FILM REVIEW | Der seltsame Fall des Benjamin Button
Der seltsame Fall des Benjamin Button
Drama,
Fantasy,
Mystery,
Romanze
| USA 2008
| INHALTSANGABE
Benjamin Button (Brad Pitt) altert rückwärts! Das heißt, er wird als Greis in Säuglingsgröße geboren und wird dann äußerlich immer jünger. Seine Mutter stirbt bei der Geburt, sein Vater ekelt sich vor ihm und setzt ihn vor einem Altenheim aus, wo er schließlich von der Wirtschafterin Queenie (Taraji P. Henson) gefunden und liebevoll aufgezogen wird.
Bald schon wird ihm sein Zuhause allerdings zu klein und es zieht ihn hinaus in die weite Welt. Als Seefahrer gelangt er bis nach Russland. Doch er kann Daisy (Cate Blanchett), die Enkelin einer Altenheimbewohnerin nicht vergessen. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege, bis sie schließlich äußerlich und innerlich im gleichen Alter sind und ein Paar werden. Doch wie kann diese Beziehung von Dauer sein?
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| FILMKRITIK
F. Scott Fitzgerald hatte die Idee eines rückwärts alternden Menschen und verpackte sie in eine Kurzgeschichte, die lange als unverfilmbar galt. Ausgerechnet David Fincher, der sich mit Thrillern wie „Se7en“ (1995), „The Game“ (1997) und „Fight Club“ (1999) einen Namen gemacht hat, wagte sich an dieses Drama. Wie bereits 2007 mit „Zodiac“ beweist er hierbei erneut, dass er auch durchaus ein Gespür für ruhige Geschichten hat. Während „Zodiac“ nicht wirklich an seine bisherigen Erfolge anknüpfen konnte, dürfte das für „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ kein Problem sein. Einer der Gründe ist mit Sicherheit die erneute Zusammenarbeit mit Brad Pitt. In den beiden bisherigen Fällen („Se7en“ und „Fight Club“) ist diese ohne Zweifel äußerst fruchtbar gewesen. Weitere Zauberwörter sind Tricktechnik und Make-up-Design (übrigens nur zwei der insgesamt 13 Bereiche, in denen der Film für einen Oscar nominiert ist). Kaum eine Einstellung dürfte ohne Tricktechnik funktionieren, aber erst das perfekte Zusammenspiel mit dem hervorragenden Make-up-Design ermöglicht die Darstellung von Brad Pitt und Cate Blanchett in den verschieden Lebens- und Altersstadien. Es ist erstaunlich wie bei Benjamin immer mehr von Brad Pitts bekannter Mimik durch die Falten dringt.
Pitt sammelte bereits in „Rendevous mit Joe Black“ (Martin Brest, 1998) Erfahrungen mit der Darstellung einer Figur, die nach Außen hin ein anderes Bild von seinem Erfahrungsstand vermittelt, als sie in Wirklichkeit hat. Als Joe Black war es der Geschmack von Erdnussbutter, den er sich mit der Faszination eines Kindes zum ersten Mal auf der Zunge zergehen lässt. Die Rolle der Erdnussbutter nimmt hier Kaviar ein. Und Pitt gelingt diese kindliche Faszination erneut. Sogar in stärkerem Maß, weil sie sein faltiges Äußere vollkommen in den Hintergrund drängt.
Obwohl das Leben von Benjamin Button verkehrt herum verläuft, macht er dieselben Erfahrungen, wie jeder von uns – manche nur in einer anderen Reihenfolge. Schon früh ist der Tod ein fester Bestandteil seines Lebens. Er lernt ihn zu akzeptieren und erkennt, dass nichts von ewiger Dauer ist. Auch Beziehungen zu geliebten Menschen können wir nicht festhalten, selbst wenn wir es noch so sehr wollen. Im Zentrum des Films steht die Liebesgeschichte zwischen Benjamin und Daisy. Wenn sie sich endlich kriegen, ist der Zuschauer mindestens genauso erleichtert wie die Figuren auf der Leinwand; und obwohl deren Beziehung hauptsächlich durch eine einfache Montagesequenz dargestellt wird, genießt man sie und wünscht, sie würde niemals enden.
Abgesehen von Benjamins Alterungsprozess passiert auf der Leinwand nichts Besonderes und gerade weil in jeder Szene etwas ganz Alltägliches passiert, ist der Film für den Zuschauer ein bewegendes Erlebnis. „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ ist ein einfühlsames Märchen über die Unabwendbarkeit der Zeit ohne schnelle Schnitte und hektische Kamerabewegungen, erzählt in ruhigen epischen Bildern. Ein Film über Begegnungen und Trennungen und wie man durch sie beeinflusst wird. Trotz aller Fantasie ein Film über das Leben.
| FAZIT
Ein wunderschönes Märchen, das „JA“ sagt zum Leben mit all seinen Konsequenzen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung