Los Angeles, 1928. Als die allein erziehende Mutter Christine Collins eines Tages zu spät von der Arbeit nach Hause kommt, ist ihr neunjähriger Sohn Walter verschwunden. Die Wochen vergehen ohne eine Spur von ihm bis fünf Monate später plötzlich die Polizei in Mrs. Collins Büro steht und ihr mitteilt, ihr Sohn sei wohlbehalten aufgegriffen worden. Doch als sie ihm am Bahnhof endlich wieder in ihre Arme schließen will, folgt der Schock. Der Junge, der vor ihr steht und behauptet Walter zu sein, ist nicht ihr Sohn.
Hauptmann J. J. Jones wehrt ihre Behauptung ab mit den Worten, die lange schwere Zeit, die ihr Sohn durchgemacht habe, habe ihn verändert, außerdem stehe sie unter Schock. Sie solle den Jungen probehalber mit nach Hause nehmen und werde sehen, dass kein Irrtum vorliege. Emotional aufgewühlt, willigt Mrs. Collins ein, das Kind mit zu sich nach Hause zu nehmen. Doch dort beweist sich ihr eindeutig, dass sie ein fremdes Kind vor sich hat.
Erneut versucht sie von Hauptmann Jones gehört zu werden, doch der weigert sich, ihr zuzuhören. Sie fordert, es solle weiter nach ihrem Sohn gefahndet werden und muss sich die grausame Anschuldigung anhören, sie wolle sich bloß ihren Mutterpflichten entziehen und daher ihr eigenes Kind verstoßen. Eine weitere Suche sei nicht notwendig, da man Walter schließlich gefunden habe. Ein Arzt versucht daraufhin sogar, ihr einzureden, ihr Kind sei aufgrund des Stresses geschrumpft, was seine plötzliche Größenveränderung erklären würde.
Doch Mrs. Collins gibt nicht auf, um die Suche nach ihrem Sohn zu kämpfen. Als sowohl Walters Zahnarzt als auch seine Lehrerin bestätigen, das aufgefundene Kind sei nicht Walter Collins und der Fall an die Presse gelangt, gerät Hauptmann Jones in Erklärungsnot. Kurzerhand lässt er Mrs. Collins in die Psychiatrie einweisen, wo alle Frauen landen, die der Polizei lästig werden. Mrs. Collins einzige Rettung ist nun Pastor Gustav Briegleb, der sich zum Lebensziel gesetzt hat, die korrupte Polizei in ihre Schranken zu weisen.
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| FILMKRITIK
Bereits vor zwölf Jahren erhielt Clint Eastwood eine erste Auszeichnung für sein Lebenswerk. Ebenso viele neue Filme hat er seitdem fertiggestellt. Alle preisgekrönt. Seinem neuesten Werk "The Exchange" wird es vermutlich nicht anders gehen. Die Oscars werden an diesem neuen Alterswerk des Multitalents Eastwood nicht spurlos vorrübergehen. Heiße Anwärterin dieses Jahr: Angelina Jolie.
Man kann sich bei ihrem Anblick nicht dem Eindruck entziehen, dass Louise Brooks – schönste Frau der Filmgeschichte – endlich eine würdige Nachfolgerin gefunden hat.
Jolie spielt die Hauptrolle in einem Film, dessen Geschichte so unglaublich ist, dass man die Einblendung "A true story" zunächst einmal hinterfragt. Doch wer unter dem Stichwort "Wineville Chicken Coop Murders " Nachforschungen betreibt kann sich jederzeit davon überzeugen, dass das Erzählte sich tatsächlich ereignet hat und nur geringfügige Fakten verändert wurden. Dabei fühlt sich Eastwood so akribisch in die Zeit ein, von der er erzählt, dass man annehmen kann, dass er dem wahren Geschehen relativ nahe kommt.
"The Exchange" (auch "Changeling", der Film wurde spontan von Eastwood umbenannt) lässt sich nicht einem eindeutigen Genre zuordnen. Der Film ist gleichzeitig Drama, Thriller und Gesellschaftsporträt und darüber hinaus großes Emotionskino. Für letzteres sorgen vor allem Angelina Jolies zahlreiche Tränenströme. Doch Jolies Rolle auf ihre dramatischen Zusammenbrüche zu reduzieren wäre unfair, denn in erster Linie verkörpert sie eine Frau, die nahezu im Alleingang gegen ein korruptes System kämpft und verzweifelt versucht, trotz einer Mauer aus Machtmissbrauch der Wahrheit einen Weg zu bahnen.
Der Film entwickelt sich ganz allmählich. Es vergeht viel Zeit, bis sich dem Zuschauer das schreckliche Schicksal des vermissten Jungen offenbart. Nach einer großartigen ersten halben Stunde schleichen sich einige Längen ein, der Aufbau zerfasert ein wenig. Schließlich verliert "The Exchange" einiges an Glaubwürdigkeit durch einen sichtlich überforderten Kinderdarsteller, dessen Auftritt den entscheidenden Wendepunkt des Films markiert.
Und dennoch spricht jede Faser dieses Films davon, dass sein Schöpfer sein Handwerk so gut versteht wie wenige andere. Jahrzehntelange Regieerfahrung hinterlassen auch bei einem Film mit gewissen Schwächen eindrucksvolle Spuren. Am Ende ist "The Exchange" solides Kino aus der Hand eines sehr guten Regisseurs. Es ist nicht sein bester Film, aber auch ganz sicher nicht sein letzter.
| FAZIT
"The Exchange" ist Justizdrama, Thriller und Gesellschaftsporträt in einem. Von Clint Eastwood sicher inszeniert und von Angelina Jolie mit einer oscarreifen Performance ausgestattet, rücken kleinere Schwächen fast in den Hintergrund.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung