Sonntag | 27. Mai 2012 | 20:29 Uhr
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  • FILM REVIEW | Ob ihr wollt oder nicht!
  • Ob ihr wollt oder nicht!

    Drama, Komödie | Deutschland / Niederlande 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Laura ist todkrank. Die Chemo hat sie abgebrochen, weil sie eh nichts bringt, ihren Mann Peter hat sie verlassen, und sie ist wieder eingezogen bei Mama und Papa. Und bestimmt hier nicht nur den täglichen Speiseplan, sondern auch, dass ihre drei Schwestern anreisen. So füllt sich das Haus – und es beginnt das anstrengende Rumgezicke der vier Geschwister, die sich gegenseitig zu nerven lieben. Toni, die Jüngste, versucht mit allen Mitteln, Peter und Laura wieder zusammenzubringen – das wäre ja wohl das Beste in Lauras schwerer Zeit. Was Laura allerdings partout anders sieht. Und mit emotionaler Erpressung bekommt sie in ihrer Lage immer, was sie will.

    Dabei hat jede Schwester ihre eigenen Probleme: Coco ist genervt von ihrem bloßen Mutterdasein, Susa, die sich als toughe Geschäftsfrau gibt, hat einen Shoppingfimmel, und Toni hat zahlreiche Männerbekanntschaften, kann sich aber nicht binden.
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      • | FILMKRITIK

      • Ja sicher. Jeder mit normalem Gemüt hat Mitleid, wenn jemand unheilbar an Krebs erkrankt ist. Weil man als Mensch eine Schwäche hat für die Schwachen, weil man von großem Leid, zumal wenn es jemanden grundlos trifft, emotional berührt ist.

        Freilich hilft diese menschliche Grunddisposition dem Film nicht, emotionale Identifikation mit der Hauptfigur zu wecken. Zwar hat Laura Krebs, ist todkrank, sehr, sehr leidend – doch zugleich ist sie eine ziemliche Zicke, von Anfang an, noch bevor man irgendwas über sie weiß. Ihr Selbstmitleid führt zu ganz eigensinnigen Forderungen, die mit emotionaler Erpressung rücksichtslos durchgesetzt werden. „Ich wohn jetzt bei euch, für immer“, sagt sie zur verdutzten Mutter, gefolgt von einem „Heute Abend will ich Rouladen“ und dem knappen „Die Chemo hat ich abgebrochen“. Dann wird die ganze Brühl-Familie zusammengerufen, Lauras drei Schwestern Susa, Coco und Toni. Und Überraschung: von denen ist auch von Anfang an keine richtig sympathisch.

        Da wird dermaßen rumgezickt, die Schwestern hacken aufeinander rum, wie es nur Geschwister können, die den wunden Punkt der anderen genau kennen. Das soll alles ganz menschlich rüberkommen, doch Regisseur Ben Verbong verhebt sich mächtig. Weil das kindische Verhalten in der Brühl-Familie sehr, sehr anstrengend ist; sprich: es nervt ziemlich. Ohne dass es die erwünschte vielschichtige Darstellung von ganz normalen und im Herzensgrunde netten Menschen wäre.

        Dazu kommt noch das spürbare Bemühen des Drehbuchs, die Gegensätze unter den ungleichen Geschwistern klar herauszuarbeiten, das leider allzu sehr zu spürbarer bloßer Typisierung gerinnt. Weil die Charaktere ziemlich unterkomplex gezeichnet sind, jeder mit ein paar wenigen Merkmalen, die freilich nicht reichen, ihn zur vollwertigen, ernstzunehmenden Figur auszugestalten. So wirkt es eher unbeholfen, den Vater mit genau drei Mitteln charakterisieren zu wollen: er sammelt Schwerter, spielt Schach und benutzt gerne lateinische Redewendungen. Was in der Summe eben gar nichts ergibt.

        Und Ben Verbongs Inszenierung ist – als wäre das alles nicht genug – ganz auf Fernsehästhetik getrimmt, mit nett drappierten Arrangements der Figuren im filmischen Raum, mit vielen Großaufnahmen, die auch beim Büglen auf einem 35cm-Bildschirm deutlich wahrgenommen werden können. Wäre der Film etwas kürzer geschnitten – was kein allzu großes Problem darstellen dürfte – und die Sexszenen – speziell ein (von hinten gefilmter) Blowjob – etwas entschärft: perfekte Ware für das öffentlich-rechtliche TV-Abendprogramm.

        Dabei hätte das Thema ja durchaus was hergegeben: die Todkranke mit dem klaren Blick auf ihr kommendes Schicksal, was zu mal selbstironischen, mal sarkastischen Sprüchen führt; die Probleme der Familie im Umgang mit der Krankheit und dem näherkommenden Tod; schließlich auch die Thematik von selbstbestimmtem Sterben, die sich aus dem Tohuwabohu in der Brühl-Familie immer mehr als Tenor des Films herausstellt.

        Aber leider interessiert einen diese Familie mit ihren Problemen von Krebs über Shoppingneurose bis zu Liebeskummer und Eheproblematik nicht die Bohne.
      • | FAZIT

      • Die Chance, eine Tragikomödie über den Umgang mit dem nahen Tod einer Familienangehörigen zu schaffen, wird durch ein knöchernes Drehbuch und dröge Inszenierung verschenkt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

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