Sonntag | 27. Mai 2012 | 20:08 Uhr
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  • FILM REVIEW | Zeiten des Aufruhrs
  • Zeiten des Aufruhrs

    Drama, Romanze | Großbritannien / USA 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Die Wheelers sind was Besonderes. Das ist nicht nur ihnen selbst klar, sondern auch allen anderen in ihrem Umfeld. Die Wheelers – das sind Frank und April – haben jung geheiratet, zwei Kinder bekommen und jetzt, nach ein paar Jahren Ehe fühlt sich das Leben auf einmal nicht mehr so besonders an. Frank arbeitet von früh bis spät in einem Job, den er nicht ausstehen kann, der aber gut bezahlt wird. Und April fristet ihr Dasein als Hausfrau und Mutter in dem kleinen Häuschen in einem beschaulichen Vorort, wo jeder jeden kennt und man so gut wie nichts verbergen kann…
    Auch Liebe und Leidenschaft bleiben im Alltag auf der Strecke. Obwohl es sich sehr liebt, steckt das junge Ehepaar in einer tiefen Krise – bis April auf die scheinbar rettende Lösung kommt.
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      • | FILMKRITIK

      • Zehn Jahre nachdem sich Rose von Jack im Eismeer losreißen musste, geschieht durch die Verfilmung des Yats-Klassikers „Zeiten des Aufruhrs“ das, was in James Camerons Geniestreich „Titanic“ nur ansatzweise im Jenseits möglich war: „Jack“ und „Rose“ sind verheiratet. Selbstverständlich ist es ein absoluter Genuss, Leonardo DiCaprio und Kate Winslet ein weiteres Mal als Liebespaar in einem Film vereint zu sehen. Allerdings war sich Regisseur Sam Mendes der Tatsache bewusst, dass der Zuschauer bei einer Wiedervereinigung der beiden Ausnahmetalente ganz bestimmte Szenen aus dem Oscar-Abräumer von 1998 im Hinterkopf haben würde. Deshalb setzte er hier und da eine kleine Hommage: Bereits zu Beginn des Films zeigt die Kamera in einer Detailaufnahme wie sich die Finger von DiCaprio und Winselt umspielen, während sie das erste Mal miteinander tanzen. Und wie ihrerzeit Rose DeWitt Bukater, hat auch April Wheeler mehrere Schlüsselmomente sitzend vor dem Spiegel.

        Im Lauf des Films allerdings wird der Zuschauer das tragische Traumpaar aus „Titanic“ vergessen und sich ganz und gar auf Frank und April Wheeler konzentrieren. Leonardo DiCaprio und Kate Winslet haben sich weiterentwickelt. DiCaprio, der durch Filme wie „Departed“, „Blood Diamond“ und gerade aktuell im Kino „Der Mann, der niemals lebte“ erfolgreich gezeigt hat, dass er seinem Teeny-Idol-Image entwachsen ist, sieht zwar glatt rasiert kaum merklich zehn Jahre älter aus, passt aber gerade deshalb perfekt in die Rolle des Frank Wheeler – ein junger Ehemann und Vater, der noch dabei ist, seinen Platz im Leben zu finden. Frank sieht sich ständig gezwungen, sich selbst, seiner Frau und seiner übrigen Umgebung zu beweisen, dass er ein „richtiger“ Mann ist. Immer wieder wird seine Männlichkeit thematisiert und im Streit wirft ihm April sogar vor, er sei ein kleiner Junge (kein absurder Vorwurf, da DiCaprio mit Hut unter den anderen Anzugträgern tatsächlich wie ein Zehnjähriger wirkt, der sich aus Vaters Schrank bedient hat). Allerdings lässt DiCaprio Franks jede noch so kleine Emotion im Gesicht und gesamten Habitus sichtbar werden. Und während viele Schauspieler beim Weinen lächerlich wirken, meistert er diese Herausforderung mit Bravour und verhilft dem Ehedrama so zu einem seiner ergreifendsten Momente.

        Kate Winslet ist eine absolut ebenbürtige Partnerin. Die Chemie zwischen den beiden stimmt, egal, ob sich das Ehepaar Wheeler streitet oder zärtlich zueinander ist. Aprils Lebenshunger und ihre Unzufriedenheit über die Rolle, in die sie als Ehefrau in den fünfziger Jahren gepresst wird, sind durch Winslets hervorragendes Spiel für den Zuschauer nahezu greifbar. Und die emotionale Kälte, die sie durch ihren versteinerten Gesichtsausdruck erzeugt, jagt einem gleichzeitig eine regelrechte Gänsehaut über den Rücken.

        Ohne Zweifel, Sam Mendes – übrigens mit Kate Winslet verheiratet – verlässt sich bei dieser Regiearbeit auf seine beiden Hauptdarsteller. Keine aufwendigen Kameramanöver lenken vom Schauspiel ab. Lediglich die Chronologie ist gebrochen. Erinnerungen von dem Beginn ihrer Liebe unterbrechen immer wieder das gegenwärtige Geschehen, um der ganzen Geschichte ein wenig mehr Spannung zu verleihen.

        „Zeiten des Aufruhrs“ ist mit Recht viermal für den Golden Globe nominiert und wird auch mit Sicherheit von der Academy nicht unbeachtet bleiben.
      • | FAZIT

      • Einem Ehepaar bei der Alltagsbewältigung zusehen – eigentlich belanglos, aber DiCaprio und Winslet machen es zu einem echten Ereignis, dass man auf keinen Fall verpassen will.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Sandra Blass

      • | Userwertung

      Wertung: 1.8/10 (4 votes)

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