Sonntag | 27. Mai 2012 | 19:13 Uhr
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  • FILM REVIEW | Er steht einfach nicht auf Dich!
  • Er steht einfach nicht auf Dich!

    Komödie, Romanze | USA 2009
  • | INHALTSANGABE

  • Beth (Jennifer Aniston) will von ihrem langjährigen Partner Neil (Ben Affleck) nicht geheiratet werden, Innenarchitekt Ben (Bradley Cooper) führt eine eingefahrene Ehe mit Janine (Jennifer Connelly) und gerät an die sexy Anna (Scarlett Johansson), bei der wiederum Immobilienmakler Connor (Kevin Connolly) keine Chance hat. Und während Mary (Drew Barrymore) scheinbar nur per Mail, Chat etc. dated, bekommt die verzweifelte Gigi (Ginnifer Goodwin) keinen ab, gerät an den falschen – oder „liest“ einfach nur die „Signale“ falsch, wie ihr der abgeklärte Barkbesitzer Alex (Justin Long) immer wieder klarmachen muss.
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      • | FILMKRITIK

      • Das gute an Pressevorführungen: Man bekommt Filme zu sehen, die man ansonsten sicher verpasst hätte. Und das wäre hier Schade gewesen. Denn, „Sex & the City“ und den ganzen Metrosex-Mumpitz hin- oder her, „Er steht einfach nicht auf Dich“ ist eine selten gelungene Beziehungskomödie, und das fast in allen Punkten.

        Die Autoren Abby Kohn und Marc Silverstein („Ungeküsst“, die FOX-Serie „The Opposite Sex“) haben den Bestseller von Greg Behrendt und Liz Tucchillo (an „Sex & the City“ mitgewerkelt) adaptiert, und vielleicht war es einfach ein Gewinn, dass jeweils Männlein und Weiblein zugange waren. Denn was „Er steht einfach nicht auf Dich“ von anderen Filmen desselben Themas und Ziels abhebt ist, dass beide Geschlechter im Guten wie im Schlechten zu ihrem Recht kommen – d.h. sowohl wenn es um die beziehungstechnischen, sozialen und emotionalen Schwächen und Bedürfnisse von Frauen, wie auch die Ansprüche, „Pflichten“ und Ängste von Männern geht.

        Ohne auch nur in die Nähe der seichten Sexwitzeleien oder des Klamauks zu geraten, wird der Film unter der angenehm effizienten und ansonsten souverän zurückhaltenden Regie von Ken Kwapis („Malcolm mittendrin“, „Eine für 4“) witzig, punktgenau und ehrlich ernst zugleich. Wenn sich Connor mit Homosexuellen einen neuen Kundenstamm erschließen will, droht Fettnapf oder Schenkelklopfen, aber beides umschifft der Film erstaunlich gelassen. Zumal Connor, von der Anlage her, der doofe Tölpel wäre, nicht zu einem solchen degradiert wird.

        Die Mischung macht es eben. Mag hier das eine Happy End zu dick (und unnütz, gar verräterisch sein) und dort die „Erkenntnis“ etwas arg Hollywoodesk geraten, wird das durch das – freilich positiv gedeutete – Nicht-so-gut-Davonkommen anderer Figuren aufgewogen. Auch dass sich der Film nicht nur auf ein Stadium, dem Suchen und Finden der Liebe, kapriziert, macht den Film schlicht: spannend. Vom Finden des/der Richtigen, zum nächsten Schritt und „Wie-geht’s-weiter?“ bis zum „Überleben“ (in) der Ehe (oder Frage nach dem, was sie ausmacht) werden die Facetten schnell, aber effizient abgedeckt. Jeder Zuschauer mag sich sein persönliches Problem rauspicken, im Regen wird er nicht stehen gelassen.

        Nur vordergründig beschränkt sich der Film auf den Grundgedanken, ob und wie Frauen zu „dumm“ für Männer sind: Das ungemein witzige Grundproblem – wunderbar vorgeführt zum Auftakt des Films ins allen Altergruppen und Kulturen, von der Army bis zum afrikanischen Eingeborenendorf –, jene ewige Frage, ob und wie der begehrte Mann einem sein Interesse bekunden mag und wie absurd die weibliche Exegese zwischenmenschlicher (Pseudo-)Signale dabei gerät, das ist nur ein Aufhänger. Was hier tatsächlich durchdekliniert wird, betrifft Frau wie Mann und den modernen Menschen allgemein. So wie es Mary alias Drew Barrymore in ihrer Tirade hinsichtlich des modernen Kommunikationswahns auf den Punkt bringt: Was waren das noch für Zeiten, als es nur ein Telefon und nur einen Anrufbeantworter gab und nicht tausende elektronische Möglichkeiten, die man durchkontrollieren muss, um herauszufinden, dass jemand nichts von einem will.

