Die Straßen von Rom sind vor dem Feiertag Ferragosto wie ausgestorben. Jeder fährt in der Woche um den 15. August weg, außer Gianni. Der schon leicht ergraute Mann wohnt bei seiner Mutter, um die er sich rührend kümmert. Sonst geht er keiner Arbeit nach und der Verwalter der Hausgemeinschaft erinnert ihn an die vielen unbezahlten Rechnungen. Er könne die Schulden erlassen, sagt der Verwalter, wenn seine Mutter über Ferragosto zwei Tage bei Gianni wohnen darf.
Gianni und seine Mutter sind unter diesen Umständen natürlich einverstanden. Doch dann erscheint nicht nur die angekündigte Mutter, sondern auch die Tante des Verwalters. Kurz darauf bringt ein befreundeter Arzt seine Mutter vorbei, nur für eine Nacht. Die vier alten Damen sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, und Gianni hat bald keine ruhige Minute mehr.
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| FILMKRITIK
Das bezaubernde, absolut ungewöhnliche Regiedebüt des Drehbuchautors Gianni Di Gregorio ist ein kleines Filmjuwel. Mit römischer Leichtigkeit und Kreativität inszeniert, spielt die humorvolle Geschichte in den Räumen einer Stadtwohnung, von einigen wenigen Außenaufnahmen abgesehen. Der Regisseur ist auch der Hauptdarsteller, und seine vier betagten Stars sind, kaum zu glauben, Laiendarstellerinnen. Der Filmemacher Matteo Garrone fungiert hier als Produzent für seinen langjährigen Regieassistenten Di Gregorio, der auch am Drehbuch von „Gomorrha“ beteiligt war.
Der 59-jährige Gianni ist der Inbegriff des fürsorglichen Sohnes, er kocht, serviert und ist Vorleser für seine Mutter, die das Haus anscheinend nicht mehr verlässt. Diese von Valeria De Franciscis gespielte Dame ist auch in hohem Alter Aristokratin, stets hervorragend frisiert. Sie drückt sich gewählt aus und schminkt sich in Erwartung der Gäste. Wenn Gianni mal vor das Haus geht, dann zur Weinhandlung an der Ecke, wo er ein Gläschen trinkt und mit einem Nachbarn über die Hitze sinniert. Heimlich stöhnt der Mann über seinen Stress, dabei weiß er noch gar nicht, wie es erst mit vier alten Frauen wird...
Die Gäste Marina, Maria und Grazia sind einfachere Frauen als die elegante Valeria, doch auch sie haben ihre Eigenheiten. Marina will den einzigen Fernseher in ihrem Zimmer haben, und testet sofort die Güte der Schlafcouch. Tante Maria bereitet ihren berühmten Nudelauflauf für den Abend vor, während Grazia, so hat es ihr Sohn dem Gastgeber eingeschärft, weder Milch, noch Käse und Tomatensauce verträgt.
Als die drei Frauen die Wohnung betraten, wirkten sie noch wie schüchterne Kinder im Schlepptau ihrer wortführenden Angehörigen. Doch schon bald geht es hoch her, vor allem für Gianni, der seiner Mutter den Nudelauflauf ins Zimmer tragen muss, weil sie nicht mit Grazia und Maria in der Küche sitzen will. Die müssen aber dort essen, weil Marina nämlich die Tür zum Salon, in dem sie wohnt, nicht aufmachen will. Gianni gibt mit viel Geduld und stets guter Laune sein Bestes, um allen Wünschen gerecht zu werden – doch die Nacht ist noch jung und die Damen gehen nicht alle artig zu Bett.
Am nächsten Tag, dem Feiertag Maria Himmelfahrt, sind die Damen schon miteinander befreundet und legen ihre besten Gewänder für das Festessen an. Ihre gelöste Vorfreude teilt sich mühelos mit, ebenso wie die Hitze in der Stadt fast zu spüren ist, wenn Gianni abends die Fensterläden schließt. Gianni erinnert an den voll geforderten Butler in „Dinner for One“. Die Darstellerinnen begeistern mit ihrem natürlichen, authentisch wirkenden Spiel. Endlich der Einsamkeit ihrer eigenen vier Wände entronnen, ergreifen sie freudig die Gelegenheit zum Feiern. Noch im Abspann dieses köstlichen Films kann man ein paar Blicke darauf erhaschen.
| FAZIT
Ein originelles Kinovergnügen mit vier alten Laiendarstellerinnen und einem nicht mehr ganz jungen italienischen Sohn.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung