Lady Sarah Ashley führt ein wohlgeordnetes und elegantes Leben auf ihrem britischen Landsitz und wartet vergeblich auf ihren Ehemann. Der befindet sich auf Geschäftsreise in Australien, wo er sich um die Rinderfarm Faraway Downs kümmert, oder – nach Ansicht Lady Ashleys – zu kümmern vorgibt. Denn die eigensinnige Sarah ist fest davon überzeugt, ihr Mann gebe sich in Übersee einer Affäre hin, während die Rinderfarm kaum noch Profit abzuwerfen scheint. Also begibt sie sich kurzerhand auf die Reise nach Darwin in Australien, um eigenhändig nach dem Rechten zu sehen.
In der kleinen Hafenstadt angekommen, wartet der raubeinige Viehtreiber Drover auf sie, um sie zur Farm zu bringen. Und dort ist die Lage weit schlimmer, als Sarah bislang vermutet hat. Ihr Mann wurde ermordet und die Farm steht kurz vor dem Bankrott. Die Lage verschärft sich noch als Sarah dem Vorarbeiter Neil Fletcher kündigt, nachdem sie herausgefunden hat, dass er hinter ihrem Rücken mit dem Viehbaron King Carney Geschäfte macht.
Nun bleiben Sarah genau zwei Möglichkeiten. Entweder aufgeben, und King Carney für einen lächerlich niedrigen Preis Faraway Downs überlassen oder versuchen, die 1500 Rinder der Farm rechtzeitig nach Darwin zu bringen, um sie dort zu verkaufen. Helfen soll ihr dabei Drover, der Sarah zwar für ebenso arrogant wie verrückt hält, aber durchaus beeindruckt ist von ihrer Zähigkeit. Mit von der Partie sind auch der alkoholkranke Buchhalter Kipling Flynn und der kleine Aborigine-Mischling Nullah, den Sarah schnell ins Herz schließt.
Und so macht sich die bunt zusammengewürfelte Truppe auf den gefahrvollen und beschwerlichen Weg quer durch den unwegsamen Outback. Dabei ist es nicht nur die Trockenheit des Landes, die für sie lebensbedrohlich wird. Denn King Carney setzt alles daran, Lady Ashley aufzuhalten, um ihre Farm doch noch zu bekommen. Dafür schreckt er auch vor brutalsten Mitteln nicht zurück. Richtig wütend wird er allerdings erst, als es Sarah und Drover am Ende tatsächlich gelingt, den Treck bis nach Darwin durchzubringen.
Nun stehen alle Zeichen auf Krieg. Und der droht nicht nur durch King Carney und dessen Gefolgsmann Neil Fletcher, auch der Zweite Weltkrieg wirft erste Schatten über Australien. Und Sarah, die mittlerweile den streitsüchtigen Drover ebenso lieben gelernt hat wie Nullah und ihre Farm Faraway Downs macht zum ersten Mal in ihrem Leben die Erfahrung, dass sie etwas besitzt, um das es sich zu kämpfen lohnt.
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| FILMKRITIK
Wenn ein Regisseur wie Baz Luhrmann eine Vision hat, dann hindert ihn nichts daran, diese Vision eines Tages Wirklichkeit werden zu lassen. Auch wenn es – wie im Falle von "Australia" – ganze sieben Jahre Zeit in Anspruch nimmt. Bereits "Alexander" hatte ein Epos werden sollen. Als dieses Projekt Luhrmanns nach zwei Jahren intensiver Recherche wegen Oliver Stones themenänlichen Projekts zerstampft wurde, musste sich Luhrmann umorientieren. Einen neuen Stoff fand er letzten Endes in seiner Heimat: Australien.
Wie er schon in seinen vorhergehenden Filmen immer wieder bewies, begnügt sich Baz Luhrmann nicht mit halben Sachen. Er will die ganz großen Gefühle, also die ganz große Tragik und die ganz große Romantik. Was bei "Romeo und Julia" und "Moulin Rouge" in ebenso prächtigem wie herzzerreißend schönem Kitsch und atemberaubendem Rhythmus seinen Widerhall fand, findet sich bei "Australia" in der epischen Breite vor spektakulärem Hintergrund sowie in einer ausgedehnt erzählten Liebesgeschichte.
"Australia" ist wahrhaft monumentales Kino, das eine große Leinwand braucht, um wirklich gesehen zu werden. Wo sonst als im Kino ist es möglich, die Vibrationen einer wild gewordenen Rinderherde
– dank Dolby Surround – am eigenen Leib zu spüren, ohne gleich Gefahr zu laufen in einen spektakulären Abgrund getrieben oder zermalmt zu werden? Luhrmann nutzt die Größe der Leinwand, um den australischen Outback in seiner ganzen wüsten Schönheit einzufangen. Tatsächlich gehören die ausgedehnten Landschaftspanoramen zum Besten, das der Film zu bieten hat.
Denn trotz großer Regieerfahrung und großem Vorhaben, "Australia" ist wohl der bislang schwächste Film Baz Luhrmanns. Sein Traum, ein universell funktionierendes Epos zu schaffen, das ganz im Zeichen seiner großen Vorbilder des letzten Jahrhunderts steht, erfüllt sich nur teilweise. Episch sind in "Australia" vor allem die Zeitlupen. Gäbe es sie nicht, der Film wäre eine halbe Stunde kürzer. Und auch die Geschichte selbst gibt nicht so viel her, als dass die Länge des Films darin begründet wäre. Die interessante Nebenhandlung über die "Gestohlenen Generationen", also jenen Mischlings-Kindern, die ihren Familien weggenommen und in die Obhut von Weißen gegeben wurden, geht in den Tiefen der langatmig erzählten Romanze fast ganz verloren.
Auch die Charakterisierung der Figuren lässt einiges zu wünschen übrig. Die Handelnden werden von vorne herein als eindeutig gut oder eindeutig böse angelegt, wodurch sie ein wenig oberflächlich geraten sind. Auch was die Entwicklung der Figuren angeht, schwächelt der Film. Fast nervend sind die ständigen Anspielungen auf den "Zauberer von Oz". Er wird so oft zitiert, bis auch der letzte Zuschauer begriffen hat, welche Parallelen es zwischen Sarah und Dorothy geben soll. Gleichzeitig wird die Naturmystik der Aborigines in einen märchenhaften Budenzauber verwandelt, der wenig erklärt und viel behauptet.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Freunde schöner Landschaftsaufnahmen bei "Australia" voll auf ihre Kosten kommen werden, dass aber eingefleischte Luhrmann-Fans vom Endergebnis der langen Arbeitszeit ein wenig enttäuscht sein dürften. Dennoch verfügt "Australia" über genügend großartige Momente, um sehenswert zu sein. Zu guter Letzt ist der Film auch eine Hommage an die großen Epen des letzten Jahrhunderts. Und das hat auch seinen Wert.
| FAZIT
Eingefleischte Luhrmann-Fans dürften ein wenig enttäuscht sein, Liebhaber schöner Landschaftsaufnahmen jedoch voll auf ihre Kosten kommen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung