Sonntag | 27. Mai 2012 | 20:35 Uhr
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  • FILM REVIEW | Rachels Hochzeit
  • Rachels Hochzeit

    Drama | USA 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Weil ihre Schwester Rachel heiratet, kommt die junge Kym für ein Wochenende in ihr Elternhaus zurück. Ihr Vater Paul und seine Frau Carol haben Kym aus einer Klinik abgeholt, in der sie ein Leben ohne Drogen ausprobiert. Das Elternhaus ist voller Menschen, die Musik machen und sich auf das Fest vorbereiten. Kym fällt bald unangenehm auf und klagt ihre Familie an, sie nicht oder nur negativ zu beachten.

    Rachel will sich das Fest nicht zerstören lassen und beschimpft ihre Schwester. Der Vater versucht zu beschwichtigen, doch nach und nach kommt eine Familientragödie ans Licht, die immer noch alle im Griff hat. Kym hatte als Jugendliche im Drogenrausch einen Autounfall verursacht, bei dem ihr kleiner Bruder starb. Trotz dieser Bürde versucht die Familie, normal zu funktionieren.
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      • | FILMKRITIK

      • Regisseur Jonathan Demme verwendet das Erstlings-Drehbuch von Sidney Lumets Tochter Jenny für ein Experiment zwischen Dokumentarstil, Drama und Improvisation. „Rachels Hochzeit“ zeigt eine gar nicht liebliche Anne Hathaway inmitten einer großen Gruppe aus Schauspielern, Musikern und anderen Freunden von Jonathan Demme. Mit hektischen Handkameras im Stil von Heimvideos gedreht und von einem vielfältigen Soundtrack begleitet, den die Gäste der Hochzeitsfeier beisteuern, entwickelt dieser absolut ungewöhnliche Film eine starke emotionale Wirkung.

        Die von Anne Hathaway gespielte Kym kommt in ihr Elternhaus, das bereits von Gästen der bevorstehenden Hochzeit bevölkert ist. Manche von ihnen musizieren im Garten und vor dem Eingang, Vater Paul bietet Snacks an und Schwester Rachel lässt sich von ihren Brautjungfern bei der Anprobe des Kleides helfen. Kym geht durch die Räume wie eine Fremdgewordene, die ihren Platz nicht mehr findet. Dann muss sie zum Gruppentreffen für ehemalige Abhängige, die sich im Stil der Anonymen Alkoholiker outen. Sie hört nur zu, ihre erschütternde Beichte folgt beim nächsten Treffen.

        Rachel, gespielt von Rosemarie DeWitt, heiratet einen Schwarzen namens Sidney, dessen Familie ebenfalls anwesend ist. Sidney wird von dem Musiker Tunde Adebimpe dargestellt, der während der Trauungszeremonie im indischen Stil ein Lied von Neil Young a cappella vorträgt. Doch schon am Begrüßungsabend mit den Toasts, die Verwandte und Freunde ausbringen, rückt sich Kym in den Vordergrund. Anstatt über ihre Schwester zu sprechen, stellt sie sich selbst vor, als chronisch Ausgeflippte, die aus den Kliniken nur rauskommt, um erneut etwas anzustellen.

        Rachel macht Kym nach diesem Auftritt eine Szene, die sich gewaschen hat. Die bitterböse Rivalität der Schwestern zieht auch den Vater mit hinein. Paul, ergreifend gespielt von Bill Irwin, versucht stets, Kym zu beschützen und Rachel zu beruhigen, doch auch ihn wird der Schmerz in einem gänzlich unerwarteten Moment einholen.

        Auf der inhaltlichen Ebene ist es diese Parallelität von Fest und Trauer, von Normalität und Wahnsinn, die ihre Wirkung nicht verfehlt: die vielen Gäste, die große Feier, die dynamische Atmosphäre mit Spaß und Musik einerseits, der eskalierende Streit im Kern der Familie andererseits, der alles zu zerstören droht. Gerade weil die Figuren, vor allem Kym, so unbeschönigt wie im richtigen Leben aufeinander losgehen und sich daneben benehmen, erreicht ihre innere Spannung eine hohe Glaubwürdigkeit.

        Auf der formalen Ebene irrt die Kamera in ständiger Bewegung zwischen den Gesichtern, den Tellern, den Sitzgruppen herum, von vorne, von hinten, im Kreis, oft verwackelt und unscharf, wie eines dieser Videos, das in der Hand filmender Gäste wohl gerade entsteht. Dieses Unstete spiegelt die Suche der Charaktere nach Halt und Orientierung. Doch auch der Schnitt ist lange Zeit am Adrenalingehalt der Szenen interessiert und lässt kontemplative, ruhige Aufnahmen erst später zu. Ein solches Vorgehen verlangt vom Zuschauer Geduld. Dennoch ist dies ein Film, der das Tragische, das Mitreißende und das Leben selbst mit wachem Blick eingefangen hat.
      • | FAZIT

      • Jonathan Demme erzeugt mit seinem filmischen Experiment zwischen großem Drama und Improvisation eine authentische Atmosphäre mit Tiefenwirkung.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 1.0/10 (2 votes)

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