Ayşe wurde in Kopenhagen geboren, doch ihr Elternhaus ist türkisch und dadurch unterscheidet sich ihr Leben von dem ihrer Mitschülerinnen. Während die sich auf Parties reichlich betrinken und am liebsten über Sex reden, weiß Ayşe, dass ein Freund für sie Tabu ist. Ihre Zukunft ist vom Vater ohnehin längst vorbestimmt. Ayşe soll wie ihr großer Bruder Ali Medizin studieren und in eine gute türkische Familie einheiraten.
Das Problem dabei ist nur, dass Ayşe nicht die geringste Lust darauf hat, zu studieren. In der Schule ist sie nicht besonders gut und ihre allergrößte Leidenschaft gilt dem Kung Fu. Seit drei Jahren trainiert sie in einer Mädchenmannschaft und sie weiß, dass sie richtig gut sein könnte, wenn sie nur die Zeit hätte, anständig zu trainieren. Diese Chance bietet sich ihr, als ihre Lehrerin sie für eine professionelle Kung Fu-Schule empfiehlt. Dort trainieren Männer und Frauen allerdings gemeinsam. Ayşe weiß, dass ihr Vater ihr niemals erlauben würde, gegen Männer zu kämpfen, also schleicht sie sich während der Schulzeiten heimlich ins Trainingszentrum.
Dort trifft sie auf Emil, der ihr als Trainer zugeteilt wird, um sie auf die Prüfung zum schwarzen Gürtel vorzubereiten. Ayşes Lage wird kompliziert, als Emil sich in sie verliebt. Denn käme es heraus, dass sie mit ihm trainiert, wäre die Ehre der Familie beschmutzt und die gerade geschlossene Verlobung ihres großen Bruders Ali könnte platzen. Aber es kommt, wie es kommen muss. Ein Bekannter von Alis Verlobter sieht Ayşe im Trainingszentrum und stellt sie zur Rede. Und Ayşe muss sich entscheiden, was ihr wichtiger ist: Der Kung Fu oder ihre Familie.
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| FILMKRITIK
Hinter dem etwas missglückten Titel "Fightgirl Ayşe" verbirgt sich ein überraschend gut erzählter Coming of Age-Film. Behandelt wird die persönliche Geschichte eines muslimischen Mädchens, das sich gegen den Konflikt zwischen zwei unterschiedlichen Kulturen behaupten muss, deren Werte und Regeln nicht immer vereinbar erscheinen. Doch es würde zu kurz greifen, den Film auf diesen einfachen Handlungsstrang herunterzubrechen. Vielmehr geht es in "Fightgirl Ayşe" ganz allgemein um den schwierigen Weg hin zur eigenen Identitätsfindung, also um eine ganz universelle Geschichte, die ganz unabhängig von Religion oder Kultur funktioniert.
Und so sperren sich sowohl Ayşe als auch der Film selbst gegen gängige Vorurteile, wie das Leben einer muslimischen Jugendlichen auszusehen hat. Ihre Lebenswelt lässt sich nicht einteilen in schwarz und weiß, in Unterdrücker und Unterdrückte. Es ist ganz offensichtlich, dass Ayşe in einer sehr liebevollen und wohlwollenden Familie aufwächst. Wenn sich ihr Vater fast schon verzweifelt an sein traditionelles Regelwerk festklammert, dann vor allem deshalb, weil er fest davon überzeugt ist, das Beste für seine Tochter zu tun. Umso schwieriger wird die Situation daher für Ayşe. Ihre Aufgabe besteht nun darin, ihre Wünsche und Träume zu verwirklichen, ohne dabei die ihrer Familie zu zerstören.
Auch wenn er im Grunde genommen ein schwieriges Thema behandelt, besitzt der Film eine große Leichtigkeit. Dafür sorgen zum einen die energiegeladene und selbstbewusste Semra Turan, welche ganz offensichtlich eine Idealbesetzung für die Rolle der Ayşe ist, und zum anderen die zahlreichen, spektakulär gefilmten und choreographierten Kung Fu-Kämpfe, die dem Film zusätzliche Spannung verleihen. Nicht zuletzt durch den Kung Fu wird hier die alte Formel: "Glaube an dich selbst, dann kannst du alles schaffen." in erfrischender Weise wiederbelebt.
Am Ende ist es dann der gelungene Kompromiss zwischen den Kulturen und den Generationen, der Ayşe zu einer wahren Siegerin und zu einem Vorbild werden lässt. Und nicht zuletzt deshalb ist Regisseurin und Drehbuchautorin Natasha Arthy mit "Fightgirl Ayşe" ein wirklich sehenswerter Film
gelungen, der die richtige Balance findet zwischen kritischer Beobachtung und unterhaltsamer Spannung.
| FAZIT
Ein überraschend gut erzähltes Jugenddrama, das neben spektakulären Kung Fu-Choreographien auch mit einer sehr guten Nachwuchsdarstellerin aufwartet.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung