Sonntag | 27. Mai 2012 | 16:23 Uhr
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  • FILM REVIEW | Alter und Schönheit
  • Alter und Schönheit

    Drama | Deutschland 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Manni ist todkrank, mit gerade mal 50 Jahren. Seine Freunde Justus, Harry und Bernhard versuchen ihm zu helfen: Manni will ein letztes Mal Rosie wiedersehen, die er zehn Jahre zuvor verlassen hat – und die, wie er jetzt am Ende seines Lebens feststellt, seine große Liebe war.
    Rosi zu finden ist nicht schwer; doch sie ist tief verletzt worden von Manni, und auch als sie ihn schließlich im Krankenhaus besucht, kann sie ihm nicht verzeihen. Mit Justus, Harry und Bernie, der alten Clique, verbringt sie eine wilde Nacht in Mannis Bungalow, die die alten Zeiten wiederaufleben lässt. Und die Blickwinkel auf das Leben und auf das Sein verändert.
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      • | FILMKRITIK

      • Das ist wohl eher ein Film für die ältere Generation: „Ich glaube, dass mein Publikum in der zweiten Lebenshälfte anzutreffen ist, und ich glaube, dass diese Zielgruppe immer relevanter wird, denn es gibt jetzt öfters Filme für sie. Diese Menschen haben eine dringende Neugier für Fragen, die mit ihrer aktuellen Lebenssituation zu tun haben. Altern, Sterben, Verlust von Schönheit, auch im weiteren Sinne, sind große Themen“, meint Regisseur Michael Klier. Als „30jähriger Jugendlicher“ (Presseheft) kann ich mich vielleicht nicht so einfühlen in die Lebenswelt der 50-, 60-jährigen, die im Wirtschaftswunder groß wurden und jetzt doch irgendwie das Gefühl haben, etwas verpasst zu haben im Leben; das was wirklich wichtig ist neben einem Statussymbol wie einem Ferrari. Und die schon das Alter, schon den nahenden Tod sehen können.

        Manni ist sterbenskrank, die Freunde Justus, Harry und Bernie sollen Rosi suchen, das ist sein letzter Wunsch. Rosi, die er so geliebt hat, Rosi, mit der er zusammen war bis vor zehn Jahren. Rosi, in die auch Bernie still und leise verliebt ist, mit der auch Harry vielleicht mal was hatte. Rosie, die dann gar nicht so mondän ist, gar nicht die Königin, als die sie beschrieben wurde, sondern die im Plattenbau wohnt und einen ausgefallenen Vorderzahn hat. Doch für Manni, der in seinem schnellen Leben so viel weggeschmissen hat, ist sie die Essenz, die übrigbleibt.

        Das ist alles Topos des Sterbensdramas, Freunde, die einen letzten Wunsch erfüllen sollen, die sich nun mit dem Tod auseinandersetzen und so auch ihr eigenes Leben neu verstehen lernen. Ein Drama, das Michael Klier ernsthaft, aber immer leicht erzählt; mit Humor und mit Raum für Stille. Und mit großen Schauspielern, Klaußner, Hübchen, Rohde, Lohmeyer: sie spielen alte Freunde, und als das erscheinen sie auch im Film, in Kleinigkeiten des Umgangs miteinander, in lockeren Dialogen, im gegenseitigen Foppen, das zeigt, dass sie sich lange schon kennen – dabei arbeiten die Schauspieler hier das erste Mal miteinander. Jede der Figuren hat einen eigenen Charakter, eine eigene Umgangsweise mit dem Leben; eine eigene Sicht, auf die anderen, auf sich selbst, auf Rosi. Auf das, was wichtig ist.

        Die Arbeit kann das sein, für Justus, den Fernsehregisseur; seine beiden Frauen für Harry, der sich nun dummerweise entscheiden muss zwischen Ehefrau und Geliebter. Für Manni war das Wichtigste ein Ferrari, das Letzte aller Dinge, weil danach nichts mehr kommen kann: Klier hat hier Ausschnitte aus seinem Kurzfilm „Ferrari“ aus den 60ern in den Film eingeschnitten, die Vorgeschichte von Manni sozusagen, dem es um schnelle Autos ging und um Mädchen, und wenn er mit etwas dann fertig war in seinem Leben, hat er’s im Garten vergraben, wie seinen Porsche. Oder verlassen, wie Rosi. Rosi, die schillernde Figur der Sehnsucht.

        Klier hätte hier nun die typische Handlung einer Suche aufbauen können, einer Suche nach einer unerreichbaren Rosi; doch sie ist leicht zu finden, ohne größere Hindernisse: ganz gegen die herkömmliche Filmdramaturgie. Um die geht es Klier nicht. Sondern darum, was mit Menschen passiert, die sich wiedersehen. Die die Vergangenheit wiederauferstehen lassen. Die sich mit ihren Geheimnissen einander annähern.

        Und dann kommt es zur bekifften Nacht, mit etwas Gras aus dem alten Hasch-Versteck in der Gartenmauer, mit einer Ballwurfmaschine und einem Swimmingpool im Garten, mit Jazz-Schallplatten und einem Affenkostüm. Und mit der Erkenntnis in der Ernüchterung des nächsten Tages, dass ein Neubeginn jederzeit möglich ist, auch im fortgeschrittenen Alter: weg von „Mein Haus, meine Frau, mein Auto“ hin zu: „Mein Leben“ und „mein Freund“.
      • | FAZIT

      • Ein stiller, leichter, humorvoller Film mit großartigen Schauspielern über das Sterben und das Weiterleben, das auf die im Wirtschaftswunderdeutschland aufgewachsene Generation 50+ zugeschnitten ist.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

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