        Auch die Endbotschaft und Grundideologie ist so weise, wie man sich mit ihr charmant aus all diesen „Männer sind…“, „Frauen sind…“- Grundsätzlichkeiten stielt: „Ich dachte, ich sei die Regel“, sagt da Sie, als Ihm endlich klar wird, dass er sie liebt – und er kontert: „Für mich bist du die Ausnahme.“ Zack, so einfach werden Beziehungsratgebereien nichtig; und schon „Harry und Sally“ haben sich schon in dieser Art aus der Affäre gezogen, indem sie die Freundschafts- und Liebestheorie schlicht nicht beantworteten, vertagten, an den nächsten weiterreichten.

        „Er steht einfach nicht auf Dich“ reißt aber wegen seiner Dialoge und Lebendigkeit auch nur deshalb mit, weil er die Figuren für Witz und Drama gebraucht, sie darin aber nicht vorführt und vor allem: als doch erwachsene Menschen zeigt. Entsprechend kann die eindrucksvolle Crew auftrumpfen. Sichtlich Freude und Schwung haben die Darsteller. Wohl auch, weil man ihnen auch endlich mal was Gescheites zum Spielen gibt.

        Wem z.B. der ach so gelobte „Vicky Christina Carcelona“ gefallen hat, sollte Scarlett Johansson hier erleben – so sexy und lebensecht hat man sie selten gesehen. Sogar Ben Affleck macht einen guten Stand. Vor allem aber Justin Long (u.a. Bruce Willis Sidekick in „Die Hard 4.0“) bereitet große Freude und Jennifer Connelly darf zeigen, dass sie ihren „Oscar“ letztlich doch nicht umsonst hat.

        Zwei Szenen mit ihr als Janine gehören zu den besten des Films. In einer „verhört“ sie den Vorarbeiter des Trupps, der ihre und Bens Wohnung renovieren: ob einer seiner Männer bei der Arbeit heimlich rauchen würde (was ihr über Bens Aufrichtigkeit im Speziellen wie im Allgemeinen Auskunft gäbe). Wie sich Connelly’s Janine da in dieser Befragung reinsteigert, ist erst überaus komisch, lässt aber mehr und mehr einem das Lachen im Halse stecken bleiben, weil man merkt, wie viel mehr doch dahinter steckt – und an ihr nagt.

        Ein anderes Mal zerdeppert sie im Zorn einen Spiegel. Besinnt sich, geht aus dem Raum (und aus dem Bild), um, endlich, gefasst mit Besen und Kehrblech zurückzukommen und die Scherben aufzukehren. So leichthändig, knapp und doch prägnant können Tragik und Komik zusammengelegt werden.

        In diesem Sinne ist der deutsche Titel „Er steht einfach nicht auf Dich“ knapp dran und doch vorbei, weil er das Original-„He’s Just Not That Into You“ um das überaus beredte, relativierende „That“ beraubt. „Er steht einfach nicht so sehr auf dich“ könnte es heißen und würde das Sympathische, Mitfühlende des Films und seiner Perspektive(n), wie auch das „Selbstlügnerische“ damit miterfassen.

        Und allein dass eine flotte, moderne „Beziehungskomödie“, vordergründig ohne großen Sonder-Kick in Sachen Grundidee fast 130 Minuten Leinwandzeit eingeräumt bekommt, spricht für sich (und den – seltenen – Verstand von Produzenten). Der flotte „Er steht einfach nicht auf Dich“ geht jedenfalls verantwortungsvoll mit seiner (und Ihrer!) Zeit um.
      • | FAZIT

      • Erstaunlich gute, witzige und zugleich „ausgewogene“ und erwachsene Beziehungskomödie mit eindrucksvoller Starriege, die dank des Buches und der souveränen Regie brilliert.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bernd Zywietz

      • | Userwertung

      Wertung: 7.3/10 (7 votes)

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