Sonntag | 27. Mai 2012 | 19:22 Uhr
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  • FILM REVIEW | Captain Abu Raed
  • Captain Abu Raed

    Drama | Jordanien 2007
  • | INHALTSANGABE

  • Als Abu Raed am Flughafen eine Pilotenmütze findet und sie auf dem Nachhauseweg aufsetzt, wird er von Nachbarskind Tareq prompt für einen Piloten gehalten. Obwohl sich Abu Raed zunächst gegen diese Mutmaßungen wehrt, schmeichelt ihm das wachsende Interesse der Nachbarskinder.

    So setzt er sich bald abends zu den Kindern und erzählt ihnen Geschichten von seinen Abenteuern in fernen Ländern mit fremden Menschen. Die Kinder hängen in ihrer Begeisterung an seinen Lippen und nennen ihn bald nur noch Captain Abu Raed.

    Doch was sie nicht wissen – Abu Raed hat Jordanien noch niemals verlassen. Er arbeitet als Reinigungskraft am Flughafen in Amman und kennt die Ferne nur durch Gespräche der Reisegäste und Bücher.

    Einer der Jungs aus dem Viertel, Murad, weiß von Abu Raeds Geheimnis und er setzt alles daran, dass die Kinder ihm nicht mehr glauben. Abu Raed kann sich kaum gegen die Wahrheit wehren, zumal ihm Murad, der einen harten Kampf mit seinem trinksüchtigen Vater führt, leid tut.

    Nour hingegen ist alles das, was Abu Raed vorgibt zu sein. Sie ist Pilotin, fliegt regelmäßig ans andere Ende der Welt und ist doch nicht glücklich. Was zum großen Teil an ihrem Vater liegt, der die Dreißigjährige um jeden Preis verheiraten will. Doch Nour hat andere Pläne mit ihrem Leben.
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      • | FILMKRITIK

      • Captain Abu Raed ist ein charmantes Märchen aus Jordanien, das auf spielerische Weise die Geschichten seines Landes verarbeitet und dafür zu Recht mit dem World Cinema Audience Award auf dem Sundance Festival 2008 ausgezeichnet wurde. Denn dieser Film mag es zu verzaubern.

        Ähnlich wie in Die fabelhafte Welt der Amélie spinnt sich die Geschichte um einen Menschen, der sich entschließt sich in das Leben von fremden Menschen einzumischen. Abu Raed ist kultiviert, er hat hunderte von Büchern gelesen und er liebt seine verstorbene Frau immer noch wie am ersten Tag. Er führt ein einfaches Leben, wird jeden Tag vom Flughafen Shuttle abgeholt, und erzählt des Abends dem Bild seiner Frau von seinem Tag. Doch dann passiert etwas. Abu Raed kann sich nicht mehr vor der Ungerechtigkeit des Lebens verstecken. Er hat einen Einfluss über die Kinder, den er dafür nutzen will, Gutes zu tun.

        Tareq wird von seinem Vater arbeiten statt in die Schule geschickt, Murad wird von seinem Vater geschlagen, obwohl der Junge intelligenter als so manch andere aus dem Viertel sind. Und Nour fühlt sich verlassen in einer Welt, in der ihre Leidenschaft weniger zählt als ein metallenes Band an ihrem Finger.

        Abu Raed hat das Herz am richtigen Fleck und versucht ihnen allen zu helfen.

        Dabei bewegt sich der Film auf einer heiklen Gradwanderung zwischen Kitsch und Magie, doch schafft er es spielerisch für gut drei Viertel des Filmes die Balance zu seinen Gunsten zu halten. Das Ende hingegen ist aus einem anderen Kulturverständnis heraus geboren und wirkt ein wenig aufgesetzt, als hätte es mit dem Rest des Filmes nichts zu tun. Doch im Rückblick überwiegt die Erinnerung an die elegante Erzählweise. Und das Wissen um Szenen, die gerade wegen ihrer leichtfüßigen Inszenierung zu Tränen rühren.

        Captain Abu Raed wagt einen seltenen Blick in die Kultur eines für uns recht fremden Landes, der vor Selbstkritik nicht zurückscheut. Nours Kampf gegen ihren Vater spricht Bände, hier treffen alte Moralvorstellungen und neue Freiheit aufeinander.

        Ein Film, der es wert ist gesehen zu werden und sich vorbehaltlos in die Geschichte einlullen zu lassen.
      • | FAZIT

      • Ein zauberhaftes Märchen, das mit viel Feingefühl einen Einblick in die Kultur seines Landes gibt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Laura Samide

      • | Userwertung

      Wertung: 0.0/10 (0 votes)

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