Sonntag | 27. Mai 2012 | 14:23 Uhr
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  • FILM REVIEW | Death Race
  • Death Race

    Thriller, Action | USA 2008
  • | INHALTSANGABE

  • 2012: Die amerikanische Wirtschaft ist zusammengebrochen, Arbeitslosigkeit, Armut und Kriminalität sind Alltag.
    Jensen Ames ist arbeitslos, Ex-Stahlwerkarbeiter, Ex-Knacki. Dass er nicht mehr auf die krumme Bahn gerät, dafür sorgt seine Frau und seine kleine Tochter – da wird seine Frau ermordet, die Tat wird ihm angehängt, und er kommt ins berüchtigte Gefängnis Terminal Island. Dort herrscht unangefochten die eiskalte Blonde Hennessey – die ihre Gefangenen regelmäßig das Death Race austragen lässt, ein tödliches Rennen mit waffengespickten Autos. Wer fünfmal siegt, bekommt die Freiheit – und das alles vor den Augen der Internetgemeinde, die das Spektakel live mitverfolgt.

    Schnell hat Jensen raus, dass ihm der Mord nur in die Schuhe geschoben wurde, damit er im Death Race seine früheren Rennfahrerqualitäten einsetzen kann. Denn der Star des Rennens, der hinter einer Ledermaske verborgene „Frankenstein“, wurde beim letzten Rennen getötet, und die Einschaltquoten sinken… Jensen muss Frankenstein ersetzen, und Hennessey arbeitet mit allen Tricks, ihn im Rennen zu halten – und ihm dabei die ersehnte Freiheit zu verweigern…
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      • | FILMKRITIK

      • „Death Race“: Das ist definitiv viel mehr Grindhouse als Tarantinos „Death Proof“. Das Remake eines Roger Corman-Films von 1975, „Death Race 2000“, bezieht sich dabei gar nicht explizit auf das Mitternachts- und Trashkino von vor 30, 40 Jahren, sondern kommt in seiner Ästhetik ganz modern, ganz heutig daher mit seinem apokalyptischen-postindustriellen Müllhaldenlook – den Einsatz der Stimme von David Carradine, der im Original den Rennhelden spielte, ist der eindeutigste, wenn auch sehr subtile Verweis. Der Geist des Sensations-Action-Kinos ist voll erhalten – genau umgekehrt wie bei Tarantino.

        Harte Männer, schnelle Autos, heiße Girls, Todesrennen, Waffen, Explosionen, Ballereien, Blut und Tod, Schlägereien, Muskeln, prison camp: das alles sind die Motive sowohl im Grindhousekino als auch in „Death Race“ – nur dass letzterer unverhältnismäßig viel mehr gekostet hat; und anders als damals keine Nacktheiten zeigt.

        Kurz: Dies ist ein Männerfilm, der Trash ist und gar nicht mehr sein will. Aber: guter Trash, mit straighter Story, die ohne Fisimatenten direkt auf den Punkt kommt, von Action zu Action führt (um was anderes geht’s ja nicht), mit Charakteren, die genug haben, um nicht uninteressant zu sein. Und mit eingebaut: viele kleine Gags, die nicht quer stehen, die nicht albern sind, sondern korrespondieren mit dem Männer-Entertainment-Geist des Films, der Selbstironie stets mit einschließt. Ein Chinese, einer der Death-Racer, flucht vor seinem Tod „Fuck it“, und das ist chinesisch untertitelt. Und das wichtigste Teil am Auto ist der Zigarettenanzünder, wie wir lernen.

        Noch eine weitere Dimension baut Regisseur Paul W.S. Anderson ein: das Death Race, modernes Gladiatorentum, wird weltweit ins Internet übertragen, ein Rennen des dreiteiligen Events für $99, das Gesamtpaket $250. Und die Rennfahrer müssen auf der Strecke nicht nur sich gegenseitig umbringen, sondern auch wie beim Videospiel Waffen und Schilde einfahren; und wenn’s schlecht läuft, rasen sie in eine der eingebauten Fallen.

        Hier kann man eine Ebene von selbstreflektiver Medienkritik sehen, wenn man mag; aber natürlich ist das nicht so, denn wenn der Film die Sensationsgier eines actionbegeisterten Publikums beschreibt, das so geil ist auf die Death Races, dann ist das eine in den Film eingebaute Kinozuschauerperspektive: denn nichts anders als die Death Races für das innerfilmische Internetpublikum ist „Death Race“ für die Kinogänger. Eine Art eingebaute Selbstbeschreibung also, die durchaus augenzwinkernd ist (und damit wieder in den Bereich der fun-Gags hineinspielt): eine Fortsetzung der Adrenalinstory mit anderen Mitteln.
      • | FAZIT

      • Was für richtige Männer. Auf jeden Fall gilt die Warnung vor dem Abspann: Don’t do this at home.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 7.5/10 (2 votes)

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