Atze Schröder schlägt sich durch, 1944 in Essen: er handelt auf dem Schwarzmarkt, hat zuhause den Juden Samuel versteckt, hört Jazz, träumt davon, mit seiner Erfindung des elektrischen Frittierfetterhitzers reich zu werden – und fickt die Frau von General Strasser. Als der das spitzkriegt, muss Atze fliehen. Und er weiß auch schon, wohin: nach Toulon in Südfrankreich, wo die U 900 auf geheimer Tauchfahrt bei Gibraltar auf den Atlantik durchbrechen soll, um den kurz zuvor von den Nazis gefundenen Heiligen Gral ins Deutsche Reich zu bringen.
Atze und Samuel überreden die Schauspielerin mit Berufsverbot Maria, sie mitzunehmen nach Frankreich, und sie überreden sie gar, mit an Bord zu kommen – erwartet werden dort nämlich drei Mann, der Kaleu, der General Strasser und sein Adjutant. Und wenn Maria sich einen Bart anklebt und alle drei in Uniform aufkreuzen, hält jeder die drei Flüchtlinge für – na klar. Atze also als Kaleu, der noch nie ein U-Boot gesehen hat, gibt schwachsinnige Befehle, droht aufzufliegen – zumal der echte General Strasser ihnen auf den Fersen ist. Doch die wirkliche Bewährungsprobe kommt erst noch: Atze muss das Boot durch die gefährlich enge Poseidon-Spalte bei Gibraltar führen, 210 Meter unter dem Meeresspiegel – und er hat die Koordinaten nicht. Wenn das U-Boot da durch ist, winkt das große Ziel: Amerika.
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| FILMKRITIK
Der Film überrascht. Ja wirklich. Da ist gleich am Anfang Essen-Kray zu sehen, die Heimat von Atze Schröder im Jahr 1944, zerbombt und in Trümmern. Das ist eine ganz, ganz aufwändige Panoramaaufnahme, gedreht auf dem ehemaligen „Marienhof“-Außenfassadengelände in den Bavaria-Studios kurz vor dem Abriss. Kombiniert mit Computereffekten. In Cinemascope. Soviel Sorgfalt und Bemühen um den ästhetischen Look! Auch die U-Boot-Szenen sind wie ganz großes Kino gedreht, im U-Boot-Modell in den Cinecitta-Studios, wo auch schon Hollywoodproduktionen, gebaut für „U 571“ im Jahr 2000.
Man hat sich also angestrengt: nur um dann Atze Schröder im dreirädrigen Motorkarren um die Ecke biegen zu lassen, mit dem Lockenschopf, mit der großen getönten Brille, dem offenen Hemd, der Leopardenunterhose: ein Verschnitt des biedersten Billig-Pseudoplayboys der 70er, versetzt ins Dritte Reich. Und es ist klar: Einer wie er wäre damals gleich im KZ gelandet; und womit? Mit Recht (wie Atze mit seiner großen Klappe dazu sagen würde).
Es ist also das Atze-typische „Fish out of Water“-Konzept, wie Regisseur Sven Unterwaldt (der sich zum Comedian-im-Kino-Regisseur gemausert hat) betont – allerdings zeitlich verschoben, in die bösen Nazi-40er-Jahre, und das macht für ihn und Atze den Reiz aus. Alle sind sie „Das Boot“-Fans, Regisseur, Autoren, Darsteller: und so versuchen sie sich an einer Hommage an Petersens U-Boot-Klassiker; und das funktioniert erstaunlich gut.
Der Film versucht oberflächlich gar nicht, in die Comedy- und Klamottenkiste reinzukommen, sondern baut ein ganz ernsthaftes Kriegssetting auf. Und versetzt dann Atze hinein, den selbstverliebten, unbedarften Proll, „Lichtgestalt und Frauenschwarm, Baron der Leidenschaft“, wie er sich im Film selbst charakterisiert.
Da rennt er im Leopardenhöschen durch den Garten des Generals, nachdem er beim Seitensprung mit dessen Frau erwischt wurde, schleicht sich als falscher Kaleu auf ein U-Boot, muss das Boot durch die Poseidon-Spalte navigieren, die ihren Namen von einem Puff in Warnemünde hat. Will in New York frittierte Kartoffeln verkaufen mit seiner selbstgemachten Erfindung, und stolpert ohne dass er’s merkt auch noch über den Heiligen Gral – ja, das ist alles doof. Und vollkommen hanebüchen. Aber dafür ist es ja auch eine Komödie, die gar nichts anderes sein will.
Wenn jetzt noch ein paar Charaktere ausgefeilter konzipiert worden wären, wenn ein paar der komischen Situationen weiter ausgereizt, mehr auch in den Plot integriert wären, wenn die Handlung ein paar Löcher weniger hätte und die Dramaturgie etwas stringenter wäre – dann wäre „U 900“ sogar ein richtig guter Film geworden. Nicht nur einer, der überraschenderweise weniger schlecht ist als befürchtet.
| FAZIT
Atze Schröder als falscher Kaleu im U-Boot: das birgt manche komische Situation und einen schönen Kontrast zwischen Proll und Kriegsgeschehen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung