Sonntag | 27. Mai 2012 | 17:49 Uhr
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  • FILM REVIEW | 96 Hours
  • 96 Hours

    Action | Frankreich / USA 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Bryan Mills ist geschieden, doch er hängt sehr an seiner Tochter Kim, die bei Mutter und Stiefvater lebt. Alles würde er für sie tun, und stets und ständig will er sie vor dem Bösen in der Welt schützen. 17 Jahre ist sie jetzt alt und will alleine, nur begleitet von einer Freundin, nach Paris! Da muss der Papa strenge Regeln aufstellen, Anrufe jeden Tag, immer soll sie mitteilen, wo sie grade ist – doch es hilft nichts. Gleich nach der Ankunft werden die beiden jungen Touristinnen schon entführt von bösen albanischen Mädchenhändlern, und Mills weiß: nach 96 Stunden wird jede Spur von seiner geliebten Tochter verloren sein. Er fährt nach Paris, hangelt sich von Hinweis zu Hinweis, von Bandenmitglied zu Bandenmitglied, bis er die Tochter gefunden hat. Zwischendurch schlägt er alle Bösewichter tot.
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      • | FILMKRITIK

      • Auch wenn der Originaltitel „Taken“ lautet, ist der deutsche englische Titel „96 Hours“ doch sehr deutlich und irgendwie passend: denn dies ist nicht „24“, nein, das ist das die vierfache Dosis, mindestens. Das Vierfache, was Brutalität angeht, Gewaltverherrlichung, Menschenverachtung, Ausländerfeindlichkeit, Selbstjustiz und die Rechtfertigung all dessen, was im Allgemeinen moralisch verwerflich genannt wird. Und diese Vierfach-Dosis kommt konzentriert daher, in - nein, nicht 96, sondern 93 Minuten.

        Nur die Charakterzeichnung, die Dramaturgie, die Dialoge und die Originalität sind heruntergeschraubt gegenüber dem „24“-Vorbild. Die Struktur ist simpel: Liam Neeson als Bryan Mills geht in ein Haus, schlägt alle tot (bevorzugt mit bloßen Händen), geht raus und ins nächste Haus, wo er auch alle totschlägt. Bevor dann im letzten Drittel tatsächlich die eine Brutal-Action der nächsten folgt, wird die Horrorshow zuvor immer wieder unterbrochen für simple, straighte, funktionale Dialoge, die alles erklären sollen und mit ihrer Nüchternheit auch nichts besser machen.

        Und die Seiten sind dabei klar verteilt: Neeson ist der Gute, alle anderen nicht. Und vor allem die Albaner sind böse, schlimmer noch als die Russen; gegen die muss hart vorgegangen werden: „Ihr kommt in unser Land, nehmt alle Vorteile, weil ihr glaubt, unsere Toleranz macht uns schwach. Aber das sind wir nicht“, wirft Mills den Bösewichtern mal vor, den Mädchenhändlern, Zuhältern, Drogendealern, und knallkrachpeng sind sie schon tot. Und recht so, sagt der Film; schließlich haben die alle ein Tattoo mit Mond und Stern auf dem Handgelenk, das sie noch dazu als Moslems ausweist.

        Nein, in Frage stellt der Film die Handlungen von Mills nie. Der kann in ein fremdes Land reingehen, schalten und walten, wie er will: er hat ja recht damit, weil er seine Tochter sucht. Ja: er hatte von Anfang an recht, in allem: in seiner Paranoia, dass der geliebten Tochter was zustoßen könnte. Im Zögern, das Genehmigungsformular zu unterschreiben, dass die Siebzehnjährige allein nach Paris darf. In seinem Wahn, alles für seine Tochter zu tun. Das alles findet der Film super, das Überprotektive, das unbedingte Sicherheitsbedürfnis um jeden Preis. Und völlig unironisch und ganz und gar nicht ambivalent zeichnet er in seiner Exposition das Bild eines Vaters, der nicht loslassen kann, der verkümmert ist in seiner Beziehung zu Tochter und Ex-Frau, der ganz in Erinnerung und Vergangenheit lebt, der den Status Quo, der einmal zwölf Jahre zuvor gesetzt wurde, als die kleine Fünfjährige zum ersten Mal Sängerin hat werden wollen, mit allen Mitteln aufrecht erhalten will. Mills ist der beschützende Patriarch, der jede Entwicklung aufhalten will, weil sie nur zum Schlechten führen wird.

        All das sind natürlich objektiv betrachtet negative Charaktereigenschaften, man muss ja die Kinder sich entfalten lassen und auch sich selbst mitentwickeln; die Ex-Frau wirft Mills das auch immer vor. Aber andererseits gibt der Fortgang der Filmhandlung Mills in allen Punkten recht. Was einmal war, soll immer sein. Man darf sich nicht mit Fremden einlassen. Der Papa wird’s schon richten. Bleibe im Lande und nähre dich redlich. Der Zweck heiligt die Mittel. Wo gehobelt wird, da fallen Späne.

        Derartige simple, reaktionäre Weisheiten verbreitet der Film, und er zeigt ausführlich, was passiert, wenn man sich nicht dran hält. Wer sich nicht an die Regeln von Papa hält, wird verschleppt, unter Drogen gesetzt und an perverse Ausländer versteigert. Und wer sich an Mills’ Tochter vergreift, ist tot.

        Dabei sind die Actionsequenzen wirkungsvoll inszeniert: Es tut dem Zuschauer wirklich weh, wenn Mills wieder mal zuschlägt, wenn er einen der Schurken Metallstäbe in die Oberschenkel rammt, um dort Strom anzuschließen für die Folter, wenn er die Knochen krachen lässt bis zum schmerzvollen Tod. Das will man gar nicht sehen; vor allem, weil es in einen Kontext eingebettet ist, der all dies gutheißt. Denn die ganze zornige Rache von Mills, daran lässt der Film nie einen Zweifel, ist gerechtfertigt, weil die da sterben werden keine Menschen sind, sondern die Räuber seiner Tochter.

        Dies ist ein grundübler Film: sowohl was die ultrareaktionäre Haltung betrifft als auch die ultrabrutale Umsetzung. Und es ist ein Skandal, dass die FSK diesem Hassfilm eine Freigabe ab 16 gewährt hat.
      • | FAZIT

      • Luc Besson (Drehbuch, Produktion) ist zum Hassprediger wider ostische, moslemische Ausländer geworden, und redet ultrabrutaler Rache und reaktionärem Gedankengut das Wort.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 7.5/10 (45 votes)

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              • 1 User hat den Film gesehen
              •   lorumpf