In einer kleinen Stadt in Baden-Württemberg mit einer Eiffelturm-Nachbildung träumen die drei Freundinnen Luna, Eve und Barbie vom großen Glück. Luna hat ihren Berufswunsch Tänzerin im Grunde schon aufgegeben, als sie den geheimnisvollen G kennenlernt. Er ist Tänzer und möchte sie für einen Disco-Wettbewerb trainieren.
Nach anfänglichen Selbstzweifeln findet Luna beim Tanzen zu sich. Sie trennt sich von ihrem untreuen Freund Ron und geht irgendwann mit G nach Berlin. Eve kommen kurz vor ihrer Hochzeit mit Häuslebauer Stefan Zweifel. Und Barbie, die stets topgestylte Eisverkäuferin und Nachtclubkellnerin, wartet auf Wassily, in den sie ihre ganze Hoffnung setzt.
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| FILMKRITIK
„Little Paris“ von Regisseurin und Drehbuchautorin Miriam Dehne ist eine poetische Filmfantasie zwischen Wachzustand und Traum. Drei junge Frauen macht ihre düstere Zukunftsperspektive in einem Provinzkaff beinahe schon sprachlos. In einer Eisdiele treffen sich Luna, Eve und Barbie, um ihren Träumen nachzuhängen. Nur Luna verknüpft ihre Zukunft nicht mit der Liebe, sondern mit dem Wunsch nach Selbstverwirklichung. Die Liebesfantasien gerinnen in der Einsamkeit des Städtchens zu unerreichbaren Idealen. Luna aber wagt den Absprung.
Es liegt eine betörende Schönheit in den Bildern, die Miriam Dehne für ihr Niemandsland in der Provinz findet. Die Eisdiele schwelgt in der Farbe Pistaziengrün, die Bedienung Barbie sieht aus wie die gleichnamige Puppe und trägt ein reizendes rosafarbenes Kellnerinnenkleidchen mit weißer Schürze. Eine solche Eisdiele ist die ideale Kulisse für die Flucht aus der Wirklichkeit – die da draußen nur aus Eigenheimen und Feldern zu bestehen scheint.
Die blondgelockte Barbie, gespielt von Nina Gnädig, bedient nachts im Erotikclub Flamingo, dort sind die Tapeten rot, die Seerosen im Pool rosa und die Flamingos stehen herum als Lampen. Barbie lebt den Puppentraum vorbildlich und spricht in den höchsten Tönen von ihrem Wassily, der sie abholen wird. Dieser, gespielt von Stipe Erceg, kommt zwar für kurze Zeit zurück in seinen Heimatort, doch nicht wegen Barbie. In einer dieser vielen bemerkenswerten, emotional und doch entrückt wirkenden Bildkompositionen bringt Barbie, geschmückt mit einem weißen Brautschleier und einem Strasskrönchen, auf dem Virgin steht, den Müll vor die Haustür.
Nicht nur der Club Flamingo, auch die örtliche Disco mit ihren Tänzerinnen an der Stange und später der Schuppen, den Luna mit G in Berlin aufsucht sind zwielichtige Schauplätze für die in diesem Film eng benachbarten Themen Erotik, Sex, Käuflichkeit. Selbst die Tanzeinlagen schwanken zwischen Straßenakrobatik, Freude am körperlichen Ausdruck und Figuren, wie sie von Gogo-Girls einstudiert werden. Miriam Dehne karikiert die Provinz als Lasterhöhle hinter biederer Fassade.
Die starke Stilisierung der Figuren und das Abdriften in kleine Träume haben ihren Preis. Es fehlt ein schlüssiges Drehbuch, das einen mit lebendig wirkenden Charakteren mitfiebern lässt. Miriam Dehne wählt die Pose, die sie zwar wunderschön ins Bild setzt. Doch ihre Figuren werden dabei auch im Stich gelassen. Sylta Fee Wegmann als Luna und Patrick Pinheiro als G tanzen gut, sprechen aber sollen sie nicht viel.
| FAZIT
Poetische, verträumte Geschichte in Bonbonfarben über drei junge Frauen in der Provinz.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung