Auf der Kirmes verliebt sich Lulu, Tochter aus gutem Hause, in den schwarzen Jimi. Der junge Mann aus Amerika jobbt beim Autoscooter. Lulus Mutter drängt ihre Tochter, den reichen Unternehmersohn Ernst zu heiraten. Und auch die anderen Kleinstadtbewohner halten nichts von Jimi, wegen seiner Hautfarbe. Die Mutter will ihre Tochter mit Spritzen ruhigstellen, aber sie reißt mit Jimi aus. Das Pärchen will nach Amerika, doch die Verfolger sind trickreich.
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| FILMKRITIK
Oskar Roehler macht sich über die 50er Jahre lustig in „Lulu & Jimi“. Die Geschichte über die Liebe einer deutschen Fabrikantentochter zu einem mittellosen Schwarzen beginnt noch ziemlich harmlos als Rock’n’Roll-Abenteuer in der Provinz. Lulus Mutter aber ist eine grell geschminkte Karikatur der gelangweilten Intrigantin und ihr rosafarbener Pudel verstärkt erste Zweifel am Realitätsanspruch des Films. Schritt für Schritt greift sich Roehlers Karikaturenzirkus immer neue Themen, vor allem der Film noir hat es ihm angetan. Das fragwürdigste Stilmittel in „Lulu & Jimi“ ist, wie die Dummerchen in diesem Monstrositätenkabinett vorgeführt werden.
Die Geschichte von Lulu und Jimi spielt in einer deutschen Kleinstadt des Jahres 1959. Die 19-jährige Lulu und ihr Bruder leben in der Villa ihrer geldgierigen Mutter. Der Vater irrt im Schlafrock durch den Garten, der Chauffeur will mit der Mutter ins Bett. Lulu und der schwarze Kirmes-Arbeiter Jimi hören Rock’n’Roll im Cabrio und gehen tanzen. Aber die bessergestellte Jugend in dem Kaff ist nicht gewillt, Jimi in ihren Kreis aufzunehmen. Der junge Mann muss die Fäuste schwingen – und befördert Lulus Bruder in den Rollstuhl. Die Mutter lässt einen Psychiater kommen, der Lulu von ihrem Jimi kurieren soll, mit Spritzen und Hypnose.
Die Flucht des Liebespaars, ganz nett gespielt von der Französin Jennifer Decker und dem Briten Ray Fearon, verzögert sich, denn Oskar Roehler hat noch so viel zu erzählen. Als Vorlage dient ihm die Handlung aus David Lynchs „Wild at Heart“. Vor den Hauseingängen stehen ziemlich große Gartenzwerge, dann geht es zum Film noir in ein amerikanisch aussehendes, menschenleeres Gewerbegebiet. Harry Hass – gespielt von Ulrich Thomsen – stellt sämtliche abgewrackte Detektive des Genres in den Schatten, war außerdem in Stalingrad und es wird geschossen.
Katrin Sass als Lulus Mutter und Bastian Pastewka als Wunsch-Schwiegersohn spielen so, wie es von allen Darstellern verlangt wird: Sie irritieren. Das müssen selbst die in glänzende Stoffe gekleideten Lichtgestalten Lulu und Jimi: Den beiden fällt vor jeder Kulisse noch ein Liebesspruch ein, den sie über den Kopf des Partners hinweg deklamieren.
Optisch wird neben Neonschimmer mit einer Vorliebe für Pink auch ein rosa Kofferradio in Herzform geboten, Sitzbezüge für das Auto im Zebramuster, das Auto ist ein amerikanisches Straßenkreuzer-Cabrio und gefahren wird es durch die Kinonacht der 50er Jahre: bewegt wie auf einer Drehscheibe vor einem projizierten Hintergrund mit Sternenhimmel. Das hätte einen nostalgischen Reiz, aber Roehler liegt nicht an Gefühlen, sondern an der Dekonstruktion.
| FAZIT
Oskar Roehler karikiert die 50er Jahre als Fundgrube des schlechten Geschmacks.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung