FILM REVIEW | Drei Affen - nichts sehen, nichts hören, nichts sagen
Drei Affen - nichts sehen, nichts hören, nichts sagen
Drama
| Türkei 2008
| INHALTSANGABE
Es ist Nacht, eine Limousine prescht durch die Dunkelheit. Dann auf einmal der Schock, ein Mensch wurde angefahren, liegt verletzt auf der Straße.
Servet (Ercan Kesal) ist Politiker und in Anbetracht der anstehenden Wahlen wäre es eine Katastrophe, wenn er wegen dieses Autounfalls zu Rechenschaft gezogen werden würde. Also bittet er seinen Chauffeur Eyüp (Yavuz Bingol) die Schuld auf sich zu nehmen, natürlich gegen eine finanzielle Entlohnung.
Eyüp geht auf das Angebot ein und geht für seinen Boss ins Gefängnis. Nicht ahnend, dass in seiner Abwesenheit sein Sohn Ismail (Rifat Sungar) um einen Vorschuss des Geldes bitten wird. Und auch nicht ahnend, dass seine Frau Hacer (Hatice Aslan) eine Affäre mit dem ebenfalls verheirateten Servet anfangen wird.
Als Eyüp aus dem Gefängnis kommt, ist alles anders. Sein Sohn behandelt ihn wie ein rohes Ei, er weiß von der Affäre seiner Mutter. Hacer spielt die anständige Ehefrau, ist aber nicht in der Lage ihren Mann ehrlich Willkommen zu heißen.
Bald steckt die Familie in einer Krise aus wortlosen Auseinandersetzungen, die das Seelenheil von allen angreifen.
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| FILMKRITIK
Regisseur Nuri Bilge Ceylan’s Filme sind geprägt von der Kommunikationsunfähigkeit seiner Charaktere. In Drei Affen will Eyüp nicht hören, was in seiner Abwesenheit geschehen ist, Hacer verschweigt die Wahrheit und ihr Sohn Ismail gibt vor, nichts gesehen zu haben. Eine Metapher für eine Familie, die an diesen Geheimnissen zu zerbrechen droht.
In langen Einstellungen sieht man die Charaktere immer wieder auf der Couch sitzen, im Bett liegen, in der Küche sitzen. Manchmal reden sie, die meiste Zeit schweigen sie. Dann wechselt der Film in nahe Großaufnahmen der Menschen, die immer wieder in die eine, in die andere Richtung schauen, bis alles aus ihren Gesichtern fällt.
Das ist zermürbend, doch es gibt Fälle, aus denen man aus einem derartigen Film mit dem eigenartigen Gefühl einer Reinigung geht. Als hätte man etwas Wahrhaftiges gesehen. Doch leider ist dies bei Drei Affen nicht der Fall.
Zwar gibt es immer wieder Momente, in denen man sich den Charakteren nahe fühlt, ihren Schmerz kurzzeitig nachempfinden kann. Doch dann schweift der Film wieder in seine stilisierte Ästhetik ab und auf einmal werden die Gesichter zu Masken. Die keinerlei Leben beinhalten und die Gedanken, die dahinter stehen, sind auf einmal egal. Das liegt nicht immer nur am mangelnden Timing, sei es der Darsteller, sei es der Regie, des Schnittes. Dies liegt auch an einem elementaren dramaturgischen Problem.
Zuschauer brauchen einen Protagonisten, der sie auf die eine oder andere Weise durch die Geschichte führt. Doch dieser Film hat keinen Protagonisten. Er hat drei ebenbürtige Charaktere, die alle den gleichen Raum bekommen. Dadurch verspielt Ceylan die Möglichkeit Einblick in einen spezifischen Charakter zu gewähren.
So wird der Film zunehmend belanglos, der Konflikt wirkt aufgesetzt, man hat nicht mehr die Muße verstehen zu wollen, warum Hacer nicht gegen ihren Mann offen aufbegehrt, warum dieser seine Liebe nicht anders ausdrücken kann, warum Ismail so betroffen ist von dem Unglück seiner Eltern.
So scheitert Ceylans Film ausgerechnet dort, wo er eigentlich triumphieren wollte. Dies ist kein authentischer Einblick in das Leben. Dies hier fühlt sich an wie eine Seifenoper mit interessanten Gesichtern, die aber aufgrund ihrer Belanglosigkeit verblassen.
| FAZIT
Ein Film, der zuviel wollte und in der Umsetzung kläglich scheitert.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung