Sonntag | 27. Mai 2012 | 16:35 Uhr
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  • FILM REVIEW | Die Perlmutterfarbe
  • Die Perlmutterfarbe

    Drama, Komödie, Jugendfilm | Deutschland 2009
  • | INHALTSANGABE

  • Eine bayerische Kleinstadt im Winter des Jahres 1931: Alexander geht in die siebte Klasse und träumt davon, den Malwettbewerb der Schule zu gewinnen. Er entreißt dem B-Karli aus der Parallelklasse ein wertvolles Buch, aus dem er einen Chinesen abzeichnen will. Außerdem findet Alexander in seiner Schultasche eine Flasche mit der Perlmutterfarbe, die sein Mitschüler Maulwurf erfunden hat. Zu Hause tropft die weiße Flüssigkeit versehentlich auf das Buch. Alexander wirft es in Panik in den Ofen.

    Gruber, ein neuer Schüler in Alexanders Klasse, kriegt mit, wer die Perlmutterfarbe hat. Er lenkt aber den Verdacht auf B-Karli, indem er ihm ein Papier mit einem Klecks der Farbe unterschiebt. Gleichzeitig hetzt Gruber gegen die B-Klasse und ernennt sich zum Anführer einer militanten Gruppe. Auch Alexander, der sich nicht traut, die Wahrheit zu sagen, wird Mitglied.
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      • | FILMKRITIK

      • In „Die Perlmutterfarbe“ von Regisseur Marcus H. Rosenmüller gibt es ein Wiedersehen mit Markus Krojer, dem Hauptdarsteller aus „Wer früher stirbt, ist länger tot“. Das junge schauspielerische Naturtalent stattet den bayerischen Buben Alexander mit dem gleichen gewitzten Charme aus, mit dem er schon in Rosenmüllers Erstlingsfilm für Aufsehen sorgte. Auch dieser Film des bayerischen Regisseurs spielt in seiner Heimat, das heißt, die Jungen sprechen fast alle Dialekt und nehmen dabei in landesüblicher Manier kein Blatt vor den Mund.

        Die nostalgisch angehauchte Lausbubengeschichte ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Anna Maria Jokl. Die jüdische Schriftstellerin schrieb ihn in den dreißiger Jahren in ihrem Prager Exil, wohin sie 1933 aus Berlin geflohen war. Sie kleidete in die Geschichte über die Rivalität zweier Schulklassen, über Verrat, Gruppenbildung und Mitläufertum ihre Erfahrungen mit dem aufkommenden Nationalsozialismus. Alexander kommt durch einen Windstoß, der einen Besenstiel umstößt, in den Besitz der Perlmutterfarbe seines Mitschülers. Dann läuft sie jedoch aus, und besudelt das wertvolle Buch „Wir sind alle Menschen“, das B-Karlis strengem Vater gehört. Alexander hatte das Buch ohne die Erlaubnis von B-Karli mitgenommen, um daraus einen Chinesen für den Malwettbewerb abzuzeichnen.

        Er versucht nach dem Malheur zwar angestrengt, B-Karli ein anderes Exemplar des Buchs zu besorgen. Doch obwohl er sieht, wie der Junge in falschen Verdacht gerät, sagt er nichts über die Perlmutterfarbe. Der aufkeimende Faschismus wird nicht im Bild gezeigt, sondern nur indirekt mit dieser Schulparabel thematisiert. Rosenmüller begibt sich hier erneut auf eine spannende Reise in die kindliche Erlebniswelt. Die Buben kloppen sich in kurzen Hosen im Schnee, machen in einem aufgelassenen Stahlwerk halsbrecherische Mutproben und plagen sich in den schönsten Mundartsprüchen mit der Frage herum, was Ehrensache im Einzelfall bedeutet.

        Alexander, der eines Tages von der Mutter erfährt, dass sein Vater gar nicht als Schiffskoch in China verschollen ist, hat wie der Junge in „Wer früher stirbt, ist länger tot“ viel Fantasie und steht wie von selbst immer mitten im Trubel. Sein Schwarm Lotte, gespielt von Zoe Mannhardt, ist ein aufgewecktes Mädchen mit eigener Meinung. Es gibt die dicken Zwillinge Hugo und Heini und den berechnenden Gruber. Die Art und Weise, wie Gruber seine schlagkräftige Gang organisiert, mit Drill, Uniform und einer Parole, erinnert an den Jugendfilm „Die Welle“. Newcomer Benedikt Hösl beeindruckt in dieser Rolle.

        Wieder reichert Rosenmüller seinen Film mit einigen skurrilen Gestalten an, wie einem Lehrer, der als Vampir durch einen Kindertraum geistert, oder der hexenhaften Buchhändlerin. Die stimmungsvoll erzählte Geschichte mit ihren pittoresken Bildern ist vielleicht eine Spur zu harmonisch. Markus Krojers Alexander bleibt stets der pure Sympathieträger. Und passt damit in den zwar leicht anarchischen, aber heilen ländlichen Kosmos nach Rosenmüller, wo der gesunde Menschenverstand die Dinge regelt.
      • | FAZIT

      • Eine weiterer gelungener Lausbubenfilm von Regisseur Marcus H. Rosenmüller vor dem ernsten Hintergrund des Jahres 1931 nach dem gleichnamigen Roman von Anna Maria Jokl.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

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