Abenteuer,
Familie,
Fantasy
| Deutschland / Großbritannien / USA 2008
| INHALTSANGABE
Meggie (Eliza Hope Bennett) hat einen ungewöhnlichen Vater: Papa Mortimer „Mo“ Folchart (Brendan Fraser) ist Buchdoktor, auf der Suche nach einem besonderen Wälzer namens „Titenherz“ – und vor allem eine so genannte „Silberzunge“. Durch das schiere Vorlesen kann er Romanfiguren aus Büchern in die Wirklichkeit holen. Auf diesem Weg ist vor Jahren der Schurke Capricorn (Andy Serkis) in die Welt gekommen und Meggies Mutter (Sienna Guillory) ins Reich der Fiktionen verbannt worden. Endlich findet „Mo“ eine seltene Ausgabe des „Tintenherzes“ – und hat prompt den Feuerspucker Staubfinger (Paul Bettany) am Hals, der zurück in seine Buchheimat will, derweil Capricorn samt seiner Bande mit „Mo“ und dem Schmöker Übles plant. Gemeinsam mit der bibliophilen Elinor Loredan (Helen Mirren), dem „Tintenherz“-Autoren Fenoglio (Jim Broadbent) und dem Jungen aus Tausend und einer Nacht Farid (Rafi Gavron) treten Meggie und „Mo“ gegen die Schufte an.
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| FILMKRITIK
Cornelia Funke, die „deutsche J.K. Rowling“, hat mit „Tintenherz“ einen Welterfolg hingelegt, der nicht nur in den USA als Buch ankam, sondern als Verfilmung von dort wieder zurück nach Deutschland gekommen ist. Ob man den ersten Band oder die Trilogie kennt und entsprechend einschätzen will, wie „gelungen“ die Adaption sein mag, ist dabei weniger die Frage. Denn hier mehr als bei „Harry Potter“ und Co. ergibt sich ein Problem medialer Art: Das selbstreflexive Spiel um die Literatur, ihre magische Welt und Figuren, die durch Schreiben und vor allem Lesen zum – buchstäblichen – Leben erweckt werden, ist pfiffig. Sie funktioniert leider im Film mit seiner konkreten Bilderwelt nicht so recht.
Wie die Bücherliebe von Meggies Großtante Eleonor bleibt das wenig „illustrierte“ Fanatsy-Reich des „Tintenherz“-Romans (also des Buchs im Film) wenig mehr als eine Behauptung, fast schon blass. Auch von dem Zauber, durchs Vorlesen Sachen und Lebewesen in die Wirklichkeit plumpsen zu lassen, greift allzu wenig über.
Dem Regisseur Ian Softley („Der verbotene Schlüssel“) ist kaum ein Vorwurf zu machen: Er inszeniert flott und setzt die (vor allem Computer-)Effekte so dezent wir wirkungsvoll ein. Allein, es ist das ganz andere, konkrete Buch, das die Fiktion herbeiholt, nämlich das Drehskript, das holpert und aus dem nichts so wirklich echt werden will.
Dabei muss man den Machern von „Tintenherz“ zugestehen, dass sie es sich zumindest am Anfang nicht einfach gemacht haben. Anders als beim Schnell-Schnell-Erklären des „Goldenen Kompass“ rätselt man (wiederum: wenn man die Romanvorlage nicht kennt) mit Meggie mit, was es mit Staubfinger, ihrem Vater und „Tintenherz“ auf sich hat, was aus ihrer Mutter geworden ist usw. Doch sobald das erstmal geklärt ist, erzählt der Film wenig mehr als eine bisweilen konfuse Hatz, die sich zwar um eine Menge Figuren, jedoch um wenig Handlung dreht.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Film – im Mittelteil und im dritten Akt – ausschließlich in Capricorns italienischem Burgbergdorf spielt. Eine durchaus charmante grau-verfallene Kulisse, an der man sich aber irgendwann satt gesehen hat. Sie erinnert an das Gondor des dritten Teils von „Herr der Ringe“, ebenso wie vieles andere in „Tintenherz“: Der „Schatten“, den Capricorn (gespielt vom großartigen „Gollum“ Andy Serkis) heraufbeschwört, wirkt wie ein „Balrog“, und Helen Mirren darf als weißer weiblicher Gandalf hoch zu Ross zur Hilfe reiten. So gesehen steuert der Film als Film auch etwas Eigenes zur Beschwörung der Fantasy-Fiktion bei. Ein anderer „Verweis“ ist dagegen leicht unangenehm: Capricorns Schergen mit ihren schwarzen Lederjacken und den Maschinenpistolen erinnern an Faschisten – besonders wenn zuletzt die Banner herabgelassen werden und der Buchständer zur finalen Zeremonie einen goldenen Raubvogel darstellt. Auch Andy Serkis mit seiner Glatze gibt eine wilde Mischung aus Mussolini und gelackt-verschlagenem James-Bond-Schurken, was alles gar nicht in den harmlosen Märchenkosmos passen will.
Doch neben Serkis Schauspieltalent und vor allem -freude sind es die Darsteller, wegen denen der Film einfach Spaß macht und einiges an Charaktertiefe und Augenzwinkern erhält. Brendan Fraser überzeugt rundum, als Vater und Strohwitwer aus eigenem, ungewollten Verschulden, als „Silberzunge“ und Jäger des verlorenen Buches. Auch Eliza Hope Bennett macht eine gute Figur. Ganz groß als zickige Tante Eleonor ist die „Queen“ Hellen Mirren und als Staubfinger Paul Bettany („Wimbeldon“, „The Da Vinici Code“), der glaubhaft zwischen Heldentum und verschlagenem Eigennutz pendelt. Dessen angeklebtes Happy End verzeiht man darüber dem Film gern.
Ob sich daraus aber die zwei weiteren Teile der Buch-Trilogie, „Tintenblut“ und „Tintentod“ lesen lassen, wird sich zeigen.
| FAZIT
Holprige, aber dank Darstellern und ihren Figuren vergnügliche Verfilmung des freilich unfilmischen Fantasy-Jugendromans von Cornelia Funke.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung