Die beiden amerikanischen Freundinnen Vicky und Cristina kommen für einen Sommer nach Barcelona. Die Studentin Vicky ist bereits verlobt und arbeitet an ihrer Abschlussarbeit, Cristina lässt sich treiben. Auch was die Liebe angeht, haben die Freundinnen verschiedene Einstellungen: Während Vicky auf Sicherheit und Verlässlichkeit baut, sucht Cristina das Feuer der Leidenschaft.
Der Maler Juan Antonio lädt die beiden Frauen spontan ein, ihn für ein Wochenende nach Oviedo zu begleiten. Cristina nimmt gerne an, Vicky kommt nur aus Sorge um ihre Freundin mit. Doch weil Cristina krank wird und im Bett liegen muss, zieht Vicky mit Juan Antonio durch die Stadt und erliegt irgendwann seinen Reizen. Zurück in Barcelona, wird Cristina dann Juan Antonios Geliebte und zieht bald auch in sein Haus. Doch dort ist das Paar nicht lange allein, denn Juan Antonios temperamentvolle Ex-Frau Maria Elena kommt zurück. Und Vicky, die ihren Verlobten heiratet, kann Juan Antonio nicht vergessen.
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| FILMKRITIK
Drei Filme hat der New Yorker Woody Allen in England gedreht und zum Abschluss seiner europäischen Jahre noch einen in Barcelona. In der romantischen Stadt schnuppert er noch einmal den Duft von Freiheit und Ferien. Seine beiden amerikanischen Landsleute Vicky und Cristina tun das Gleiche und halten einen Sommer lang Ausschau nach der spanischen Glut. Mit diesem sinnlichen Genussfilm kramt der Filmemacher wieder, aber diesmal befreiter und gelöster, in den Männerfantasien, die bereits in seinen frühen Werken wie „Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten“ Ausdruck fanden.
In „Vicky Cristina Barcelona“ also geht es um die Träume von Amerikanern, die ihre prüde Umgebung für kurze Zeit hinter sich lassen, über das Wesen der Leidenschaft im dekadenten Europa. Ein heißblütiges spanisches Künstlerpaar bedient diese Klischees auf das Beste. Es geht um die Vorliebe eines alternden Filmemachers für schöne junge Frauen, guten Wein, Musik und Kulturdenkmäler. Und es geht um allerlei hübsch bebilderte Gedanken über die Rätsel der Liebe, die Woody Allen wohlweislich unbeantwortet lässt. Irgendwo auf einem Kontinuum zwischen Entfesselung und Vernunft spielen sich ihre Formen ab, doch fehlt nicht jeder Ausprägung auf Dauer etwas?
Woody Allen hat die romantische Schmunzelkomödie wie eine Theaterburleske inszeniert. Die Figuren sind Typen, ihre Dialoge spielen mit Überrumpelungseffekten, mit dem Kulturschock. Cristina wird plötzlich krank oder verreist, wenn sie von der Bühne für eine Weile verschwinden soll. Maria Elena steht auf einmal da im Rampenlicht und fuchtelt mit einer geladenen Schusswaffe.
Zum dritten Mal dreht Allen mit Scarlett Johansson und besetzt sie in einer widersprüchlichen Rolle, in der sich ihr besonderer Charme entfaltet. Ihre Cristina ist als freizügige Blondine in Barcelona nicht nur attraktiver Blickfang, sondern auch eine naiv-neugierige Person, die ihre Worte mit Bedacht wählt. Javier Bardem als unrasierter Maler mit übernächtigtem Aussehen darf sich dafür um so unverblümter äußern. Seine Offenheit in Themen der Liebe bringt vor allem die prüde Vicky, gespielt von der brünetten Rebecca Hall, aus dem Konzept.
Penélope Cruz schließlich setzt als Künstlerin Maria Elena das romantische Knistern in lodernde Flammen. Woody Allen lässt sie, spärlich in einen Fetzen im Steinzeitlook gehüllt, ihre erotische Kreativität in ein Actionpainting einbringen. Er lässt sie in wortreiche spanische Tiraden ausbrechen und macht sie zur Muse nicht nur für ihren ewigen Geliebten Juan Antonio, sondern auch für Cristina. Eine besonders schöne Szene zeigt Cristinas und Maria Elenas zärtliche Begegnung im roten Licht der Dunkelkammer.
| FAZIT
Woody Allen gönnt seinen Männerfantasien attraktive Schauspielerinnen in lauen spanischen Nächten.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung