Seit ihn seine Freundin vor drei Jahren verlassen hat, verweigert sich Carl Allen. Allem. Seinen Freunden, seiner Karriere, der Liebe, dem Leben. Das Nein regiert seinen Alltag. Bis er zu einem Lebenshilfe-Seminar geschleppt wird, wo ihn der Guru überrumpelt. Und er einen Schwur leistet: Ab jetzt will er immer und immer und immer ja sagen. Wodurch er leicht in brenzlige Situationen gerät, ausgenutzt wird, wie ein Hanswurst dasteht. Worin aber immer auch der Anfang eines neuen, besseren Lebens steckt – nicht zuletzt verliebt er sich heftig in die unkonventionelle Allison. Doch auch die automatische Bejahung von allem birgt ihre Tücken.
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| FILMKRITIK
„Ja ist das neue Nein“ – ein ganz blöder Spruch, mit dem Selbsthilfe-Guru Terrence Bundley aber viel Geld verdient. Weil er viele Jünger gewinnt mit seiner Show, die mit simplen Effekten eine Menge Charisma erzeugt, und Jim Carreys Carl Allen zu einem quasireligiösen Schwur hinreißen lässt: Fortan zu allem Ja zu sagen.
Auf dem Papier ist dies eine ganz doofe Komödie, die sich zur Romanze entwickelt und am Ende die einfache Botschaft mit sich trägt, optimistisch zu sein, aber natürlich nur dann Ja zu sagen, wenn es von Herzen kommt; dass man für ein erfülltes, nämlich lebensbejahendes Dasein halt einfach etwas öfter etwas wagen, etwas wollen muss. Dass aus jedem Ja irgendwann, irgendwie etwas Gutes entspringt. Wie überraschend ist es aber dann, dass hier nicht einfach der übliche streng positive Optimismus-Kitsch vorgetragen wird!
Da ist zunächst Chef Norman auf der Bank, wo Carl arbeitet, aus dem man anfangs gar nicht schlau wird. Der sich als Kumpel sieht und weniger als Boss, dabei ein bisschen Peter Sellers- und Mike Myers-Slapsick aufbietet und überhaupt so wirkt, als sei er versehentlich aus einem ganz anderen Film hier hereingetreten; als wüsste er nicht, wohin; als gehöre er ohnehin nicht so ganz dazu (weshalb er auch bevorzugt „Harry-Potter“- und „300“-Partys veranstaltet [was wiederum eine ganz offene Cross-Promotion des Warner-Studios ist]).
Doch allmählich kapiert man: das ist der Beginn eines absurden Anarcho-Trips, den der Film auf den ausgefahrenen Bahnen der Allewerdenglücklich-Romantikkomödie antritt.
Spätestens mit der Foto-Jogging-Gruppe hat der Film mich für sich gewonnen: der Kurs für Leute, die erstens trainieren und zweitens ihre Fotografiefähigkeiten ausbauen wollen. Eine schon geradezu pythoneske Verbindung von Nicht-Zusammengehörigem.
Dann brechen Carl und seine Freundin Allison in der Hollywood-Bowl ein, wo ja auch ein Monty-Python-Auftritt filmisch dokumentiert wurde; die freilich jetzt von den Los Angeles Philharmonikern bespielt wird; was Carl/Carrey nicht davon abhäält, „Can’t Buy Me Love“ anzustimmen; was aber nur die untergründige Vorbereitung ist für einen späteren Spitzen-Eingeweihten-Witz ist. Carl nämlich weiß seine rudimentären Gitarrenkenntnisse (das Ja zum entsprechenden Kurs zahlt sich hier aus) zu nutzen, um einen Lebensmüden auf dem Fenstersims „Jumper“ von Third Eye Blind vorzuspielen und zu –singen (auf deutsch synchronisiert!), um danach plötzlich auszuschreien „Ich habe Blasen an den Fingern!“ – die Drehbuchautoren kennen ihren Lennon/McCartney-Kanon.
Zu dieser Ebene der Anarcho-Absurditäten gehören auch unter anderem eine ehefreudige Dame von persische-ehefrauen.com und eine ebenso alte wie geile Nachbarin; nicht zuletzt ist zu fragen, ob Carls Neigung, jeden Kredit zu bewilligen, nicht vielleicht die Finanzkrise ausgelöst hat.
Für all diesen Blödsinn sind Jim Carrey und Zooey Deschanel die perfekte Besetzung. Die Chemie stimmt absolut, und die beiden werfen sich die Gags zu wie jonglierende Zirkusclowns ihre Bälle; die sich ja auch nicht um Kohärenz scheren oder um die konsequente Einhaltung ihrer vorgegebenen Rollenschemata, sondern alles für einen Gag tun. Jim Carrey entwickelt dabei erstaunliches Talent als charmanter Scherzkeks, bei dessen Witz man hinschmelzen könnte. Schauspieler Carrey legt in seiner Figur Carl mit seiner ganzen Physis und präzisem Timing eine ausgelassene Schlagfertigkeit an, verbunden mit gehöriger (Selbst)Ironie und sehr, sehr flirtativem Subtext.
Einmal sagt Carl über Allison, sie sei witzig, mutig und habe keine Ahnung, was sie eigentlich tut, und das sei ihr ganz egal. Dasselbe könnte man über den Film sagen.
| FAZIT
Eine höchst vergnügliche Mischung aus Romanze und Gagkomödie, die sich immer wieder in absurde Höhen hinaufschwingt. So dass sich der penetrante Optimismus der Lebensbejahung, den der Film vor sich herschiebt, irgendwann ganz in Blödsinn auflöst.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung