Die Konfessionsschule St. Nicholas in der Bronx des Jahres 1964 wird von der Rektorin, Schwester Aloysius, mit harter Hand geleitet. Disziplin und Askese sind für sie wichtige Werte, und sie sorgt dafür, dass die Schüler Angst vor ihr haben. Der Priester der Gemeinde, Pater Flynn, repräsentiert eine neue Generation von Geistlichen, die den gesellschaftlichen Wandel auch in ihre Kirche hineinlassen. Pater Flynn ist Menschlichkeit wichtiger als Normentreue.
Der Priester, der auch unterrichtet, hat zu dem ersten schwarzen Schüler von St. Nicholas ein besonders inniges Verhältnis. Schwester Aloysius ist bereits argwöhnisch, als ihr die junge Schwester James erzählt, Pater Flynn habe den Jungen allein in seinem Büro empfangen. Die Rektorin glaubt, dass der Priester den Jungen sexuell missbraucht hat und fordert, dass der Geistliche seine Versetzung beantragt.
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| FILMKRITIK
Bereits der Titel des Dramas „Glaubensfrage“ weist auf die doppelten Bedeutungen hin, die die gesamte Geschichte durchziehen. Er ist einerseits eine Übersetzung des englischen Titels „Doubt“, also Zweifel, und andererseits ein Stichwort für den Wertewandel, der im Jahr 1964 auch diese Kirchengemeinde in der Bronx erreicht.
Hier gibt es noch Nonnen vom alten Schlag, asketisch, streng und, in Gestalt der Schulrektorin Schwester Aloysius, auch unbeirrbar. Und es gibt bereits die neuen Geister, die eine humanere Ära einläuten, wie den Pfarrer Flynn und die junge Lehrerin Schwester James. Vor dem Hintergrund dieses Wertewandels siedelt der Bühnen- und Drehbuchautor John Patrick Shanley sein Theaterstück an, das er hier auch selbst für das Kino adaptiert und inszeniert. Es geht um die Überzeugungen und den Wert des Zweifels, ohne den es wohl nie Veränderungen gäbe.
Schwester Aloysius attackiert Pater Flynn mit der vernichtenden Anklage, er habe einen Schüler sexuell missbraucht. Beweise gibt es nicht, und Pater Flynn wird die Vorwürfe auch bis zuletzt abstreiten. Und doch durchziehen Zweifel, vage Hinweise, Vermutungen, doppeldeutige Gesten den Konflikt, der die Schule erfasst. Fans von Meryl Streep, die Schwester Aloysius spielt, und von Philip Seymour Hoffman, der sich noch nie vor sperrigen Charakteren scheute, werden in diesem Duell auf ihre Kosten kommen. Hoffman stellt einen letztlich undurchschaubaren Menschen mit hohem Selbstbewusstsein und viel Hingabe an seine Aufgabe dar, der seine Gegnerin verbal scharf angeht – wenn auch nur zu seiner Verteidigung.
Streep hingegen sammelt im Laufe der Handlung Sympathien für ihre Schulrektorin, die gar nicht so eindimensional ist, wie sie anfangs erschien, und die nicht nur behauptet, sie habe das Wohl der Schüler im Auge, sondern der man das auch zunehmend glaubt. Und doch, sicher ist hier nichts, bis zum Schluss, und die hingebungsvolle, herzliche Schwester James, gespielt von Amy Adams, erleidet ein wahres Wechselbad der Gefühle, indem sie sowohl ihrer Vorgesetzten folgt, als auch hofft, dass Pater Flynn unschuldig ist.
Im Spätherbst in der Bronx findet die Kamera Metaphern für den Wandel und die Ungewissheit, etwa in Form von Blättern im Wind oder von kahlen Zweigen. Die Szenen in der Schule sind im Halbdunkel gehalten, in einer atmosphärisch dichten Mischung aus Angst, Bedrückung und Halt gebender Ordnung, die allerdings manchmal auch optisch in Schräglage gerät.
Den dramaturgischen Genuss der Geschichte erhöht eine zusätzliche Ebene, die den Konflikt von Schwester Aloysius und Pater Flynn durchzieht: Sie ist in der Kirchenhierarchie als Frau dem Priester untergeordnet, sie weiß, dass eine Beschwerde auf dem Dienstweg nichts bringt, weil ihr der Monsignore nicht glauben wird. Um so mehr muss es diese altgediente, im Verzicht geübte Schwester ärgern, wenn der Pater seine Fingernägel nicht kürzer schneidet, Zigaretten raucht, drei Löffel Zucker in seinen Tee gibt.
| FAZIT
Spannendes Psychodrama um Macht und Wertewandel an einer Konfessionsschule mit Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman und Amy Adams.
| BEWERTUNG
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