Sonntag | 27. Mai 2012 | 22:22 Uhr
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  • FILM REVIEW | Die Frau des Anarchisten
  • Die Frau des Anarchisten

    Drama, Historie | Deutschland / Frankreich / Spanien 2008
  • | INHALTSANGABE

  • 1937 in Madrid: Der Rechtsanwalt Justo Alvarez Calderón kämpft im spanischen Bürgerkrieg gegen Franco und spricht im Radio als die „Stimme der Revolution“. Seine junge Frau Manuela und die kleine Tochter Paloma hängen sehr an Justo, der monatelang weg von zu Hause ist. Die ein luxuriöses Leben gewöhnte Manuela muss viele Einschränkungen hinnehmen und ihr geliebter Justo kommt nur noch einmal kurz zurück, bevor er vor Francos Truppen nach Frankreich flieht.

    Nach Francos Sieg wird Manuela bald enteignet, der Sekretär aus Justos Kanzlei schikaniert sie, verlangt Miete und sie muss in einer Textilfabrik arbeiten. Ihr Bruder Luis wird zu Tode gefoltert. Justo wird in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Dann verliert Manuela auch noch ihren kleinen Sohn Rafael und in Folge beinahe auch den Kontakt zur Wirklichkeit. Paloma kümmert sich um ihre Mutter.

    Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs will Manuela ihren Justo in Frankreich suchen. Doch niemand weiß, ob und wo er lebt. Eines Tages glaubt sie, ihn auf einem Zeitungsfoto zu erkennen, das befreite Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen zeigt. Sie erfährt von einem Widerstandskämpfer, dass Justo in Frankreich auf sie wartet. Manuela und Paloma fahren hin und beginnen ein neues Leben, doch für die Tochter ist der Vater ein Fremder geworden. Weil Franco immer noch in Spanien regiert, können sie nicht in die Heimat zurück.
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      • | FILMKRITIK

      • Die Geschichte, die das Filmemacher-Paar Marie Noëlle und Peter Sehr inszeniert hat, wurde inspiriert vom Schicksal der Großeltern von Marie Noëlle. Die Mutter Marie Noëlles wuchs in Madrid ohne Vater auf und traf ihn erst mit 16 Jahren in Frankreich. Was die Mutter ihr nicht erzählen wollte, las Marie Noëlle über die Geschichte Spaniens. „Die Frau des Anarchisten“ spiegelt das jahrzehntelange Leid, mit dem der Bürgerkrieg und die Diktatur Francos das Land überzogen und die Gesellschaft bis in einzelne Familien hinein spalteten.

        Die deutsch-französisch-spanische Koproduktion dreht sich um ein sehr ungleiches junges Paar: Die verwöhnte, lebenslustige Manuela und der politische Kämpfer Justo sind hoffnungslos ineinander verliebt. Ihr unschuldiges Glück aber wird vom Bürgerkrieg eingeholt und die Eheleute erleben die schlimmsten Jahre voneinander getrennt. Justo, gespielt von Juan Diego Botto, verschwindet 1939 und die Familie wird erst zehn Jahre später von seinem Los erfahren: bittere Not im französischen Auffanglager – 500.000 Spanier flohen vor Franco über die Grenze – , Kampf in der Résistance, Haft im Konzentrationslager Mauthausen, Untergrundkampf nach dem Krieg gegen das Franco-Regime.

        Die verwöhnte Manuela lebt für die Liebe zu ihrem Mann. Wenn sie friert, wirft sie seine juristischen Bücher einfach in den Ofen und der Luxus wird sie bis zum Schluss kleiden – in Form ihres Nerzmantels, der ihr auch als Bettdecke dienen muss. Maria Valverde steht als Manuela die mädchenhafte Unschuld ins hübsche Gesicht geschrieben und ihre femininen, eleganten Blusen und Kostüme kontrastieren rebellisch mit der Zerstörung und Armut rundum. Eingepfercht in ein Zimmer mit der Tochter und dem Baby, muss die junge Frau bald Miete zahlen und in der Fabrik Hemden nähen.

        Die dritte Hauptrolle fällt Tochter Paloma zu, die von vier verschiedenen Schauspielerinnen im Laufe der Jahre dargestellt wird. Als ihre Mutter nach dem Tod des kleinen Rafael in ihrem Kummer versinkt, übernimmt Paloma die meisten Aufgaben. In Frankreich jedoch lehnt sich die von Ivana Baquero gespielte Jugendliche gegen den Vater auf, der ihr fremd geworden ist. Sie glaubt, dass er ein Verhältnis mit einer deutschen Kommunistin hat – die von Nina Hoss gewohnt patent und burschikos gespielt wird.

        Vorwiegend aus der Sicht Manuelas und ihrer Tochter erzählt, bekommt die lange Leidensgeschichte der spanischen Gesellschaft hier ein authentisch wirkendes, persönliches Gesicht. Es ist die relativ unpolitische Manuela, die es schafft, zum faschistischen Bruder Justos eine menschliche, verwandtschaftliche Beziehung aufrecht zu erhalten, obwohl er seine Frau, sie ihren Bruder an den politischen Gegner verlor. Ihren Idealismus aber behalten Manuela und Justo bis zum Schluss.
      • | FAZIT

      • Das fesselnde Drama einer jungen Familie schildert das Wüten von Bürgerkrieg und Diktatur in Spanien.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

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