Sonntag | 27. Mai 2012 | 16:14 Uhr
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  • FILM REVIEW | Neulich in Belgien
  • Neulich in Belgien

    Drama, Komödie, Romanze | Belgien 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Matty hat ohnehin schlechte Laune, als sie mit ihren zwei Kindern aus dem Supermarkt kommt. Doch dann touchiert sie auch noch beim Ausparken den LKW-Fahrer Johnny. Als dieser sie wüst beschimpft, weil sie angeblich sein Fahrzeug verkratzt hat, rastet sie aus. Couragiert wirft sie Johnny Ignoranz vor und trifft dabei unbewusst seinen wunden Punkt.

    Das beeindruckt Johnny. Die eben noch abgehetzte Vierzigjährige beginnt den jungen Mann zu faszinieren. Er bietet ihr an ihren demolierten Kofferraum zu reparieren, doch Matty hat genug von der Geschichte. Sie ruft die Polizei zur Hilfe und fährt anschließend mit ihren Kindern wieder nach Hause.

    Dort erwartet sie der graue Alltag. Ihr Mann Werner hat sie vor fünf Monaten für eine seiner Schülerinnen, eine Zwanzigjährige, verlassen. Dennoch taucht er jedes Wochenende auf, um die Kinder zu sehen. Einzig die große Tochter Vera nimmt dem Vater die Trennung übel.

    Doch so schnell gibt Johnny nicht auf. Hartnäckig wirbt er um Matty und schließlich stimmt sie einem Treffen zu. Doch bei einem Wein in der Kneipe bleibt es nicht. Die beiden haben einen One Night Stand in Johnnys LKW. Nur dass Johnny sich danach mehr erhofft.

    Matty jedoch weiß nicht so recht, wie sie sich in dieser Situation entscheiden soll. Die Beziehung zu ihrem Mann ist noch immer nicht so recht beendet, ihre große Tochter redet ihr wiederholt ins Gewissen. Und dann findet sie auch noch heraus, dass Johnny im Suff seine Exfrau verprügelt hat.
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      • | FILMKRITIK

      • Neulich in Belgien erzählt in schlichter Erzählweise die Geschichte einer Frau, die sich Anfang Vierzig mit dem Gedanken konfrontiert sieht, dass das Leben nicht die einfachen Bahnen nimmt, die sich immer gewünscht hat. Matty erklärt ihrer Tochter in einer ergreifenden Szene, dass sie immer nur glücklich sein wollte. Doch jetzt ist genau das Gegenteil eingetroffen. Und Johnny, ob er sie glücklich machen würde, fragt die Tochter. Matty stutzt, darüber hat sie noch nicht nachgedacht.

        Das letzte Mal, dass Matty sich mit sich befasst hat, nachgedacht hat was sie zum Leben braucht, ist schon zwanzig Jahre her. Seitdem hat sie sich immer nur um ihre Familie und ihren Mann gekümmert. Eine Situation, die aus dem Leben gegriffen ist. Viele Frauen werden sich damit identifizieren können.

        Der Regisseur Christophe Van Rompaey behandelt seine Charaktere bedächtig und lässt seinen Darstellern immer den nötigen Freiraum um die authentische Erzählweise beizubehalten. Das mag zunächst befremdlich wirken, zunächst weiß man noch nicht so recht, ob einen die Geschichte mitreißen wird. Doch dann werden die Figuren immer sympathischer, die erfrischenden Dialoge tragen zur Unterhaltung bei und schließlich gewinnt die Erzählung doch etwas Magisches. Denn dies ist kein ausgedachter Plot, hier sehen wir etwas Wahrhaftiges. Und das unterhält mehr, als jeder aufgesetzte Action Film.

        Dabei stechen vor allem die weiblichen Darstellerinnen aus dem Ensemble heraus. Barbara Sarafians Darstellung einer fragilen Frau, die erst zu sich selbst finden muss, bevor sie ihre Umwelt ordnet, ist bezaubernd. Ohne Hemmungen stellt sie die genervte Frau dar, deren Sorgen tief in ihr Gesicht eingegraben sind. Doch in bestimmten Momenten fängt sie an zu lächeln, und dann fängt die Leinwand plötzlich an zu leuchten.

        Ebenso überzeugt auch Anemone Valcke, die Mattys Tochter Vera spielt. Die junge Darstellerin vermag es mit der Darstellung der pubertierenden Tochter zu überzeugen. Vera kämpft mit ihrer eigenen Identität und steht letztendlich trotzdem zu ihrer Mutter und hilft ihr, sich selbst zu verwirklichen. Dabei driftet die Darstellung jedoch nie ins klischeehafte ab, sondern die Ambivalenz der jungen Frau wird durch Anemone Valcke mehr als deutlich.
      • | FAZIT

      • Neulich in Belgien ist ein erfrischender, wahrhaftiger Film, der mit seiner Authentizität überzeugt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Laura Samide

      • | Userwertung

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