Maik Tremper ist kein Papparazzo, darauf besteht er: er ist Knipser. Und jetzt hat er einen ganz heißen Tipp: Angelina und Brad mit ihren vielen adoptierten Kindern werden nach Berlin ziehen. Und Maik weiß auch wohin. Und wie er das fotografieren kann, ganz exklusiv: von der Wohnung eines Promizahnarztes aus, der im Indischen Ozean urlaubt. Den Schlüssel hat Maik bestechenderweis bekommen und wartet jetzt auf dem Balkon, mit gezücktem Fotoapparat – da kommt Momme Ulmer über die Dächer geklettert, heißer Angelinafan, der über Umwege ebenfalls von der Berliner Promisensation erfahren hat. Und nun für seine Fanwebsite auch knipsen will…
Aus der Konkurrenz zwischen Maik und Momme, dem Profiknipser und dem Hobbyfan, entwickelt sich so was wie Freundschaft; vor allem, weil sie die Damenwelt abwehren müssen, die sich in der Wohnung breit macht: eine der Geliebten des Wohnungsinhabers ebenso wie die GEZ-Eintreiberin und die Mutter tauchen auf; dazu noch die Schöne, die die Blumen gießen soll, und die zufällig die Schwester von Maiks Ex ist…
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| FILMKRITIK
Sommer 2007, da wollten Brad und Angelina mal nach Berlin ziehen. Erinnert ihr euch? Naja, inzwischen ist ja viel passiert… ging damals durch alle Klatschspalten, bevor’s dann durch irgendwas anderes ersetzt wurde, Britney oder McCartney oder Cruise oder so.
Damals jedenfalls fanden sich zwei, der Maik und der Mumme, auf einer Dachterrasse in Berlin Mitte, direkt gegenüber dem künftigen Liebesnest von Brangelina. Maik, der aus Ostberlin stammt und jetzt als Paparazzo, nein, falsch: als Knipser den Promis durchs Jet Set nachrennt. Und Maik aus Pellworm, Nordfriesland, frisch von der Freundin verlassen und großer Fan von Angelina. Beide wollen das erste Foto des Promipaars, der eine beruflich, der andere privat – sie sind Konkurrenten, zusammengeworfen in einer fremden Wohnung mit bestem Blick aufs Geschehen. Wenn mal was geschehen würde.
Doch sie warten, wie andere auf Godot warten. Und an ihnen defiliert ein Damen-Sextett vorbei, die Wohnung, die sie okkupiert haben, gehört einem Promizahnarzt, jetzt auf Reise im Indischen Ozean; und seine Geliebte, seine Mutter, eine GEZ-Fahnderin, eine Pizzabotin, eine, die die Blumen gießen soll, und deren Schwester, die die Ex von Maik ist, schneien herein. Die Wohnung, die als versteckter Beobachtungsposten gedacht war, ist irgendwie ziemlich öffentlich…
Als die Presseberichte über die angeblichen Berliner Wohnungspläne von Brad und Angelina überhand nahmen, beschloss Hans-Christoph Blumenberg (dessen skurril-trashige Science-Fiction-Satire „Planet der Kannibalen“ noch in bester Erinnerung ist) kurzerhand, darüber einen Film zu drehen: zwischen Idee und Ausführung standen gerade mal zwei Monate, gedreht wurde an 12 Tagen mit einem neunköpfigen Team – und mit einer Menge bekannter Namen im Cast, die alle den frechen Spaß mit offensichtlicher Freude mitmachten.
Den überhandnehmenden Celebrity-Kult nimmt der Film aufs Korn, in einer einfachen Geschichte mit den originellen Figurenauftritten von deutschen Filmpromis. Maiks rattert sein Namedropping von Arnie über Mike Tyson und Software-Bill bis zu Franz, Günter und Lothar in Kitzbühel („keine Namen“!) herunter, während sich Mumme vor Liebeskummer verzehrt: seiner Sinje hat er immer von Angelina vorgeschwärmt, wo die doch eher auf Brad steht – und jetzt hat sie einen Sparkassen-Kundenberater geangelt, der wie Henri Thierry aussieht…
Maik und Mumme raufen sich zusammen, blocken, soweit es geht, die eindringenden Frauen ab – und werden dabei eindringlich beeindruckt von dem wahren Leben, das dabei in die leere Wohnung schwappt; jenseits allen Promiglamours. Speziell von Julia, dem Gieß-Mädchen, und von Karo, Maiks Ex, die ihn gleich und bestimmt in den Whirlpool schleppt zur resoluten Verführung.
Am Ende, so gehört es sich für Komödien, sind alle Extravaganzen abgeschliffen, und jeder hat ein bisschen mehr seinen Platz in der Welt gefunden, der etwas weniger abgehoben ist als ein Traum von Promis; das Bodenständige gewinnt. Und das muss nicht mal eine konservative Moral sein à la „Bleib bei deinen Leisten“, „Jeder Topf findet einen Deckel“ oder so. Sonden es geht einfach darum, die Klatschspalte auch mal Klatschspalte sein zu lassen. Auch wenn die Überschriften mit ihrer Verführung in eine Traumwelt noch so reißerisch sind.
| FAZIT
Höchst sympathische, angenehm klein gehaltene satirische Komödie über den abgehobenen Promiwahn und die kleinen, wahren Freuden des Lebens.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung