Sonntag | 27. Mai 2012 | 20:28 Uhr
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  • FILM REVIEW | Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat
  • Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat

    Thriller, Kriegsfilm, Historie | USA 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg hat als Offizier einen Eid auf den Führer persönlich geschworen, doch er ist überhaupt nicht Einverstanden mit dem verbrecherischen Regime. Nach einer schweren Verwundung, die ihn ein Auge, eine Hand und zwei Finger gekostet hat, wirbt ihn General Olbricht für eine Widerstandsgruppe an, die sich innerhalb der Führungsriege der Wehrmacht gebildet hat. Man will Hitler loswerden und eine neue Regierung bilden. Stauffenberg schlägt vor, für diesen Putsch Hitlers eigenen Notfallplan zu benutzen: „Operation Walküre“ regelt das Vorgehen, sollte Hitler bei einem Volksaufstand ausgeschaltet werden. Stauffenberg ändert den Plan leicht, luchst Hitler eine Unterschrift ab und hat so die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass ein Attentat auf Hitler der SS in die Schuhe geschoben werden und das Heer die Macht übernehmen kann. Im Juli 1944 bringt Stauffenberg die Aktentasche mit Sprengstoff in Hitlers Bunker auf der Wolfsschanze, beim zweiten Versuch explodiert die Bombe. Und in Berlin wird das Regierungsviertel von den Putschisten abgeriegelt. Nur: Hitler ist gar nicht tot…
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      • | FILMKRITIK

      • Was die historische Ebene angeht, ist dieser Film nicht für ein Publikum in Deutschland geschaffen. Denn alljährlich im Sommer werden auf diversen Gedenkveranstaltungen die Verschwörer des 20. Juli und im Zusammenhang damit der gesamte Widerstand gegen das Hitlerregime geehrt und in Erinnerung gerufen. Was also die Fakten zum Hitlerattentat vom 20. Juli 1944, die Vorgänge, die handelnden Personen, die verschwörerischen Pläne angeht, kann der Film dem allgemeinen Wissen von Otto Normalschulbesucher nichts hinzufügen

        Doch darauf kommt es in diesem Film nur bedingt an. Und das unterscheidet ihn auch von vergleichbaren deutschen Großproduktionen über Sophie Scholl, den Untergang oder die RAF. Die eben allesamt nicht nur als Film funktionieren wollen, sondern als Dokument, nicht nur als präzise Wiedergabe früherer Ereignisse, sondern als pädagogische Schulung des Publikums, das unbedingt aufgeklärt werden soll über die jüngste Vergangenheit.

        Bryan Singer aber ist vor allem ein Actionregisseur, kein Volkshochschullehrer. So wendet er die filmischen Mittel moderner Actionfilme an, um seine Geschichte über die Geschichte zu erzählen. Diese eher unverkrampfte Herangehensweise an ein Thema, das in Deutschland stets sehr ernst und mit pathetischer Würde diskutiert wird, tut dem Film gut. Weil sie zwar keinesfalls die Historie zum bloßen Stoff einer Kolportageaction degradiert, aber andererseits auch nicht in den Vordergrund didaktischer Erbaulichkeit drängt.

        So wird allein durch das visuelle Leitmotiv blutroter Hakenkreuzfahnen die vollkommene Durchdringung Deutschlands durch die nationalsozialistische Politik und den hitlerischen Willen zur Macht dargestellt – buchstäblich von Anfang, vom ersten Filmbild an, und kulminierend in einem riesigen Mosaik auf dem Boden eines Schwimmbades. Ein Tagebucheintag fasst kurz und bündig Stauffenbergs Gesinnung zusammen, dass Hitler als Feind Deutschlands zu sehen sei; was kurz darauf noch einmal zusammengefasst wird in einem prägnanten Satz: „Wir können Deutschland dienen oder dem Führer“. Überhaupt sind es statt weitschweifender Darlegungen einfache, klare Sätze, die die verschiedenen Auffassungen zum Ausdruck bringen; viele davon werden schon im Filmtrailer zitiert.

        Diese effektive Ökonomie des Erzählens setzt sich fort in der dramaturgischen Gestaltung des Films, der viele der kleinen Schritte beschreibt, die zum Umsturzplan und dem Attentat, dann zum Scheitern des Putsches führten. Man mag einwenden (als Historiker), dass dieser Zeitraffermodus der Komplexität des geschichtlichen Geschehens nicht gerecht wird; und vielleicht (als Popcorn-Filmzuschauer), dass bisweilen nicht die größtmögliche emotionale Tiefe erreicht wird.

        Doch beide Argumente laufen fehl. Denn Singer will keine historische Abhandlung, sondern eine zwar möglichst vollständige, aber nicht detailversessene Zusammenfassung denkbar spannend inszenieren. Und auch kein großes Melodram, sondern die dramatische Geschichte vom Widerstand innerhalb des Systems als Suspense-Thriller.

        Tatsächlich ist Tom Cruise als Stauffenberg ein cooler Hund; allein wie er den Feldwebel blufft, der ihm den Weg aus der Wolfsschanze heraus nicht gewähren will. Ein Mann der klaren Worte, der schnellen Entscheidung, des klaren Handelns: kurz, Stauffenberg ist ein prototypischer Held.

        Und: Singer flicht in seine Inszenierung gerne popkulturelle Zitate, die wie in die Geschichte eingeschrieben wirken. Setzt à la Coppola Wagners Walkürenritt mit einem Bombenangriff in Verbindung; und wo Blofeld seine Katze hat, hat der Führer seinen Hund.

        Wie klug es Singer gelingt, dass sich Filmspannung und historische Wahrheit nicht im Weg stehen, zeigt sein Suspense-Spiel mit der berühmten Aktentasche, in der Stauffenberg den Sprengstoff ins Besprechungszimmer auf der Wolfsschanze schmuggelt. Womit Singer zeigt, dass er seinen Hitchcock nicht nur gelesen, sondern auch verstanden hat (der mit seinem Beispiel einer tickenden Bombe unterm Tisch sehr anschaulich filmischen Suspense erklärt); ebenso wie seine Fähigkeit, aus ganz einfachen Elementen sehr viel Thrill zu ziehen.
      • | FAZIT

      • Die Geschichte des Hitlerattentats als Suspense-Thriller: Bryan Singer inszeniert effektvoll nicht für den Geschichtsunterricht, sondern für das Kinoerlebnis.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 7.1/10 (7 votes)

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