Sonntag | 27. Mai 2012 | 17:48 Uhr
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  • FILM REVIEW | Alles für meinen Vater
  • Alles für meinen Vater

    Drama | Deutschland / Israel 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Der junge Palästinenser Tarek fährt mit einer Weste voller Sprengstoff nach Tel Aviv, um sich und viele Israelis auf einem belebten Markt in die Luft zu sprengen. Doch der Schalter, den er drückt, ist kaputt. Tarek findet im anliegenden Stadtviertel einen Elektroladen, dessen alter Besitzer Katz einen neuen Schalter bestellt, ohne zu wissen, wofür. Weil am nächsten Tag, dem Sabbat, keine Ware geliefert wird, muss Tarek bis Sonntagmorgen warten. In der Zwischenzeit soll er ein Loch im Dach von Katz’ Laden reparieren und lernt den Alten und seine Frau als herzliche Gastgeber kennen.

    Tarek freundet sich auch mit der jungen Kioskbetreiberin Keren an, die über ihr Leben selbst bestimmen will und deshalb ins Visier junger orthodoxer Männer gerät. Sie wollen sie auf den Pfad der Tugend zurückzwingen, doch Tarek beschützt Keren. Auch sie weiß nichts über Tareks Pläne, der mit dem Anschlag die Ehre seines Vaters wiederherstellen will. Der Vater hatte sich nach Schließung der Grenze auf einen Deal mit den Israelis eingelassen, damit sein Sohn, ein talentierter Fußballer, weiterhin zum Training nach Nazareth fahren konnte.
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      • | FILMKRITIK

      • „Alles für meinen Vater“ ist eine deutsch-israelische Koproduktion, die den israelisch-palästinensischen Konflikt als individuelles, ergreifendes Drama erzählt. Obwohl er die todernste Thematik nicht verniedlicht, argumentiert der Film mit Witz und mit sicherer Milieuschilderung dafür, dass die Menschen zu beiden Seiten des politischen Grabens zur Versöhnung und zum guten Miteinander fähig wären.

        Der spannende Film über einen Selbstmordattentäter, der an seinen beiden letzten Lebenstagen in Tel Aviv jüdische Freunde findet, ist das Kino-Regiedebüt von Dror Zahavi, der in Deutschland bereits zahlreiche Fernsehfilme inszeniert hat. Im Zentrum der Geschichte steht eine tragische Figur. Der junge Palästinenser Tarek ist wie sein Vater ein Außenseiter in seiner Heimatgemeinde, und Tarek überwindet sich zu der Tat, um seiner Familie im Ort zu ultimativem Ruhm zu verhelfen.

        Schon am Anfang des Films wird Tareks Außenseiterstellung sichtbar, als er auf dem Rücksitz eines Autos Richtung Tel Aviv fährt. Seine beiden Begleiter reden über ein bevorstehendes Hochzeitsfest, während der Beifahrer die Sprengladung um Tareks Leib verkabelt. Tarek muss in den Minuten vor seinem geplanten Tod um eine Pinkelpause betteln und um Geld für seinen Vater.

        Dann folgt eine schockierende Szene, wie sie in Israel so ähnlich schon unzählige Male passiert ist: Tarek mischt sich auf dem Carmel Markt in Tel Aviv unter das Volk und drückt auf den Schalter unter seiner Jacke. Doch das Schicksal gewährt ihm noch einen Aufschub – der Schalter ist defekt. Tarek irrt durch das Stadtviertel und wird auf den Elektroladen von Katz aufmerksam. Man kommt ins Gespräch, und Tarek soll das Dach reparieren, bis in zwei Tagen der neue Schalter geliefert wird. Tarek verhindert den Selbstmord von Katz’ Ehefrau und hört die traurige Geschichte ihres Sohnes, der bei einer Armeeübung wegen einer grausamen Vorschrift starb.

        Das Drama bezieht viel von seinem Reiz aus der Kiezheimeligkeit des Tel Aviver Viertels, in dem Tarek seine jüdischen Bekanntschaften macht. Die Herzlichkeit und der Humor von Katz, seiner Frau und seinem Nachbarn stehen in hübschem Kontrast zur Strenge und Aufgeregtheit der jungen Männer. Besonders Shlomo Vishinski verleiht seiner gebrochenen Figur Katz und dem Film eine Menge Gelassenheit und durch Lebenserfahrung gewonnene Weitsicht.

        Katz und die junge Keren, die Tareks emotionalen Panzer durchbrechen, sind kritische Individuen, die sich gegen autoritäre Strukturen und Missstände in der israelischen Gesellschaft auflehnen. Tarek, gespielt von dem charismatischen Shredy Jabarin, entfremdet sich im Laufe der beiden Tage immer mehr von seinen Auftraggebern, und am Morgen der Entscheidung, als ihn ihr Anruf erreicht, weiß er im ersten Moment nicht mehr, worum es geht.
      • | FAZIT

      • Ergreifendes Drama um einen palästinensischen Selbstmordattentäter, der in zwei Tagen in Tel Aviv jüdische Freunde findet.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

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