Sonntag | 27. Mai 2012 | 20:07 Uhr
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  • FILM REVIEW | 1½ Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde
  • 1½ Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde

    Komödie | Deutschland 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Til Schweiger spielt Ritter Lanze, den Schwertkämpfer Nr. 1 im Königreich von König Gunter. Privat aber ist er schüchtern: wenn er seiner geliebten Prinzessin Herzelinde gegenübersteht, bringt er kein Wort heraus. Das rächt sich, denn der König gedenkt seine Tochter mit dem Grafen Luitpold Trumpf zu vermählen. Die Tochter freilich, die keine arrangierte Hochzeit, sondern eine wenn auch unstandesgemäße Liebeshochzeit mit Lanze wünscht, weigert sich. Dann aber wird sie offenbar vom Schwarzen Ritter entführt, und Lanze macht sich zusammen mit dem türkischen Kleinganoven Erdal auf, sie zu retten.
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      • | FILMKRITIK

      • Wer vor 15 Jahren Til Schweiger gut fand, der fand auch New Kids on the Block gut. Und weil Til Schweiger auch heute noch von Millionen gut gefunden wird, feiern die alten Blockkinder fröhliche Urständ in Schweigers Ritterkomödie. Was ausnehmend gut passt. Weil die Hauptstrategie von „1 ½ Ritter“ – ja, die einzige Strategie, um so was wie Unterhaltung zu erzeugen – darin besteht, den Anachronismus zu pflegen, also Heutiges in eine angeblich damalige Zeit zu versetzen oder die pseudomittelalterliche Welt deutlich als Spiegel unserer heutigen zu zeigen. So dass alle ein modernes Deutsch sprechen. Oder dass mal von einer künftigen Herrscherin geredet wird, die zufällig denselben Prinz Eisenherz-Topf-Haarschnitt hat wie Tils Ritter Lanze. Oder eben: Dass eine längst vergangene Boygroup wiederaufersteht in der Gegenwart, die sich als Mittelalter ausgibt.

        Überhaupt ist dies ein Film der Vergangenen, die nochmal auftreten dürfen: Didi „Kantaberkantaber“ Hallervorden etwa in einer kleinen Szene, Roberto Blanco, der nicht der Schwarze Ritter ist, oder Johannes Heesters, der ein paar Sätze sagen darf, knarz, knarz. Kann ein Film mit Thomas Gottschalk schlecht sein, der einen weichherzigen alleinerziehenden König spielt?

        Ja aber sicher doch. Der einzige Schauspieler, der wirklich reinpasst, ist Udo Kier als böser Graf, weil Kier eine bewusste B-Film-Aura mit sich trägt, während die anderen Filmschaffenden offensichtlich davon ausgehen, dass es sich bei diesem Film um ein Edelprodukt handele.

        Zwar gab es in diesem cameogesättigten Film immer wieder ein paar Lacher in Teilen des Publikums, die sich aber meist auf Insiderscherze beziehen, wenn wieder mal ein bekanntes Gesicht irgendwo auftaucht. Wirkliche gut getimte Gags – ja, überhaupt Gags im herkömmlichen Sinne als locker herbeigeführte Filmwitze – sucht man vergebens. Dass mal irgendwas ausgespielt würde, dass man sich mal Zeit ließe, etwas sich entwickeln zu lassen, dass überhaupt mal eine Idee weiterverfolgt würde als bis zur nächsten Szene: Fehlanzeige. Charakterentwicklung? Empathie? Naja: es sind halt die typischen Typen, die so grade mal als Faschingsmittelaltler durchgehen können und dabei eine Handlung vor sich hertreiben wie die F-Jugend den Ball auf dem Bolzplatz.

        Aber das macht ja alles nichts. Der Til hat ja all die „Keinohrhasen“-Fans, die den chauvinistischen Unterton in der Erfolgskomödie des Jahres nicht bemerkt haben; die werdens schon richten mit dem Erfolg der anderthalb Ritter, und ihnen dankt der Til auch dezidiert im Abspann.

        Man kann es ja positiv formulieren: wenn diese Komödie auch nicht lustig ist, so ist sie zumindest auch nicht ärgerlich (vor allem deshalb, weil man vorher nichts von ihr erwartet hat). Und wem das gänzlich gagfreie „(T)Raumschiff Surprise“ gefallen hat, wo der Till ja schon mal im Mittelalter herumgefuhrwerkelt hat, den werden auch diese Ritterspiele nicht enttäuschen.
      • | FAZIT

      • Der Til versucht sich wieder im Komödiengenre, doch mangels Gags ist daraus nicht mal eine Ritterklamotte geworden, sondern nur ein Nichts in verrosteter Rüstung.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 4.5/10 (4 votes)

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              •   juErik