Francois wächst in den fünfziger Jahren als Einzelkind in Paris auf. Der schmächtige Junge ist für seinen sportlichen Vater Maxime eine Enttäuschung. Mutter Tania, eine leidenschaftliche Schwimmerin, nimmt Francois oft ins Freibad mit. In seiner Fantasie hat der Junge einen älteren Bruder, der mehr den Erwartungen der Eltern entspricht. Erst mit 15 Jahren wird Francois von einer Freundin der Familie erfahren, dass es tatsächlich einen Halbbruder gab. Zum ersten Mal hört er die tragische Geschichte seiner jüdischen Familie während der deutschen Besatzung.
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| FILMKRITIK
Das französische Drama „Ein Geheimnis“ von Regisseur Claude Miller basiert auf dem gleichnamigen Roman von Philippe Grimbert, in dem der Autor seine Familiengeschichte erzählt. Sie handelt von heimlich Verliebten während der deutschen Besatzung, von einem tragischen Vorfall, der einen kleinen Jungen das Leben kostet, und von dem später geborenen Ich-Erzähler, dem die Eltern viel verschweigen. Miller verfilmt die Romanvorlage mit Leidenschaft und Sorgfalt, splittet sie geschickt in drei verschiedene Zeitstränge auf und verliert bei aller Schwere des Stoffs die schöne Liebesgeschichte nicht aus den Augen.
Der siebenjährige Francois leidet nicht nur darunter, dass er kein guter Turner wie sein Vater ist, er trägt auch eine große Last auf seinen Schultern, die nur aus Ahnungen besteht. Im Abstellraum findet er ein Stoffhündchen, das einem Kind gehört haben muss, von dem er nichts weiß. Erst als Francois 15 wird, erzählt Nachbarin Louise ihm von seinem Halbbruder Simon. Der lebhafte Junge war Anfang der vierziger Jahre der ganze Stolz seines Vaters, der damals noch mit Hannah verheiratet war. Doch schon auf seiner Hochzeitsfeier hatte sich Maxime in die schöne und sportliche Schwägerin Tania verguckt.
Das Begehren blieb jahrelang eine Angelegenheit von Blicken, die jedoch irgendwann Hannah nicht mehr entgingen. Dann beschloss die Familie, über die Demarkationslinie aus dem besetzten Teil des Landes zu fliehen. Maxime ging als erster und wartete in einem kleinen Dorf auf den Rest der Familie. Doch Hannah erfuhr, dass auch Tania dort eingetroffen war. Am Tag ihrer Flucht verlor sie die Nerven. Maxime sollte weder Hannah, noch Simon je wiedersehen.
Claude Miller reizte an der Buchvorlage, dass hier Opfer der Nazi-Zeit mit ihren Liebesgeschichten und Leidenschaften porträtiert werden. Die Figuren werden als Kinder ihrer Zeit dargestellt. Trotz der einsetzenden Verfolgung fühlen sie sich in der Gesellschaft verwurzelt. Die Charaktere wirken sehr lebendig, wozu auch die Jiddisch-Einsprengsel in den Dialogen beitragen. Roman und Film thematisieren den Körperkult, wie er in den dreißiger Jahren Mode war und wie ihm auch Maxime huldigt.
Sämtliche Rollen sind optimal besetzt. Die elegante und kühle Cécile de France prägt sich ein als Tania, deren innerer Widerstreit sich wortlos manifestiert. Patrick Bruel stellt Maxime als warmherzigen Macho dar, Ludivine Sagnier verzaubert als ätherische Hannah, Julie Depardieu lässt ihre Louise zur guten Seele der Geschichte werden und Mathieu Amalric spielt den erwachsenen Francois als nachdenklichen Erben der Familientragödie.
| FAZIT
Spannende, hervorragend gespielte Romanverfilmung über das Schicksal einer jüdischen Familie im besetzten Frankreich.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung