Sonntag | 27. Mai 2012 | 22:10 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Reviewübersicht > Reviewdetails
  • FILM REVIEW | Die Frau des Anarchisten
  • Die Frau des Anarchisten

    Drama, Historie | Deutschland / Frankreich / Spanien 2008
  • | INHALTSANGABE

  • 1936, Bürgerkrieg in Spanien. Justo Calderon, ehemals Anwalt, ist ein Held der Antifaschisten: die Stimme der Revolution im Radio und gefeierter Kämpfer an der Front. Zuhause, im belagerten Madrid, warten seine Frau Manuela und die Tochter Paloma sehnsüchtig auf die wenigen Tage, an denen Justo sie mal besuchen kann, bevor er weiterkämpfen muss.
    Eines Tages ist Justo vermisst, Franco hat gewonnen, und es beginnt eine harte Zeit für Manuela. Der neugeborene Sohn wird todkrank, ihr Bruder wird von den Faschisten ermordet, und ihr Haus verliert sie auch. Sie wird depressiv und krank, die ganzen Jahre des Zweiten Weltkrieges hindurch – Paloma schmeißt den Haushalt.
    Doch dann, 1945: Nachricht von Justo. Er lebt in Südfrankreich, hat Krieg und KZ überlebt. Manuela und Paloma reisen zu ihm – doch er ist verändert, und mit Freunden aus dem Untergrund plant er heimlich ein Attentat auf Franco…
    WERBUNG
      • | FILMKRITIK

      • Dies ist eine Geschichte aus dem Spanischen Bürgerkrieg der 30er Jahre, und aus der Zeit der Franco-Diktatur, eine Geschichte von Kampf und Widerstand, von Idealismus, Niederlage und Hoffnung. Und es ist eine wahre Geschichte, die Geschichte der Großeltern von Co-Regisseurin Marie Noëlle, einer Französin mit spanischen Wurzeln – und mit einem deutschen Ehemann, Peter Sehr, mit dem sie diese spanisch-französich-deutsche Koproduktion inszenierte. In einer solchen großeuropäischen Produktion ist diese Geschichte gut aufgehoben, behandelt sie doch das Gespenst des Faschismus, das in den 30er Jahren ff. in ganz Europa spukte; und den verzweifelten Kampf dagegen, für das Gute, für die Menschlichkeit.

        Vor allem diesem Kampf hat sich Justo verschrieben, 1936, im spanischen Bürgerkrieg, die Stimme der Antifaschisten im Radio, der zum Widerstand aufruft und zum Durchhalten, als Madrid eingekesselt ist von den Franco-Truppen. Der für den Kampf an der Front immer wieder seine Frau Manuela und Tochter Paloma verlässt. Der schließlich ganz wegbleibt: ein Vermisster des Krieges.

        Dabei bleibt der Film vor allem bei der Leidensgeschichte von Manuela, die ihren Justo liebt, weil er ein Held ist; und die verzweifelt, weil er als Held kämpfen muss und nicht einfach Ehemann, nicht einfach Vater sein kann. Das führt sie, als Justo vermisst ist, in Krankheit und Verfall, der gesamte Zweite Weltkrieg ist als Kammerspiel inszeniert um Manuela, um ihren Babysohn, der todkrank ist, um den Verlust ihres Bruders, der ohne Gerichtsverfahren von Francos Schergen erschossen wird. Um den opportunistischen, verräterischen, ehemaligen Angestellten von Justo, der ihr Haus enteignen lässt, um es dann billig zu verkaufen und von Manuela, der Anarchisten-Gattin, Wucherzinsen abzupressen – ein skrupelloser Kriegsgewinnler, nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Und um ihre Tochter, die – obwohl sie so jung ist – durchhält, ihre Mutter wieder aufbaut, die Familie durchbringt.

        Ein großes Melodram sollte das werden, über den Kampf in vielfältiger Form. Nicht nur im Krieg, nicht nur ums Überleben, auch um die Liebe, um Chancen, um ein Wiedersehen, um ein Zusammenbleiben. Allein, der Bogen von Spannung und Emotion, der all dies zusammenhalten soll, kann nie aufrechterhalten werden; ja: er bildet sich nie aus. Man sieht das Leiden, kann aber nicht mitleiden. Thematisch wirkt der Film uneinheitlich; denn der Film erzählt schlicht zuviel, ohne sich auf einzelne Aspekte konzentrieren zu können.

        Geht es zunächst um den Idealismus und den Kampf gegen den Faschismus und dessen ganz persönlichen Auswirkungen auf die Frau eines Helden, so wandelt sich die Stimmung nach der Familienzusammenführung in Frankreich – ein neues Fass wird aufgemacht. Justo ist jetzt ein innerlich gebrochener, verbohrter Kämpfer gegen Franco, dessen lebensbejahender Idealismus der Lebensverzweiflung gewichen ist; zudem kommt noch eine von Paloma vermutete Affäre Justos mit einer deutschstämmigen Mitstreiterin (Nina Hoss) – als wäre es nicht schon genug, das Sichwiederannähern eines einst sich liebenden Ehepaares zu zeigen…

        Dazu kommt, dass der Film nie eine Perspektive durchhält, hin- und herschwankt zwischen Justo und Manuela und Paloma. Deren Sicht wird immer wieder übernommen, weil sie diejenige ist, die die Familiengeschichte als Mutter von Marie Noëlle weiterführen wird – aber eben nicht konsequent genug, um daraus wirklich ein Leitmotiv des Films, eine Leitperspektive zu entwickeln. Vielleicht ging die Handlung der Regisseurin persönlich zu nahe, um den Abstand wahren zu können, den ein Geschichtenerzähler braucht. Weil es ja nicht nur um die Beschreibung, um die (Familie)Geschichtsschreibung geht, sondern auch um das Spiel mit den Emotionen, um die Dynamik der Gefühle.
      • | FAZIT

      • Ein großes Familien-Kriegs-Melodram nach Tatsachen, das den notwendigen emotionalen Bogen allerdings nie ausbilden kann – zuviel wollen die Regisseure erzählen.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 0.0/10 (0 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN