In einer Zeit, in der die internationale Diplomatik vom Terrorismus geprägt ist, muss sich eine Weltmacht wie die USA auf die Informationen ihrer Menschen vor Ort verlassen. CIA-Agent Roger Ferris (Leonardo DiCaprio) ist einer von ihnen. Der Grad zwischen konsequenter Ermittlungsarbeit und dem Verschleiern seiner Identität ist schmal, doch Ferris meistert diese Aufgabe wie kein Zweiter. Er spricht fließend Arabisch, hat sich diverse Akzente angeeignet und ist im Umgang mit den Einheimischen versiert.
Ferris hat jedoch immer nur die Informationen, die sich direkt vor seinen Augen ausbreiten. Den großen Überblick hat sein Boss Ed Hoffman (Russell Crowe), der über Laptop und Handy von zu Hause aus agiert.
Ferris deckt unter riskanten Bedingungen eine heiße Fährte im Irak auf, die zu einem Terroristenoberhaupt führt. Al-Saleem ist für Anschläge verantwortlich, bei der viele Europäer das Leben fanden. Hoffman schickt Ferris nach Jordanien, wo er ein Unterschlupfsnest der Organisation beobachten soll. Ohne die eindrückliche Einwilligung von Hoffmann, wendet sich Ferris allerdings an den jordanischen Geheimdienst. Dessen Leiter Hani (Mark Strong) ist bereit dem CIA zu helfen, unter der Voraussetzung, dass Ferris ihn nicht anlügt. Ferris gibt Hani dieses Versprechen im Bewusstsein, dass er es höchstwahrscheinlich nicht einhalten kann. Denn Vertrauen ist eine Luxusware, die sich im Schmelztiegel der verschiedenen Interessen, kaum entwickeln kann.
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| FILMKRITIK
Schon die Tagline „Vertraue Niemanden, Täusche Jeden“ verrät den Kern des Filmes. CIA-Mann Ferris ist es gewöhnt, noch nicht einmal seinem Boss vollstes Vertrauen zu schenken. Hoffman würde ihn jederzeit für größere Interessen opfern.
Auf dieser Basis entwickelt sich das Drehbuch von William Monahan, der unter anderem auch die Vorlage zu The Departed schrieb, zu einem gekonnten Psychothriller, bei dem einzelne Interessen zu einer großen unbekannten Masse verschwimmen. Doch Ferris lernt eine Lektion: ohne Vertrauen wird er sich in dieser Landschaft nicht halten können. Und da die Absichten seines Bosses immer undurchsichtiger werden, hält er sich an den charismatischen Leiter des jordanischen Geheimdienstes. Schließlich entwickelt er sogar eine zarte Beziehung zur iranischen Krankenschwester Aisha (Golshifteh Farahani). Natürlich werden die verschiedenen Absichten im Verlaufe des Filmes immer komplizierter, bis sie sich schließlich in einem furiosen Finale auflösen. Am Ende wird Ferris als geläuterter Mann dastehen, der sich einem letzten Charaktertest unterziehen muss, bevor er so etwas wie Erlösung erfährt.
Unter diesen Vorgaben finden drei Größen Hollywoods zusammen. Ridley Scott und Russell Crowe beweisen sich in ihrer nunmehr dritten Zusammenarbeit (die vierte steht bereits in den Startlöchern), während Scorseses Ziehkind DiCaprio auch hier sein Ausnahmetalent zeigt. So verwundert es nicht, dass in punkto Inszenierung und Schauspiel, Kino vom Feinsten geboten wird.
Die Knackpunkte sind vielmehr in der Geschichte zu finden. Monahans Drehbuch basiert auf dem Roman von David Ignatius, der als Journalist qualifizierte Einsicht in die Arbeit des CIAs im Nahen Osten erlangte. So irritiert nicht die relativ authentische Umsetzung, sondern die Dramaturgie des Filmes. Der Spannungsbogen widmet sich dem Thema, wem Ferris vertrauen darf. Dieses Vertrauen erstreckt sich auf drei Menschen. Hani, Hoffman und Aisha. Die Letztere nimmt allerdings die undurchsichtigste Rolle des Filmes ein. Es wird nie deutlich, warum sich Ferris für die Krankenschwester interessiert. Weder ein „Liebe auf den ersten Blick“-Zusammenhang noch ein sexuelles Interesse wird zwischen den beiden hergestellt. Grundsätzlich wäre dies kein Problem, basiere nicht der komplette Showdown auf diesem vagen Verhältnis der Figuren. Hier steigt das untrügliche Gefühl auf, dass Teile der Geschichte dem Schnitt zum Opfer fielen.
Dazu kommen noch einige logische Unklarheiten. Ist es technisch tatsächlich möglich, dass Ferris und Hoffman auf einer abhörsicheren Leitung vom Niemandsland Jordaniens ins Familienhaus nach Washington klaren Empfang haben? Da große Teile der Handlung auf dieser Vorgabe basieren, muss man sich die Frage stellen, ob das Publikum davon überzeugt werden kann.
Diesen Unklarheiten zum Trotz ist Der Mann, der niemals lebte ein spannender und interessanter Thriller, der ganz im Zeichen der neuen Weltordnung steht. Die Geschichte entwickelt sich in Sekunden von der politischen Brisanz Syrianas bis zu Actionelementen der Bourne Trilogie.
| FAZIT
Spannender Thriller, in dem drei Schwergewichte des amerikanischen Films ihr Können unter Beweis stellen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung