen, der musikalischen Untermalung und den schönen Landschaftsbildern samt Gänseschar entsteht eine stimmungsvolle, archaische Kulisse.

        Zekeriya ermutigt den unterdrückten Omar, sich endlich gegen seinen Vater, den Kneipenwirt, zu wehren. Verfeindete Frauen sprechen bald wieder miteinander. Und die vielen traurigen Kinder werden durch die Geschichte des Alten wieder aufgerichtet. Lange halten der märchenhafte Charme des Films und die Spannung in seinen beiden Erzählebenen an. In seinen zeitlosen Schleifen greift er religiöse Motive auf, die in verschiedenen Glaubensrichtungen sehr ähnlich sind und wird damit auch zum Plädoyer für kulturelle Toleranz.

        Im Laufe der Handlung tauchen plötzlich einzelne Personen aus dem Dorf der Gegenwart als Protagonisten im Märchen von Abraham auf. Der böse Adam, der seinen Sohn misshandelt, wird von diesem als Bösewicht in Zekeriyas Erzählung hineinfantasiert. Dieses kunstvolle Ineinandergreifen von Vorstellungskraft und Realität zeugt vom Talent des Filmemachers. Gegen Ende allerdings erstarrt die Handlung in der wiederholten Darstellung der Verwüstungen und Plagen, die den Sündern sicher sind. Eine etwas raschere und inspiriertere Auflösung hätte besser zum naiv-poetischen Stil gepasst.
      • | FAZIT

      • Märchenhafter türkischer Film über die Kraft der Liebe und der Geschichten.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 0.0/10 (0 votes)

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